Zukunftsplanung
Abtretende Kantonsrätin Colette Adam: «Ich gehöre nicht zum alten Eisen»

Auf einen Kaffee mit... Colette Adam (SVP, Derendingen), die aus dem Kantonsrat per Ende Jahr zurücktritt. Die Juristin ist aber offen für andere politische Aufgaben.

Elisabeth Seifert
Merken
Drucken
Teilen
Colette Adam.bar

Colette Adam.bar

Hanspeter Baertschi

Colette Adam sitzt an dem Platz, wo sie immer sitzt, wenn sie in der Anwaltskanzlei Klienten empfängt. Auf dem Konferenztisch stehen mehrere Mineralwasserfläschchen samt Gläsern. Kaffee gibts zu den Besprechungen, die hier stattfinden, in der Regel keinen. Für uns macht die Hausherrin eine Ausnahme. Sie selber nippt für das Foto allerdings bloss an der Kaffeetasse. Ihre Tagesration Koffein habe sie bereits in den frühen Morgenstunden genossen, «um wach zu werden», sagt sie und outet sich als Morgenmuffel.

Die Stühle rund um den Konferenztisch haben eine aussergewöhnliche Form. Markante Stahlkonstruktionen mit flexiblen Sitz- und Rückenpolstern aus weissem Leder. Ein Design ihres Vaters, wie sie stolz erklärt. Die Anwaltskanzlei, die Colette Adam gemeinsam mit ihrem Mann führt, ist im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses in Derendingen untergebracht, das ihr Vater Ende der Sechzigerjahre erbaut hat.

In diesem Haus ist Colette Adam aufgewachsen und hier wohnt sie auch heute. Seit 2009 ist der Wohn- zudem ihr Arbeitsort. Damals hat die ausgebildete Juristin ihren Job als Chefin der «Fremdenpolizei» des Kantons Solothurn an den Nagel gehängt, wurde für die SVP in den Kantonsrat gewählt – und hat gleichzeitig eine Anwaltskanzlei eröffnet. Unterstützt werden sie und ihr Mann bei der täglichen Arbeit mittlerweile von drei Juristinnen («Ich bin gegen Frauenquoten, engagiere mich aber für die Förderung von Frauen»). Als Kantonsrätin indes hat sie per Ende Jahr ihre Demission eingereicht.

Rücktritt aus Enttäuschung?

Ein Rücktritt, der überraschend kommt, für den aussenstehenden Beobachter jedenfalls. Als Quereinsteigerin hat Colette Adam vor sechs Jahren auf Anhieb den Einzug ins Kantonsparlament geschafft. Gleichzeitig war sie die weibliche Galionsfigur im Regierungsratswahlkampf der SVP, die damals mit einem Fünferticket alle fünf wieder antretenden Regierungsräte herausgefordert hat. Ein Versuch freilich, der gescheitert ist. Seither hat sich die heute 54-Jährige im Kantonsrat einen Namen als Finanzpolitikerin gemacht, innerhalb der SVP-Fraktion, aber auch darüber hinaus.

Aufhorchen liessen Anfang Dezember besonders die pointierten Worte des Demissionsschreibens, in dem sie nicht mit Kritik am Solothurner Politbetrieb sparte. Scharf ins Gericht ging sie darin etwa damit, dass SVP-Vertreter trotz Wahlerfolgen der Partei immer noch kaum eine Chance hätten, als Richter oder Regierungsrat gewählt zu werden.

Und was ihr Steckenpferd, die Finanz- und Steuerpolitik, betrifft: Hier holte Adam einmal mehr zu einer Grundsatzkritik an Regierung und Parlament aus. Diese liessen es, so Adam, an einem «starken Gestaltungswillen» fehlen. Sie warten lieber ab, statt den Kanton im Hinblick auf die Unternehmenssteuerreform III «fit für die Zukunft zu machen». Sprich: eine Steuerstrategie an die Hand zu nehmen und «echte Sparmassnahmen» einzuleiten.

Hand aufs Herz, Frau Adam: Haben Sie aus Enttäuschung darüber, dass Sie mit Ihrem politischen Gestaltungswillen immer wieder an Grenzen gestossen sind, den Bettel hingeschmissen?

Eine Frage, die für sie nicht ganz unerwartet kommt – und sie doch etwas erstaunt. «Es hat über meinem politischen Engagement keine Schatten oder Wolken gegeben», hält sie entschieden entgegen. «Alles, was ich anpacke, mache ich mit viel Herzblut, selbst das Rasenmähen im Garten», meint sie schmunzelnd. Für ihr Engagement sei ihr auch immer Wertschätzung entgegenbracht worden – gerade auch von Politikern aus anderen Lagern.

«In der Finanzkommission haben wir über die Parteigrenzen zum Wohl des Kantons sehr gut zusammengearbeitet und auch so manches Anliegen durchgebracht.» Vor allem habe die Finanzkommission in den letzten Jahren mehr Eigenständigkeit und Unabhängigkeit gegenüber dem «mächtigen» Finanzdepartement gewonnen, sagt Adam und lächelt selbstbewusst.

Jungen das Ruder übergeben

«Jetzt aber ist einfach Zeit, das Ruder anderen zu überlassen.» Den «Jungen in der Partei». Sie spielt damit auf den Generationenwechsel innerhalb der SVP Kanton Solothurn an. Einen Wechsel, den sie als ehemalige Vizepräsidentin der Partei selbst aktiv mitgestaltet habe, betont Colette Adam. Sie fühle sich denn auch keineswegs von der jungen Führungsriege an den Rand gedrängt («Ich gehöre nicht zum alten Eisen»). Ein wichtiges Anliegen aber sei ihr die Zukunftsplanung, für ihre Partei genauso wie für den Kanton – oder auch für die Klienten ihrer Kanzlei.

Sie selbst freilich bleibe ein politischer Mensch – auch nach ihrer Zeit als Kantonsrätin. Genau so, wie sie das bereits vorher als Chefin der «Fremdenpolizei» war (heute: «Amt für Ausländerfragen»). Wie also sieht ihre eigene politische Zukunftsplanung aus? «Ich bin offen für sehr vieles», sagt sie, ohne konkret werden zu wollen. Dann aber meint sie: «Ich könnte mir zum Beispiel eine Tätigkeit in der Politikberatung vorstellen.»

«Gegenseitiger Respekt»

Keinen Zweifel lässt Colette Adam daran, dass sie der SVP-Politik auch weiterhin die Treue hält. «Mein Herz schlägt rechts.» Obwohl sie genau weiss, wo ihre politische Heimat liegt, sucht sie dennoch immer wieder das Gespräch mit Andersdenkenden. «Nur durch eine solche geistige Auseinandersetzung kommt man weiter», ist die SVP-Politikerin überzeugt.

Möglich werde ein wirklich «spannender Gedankenaustausch durch «gegenseitigen Respekt». Man müsse einander zuhören, selbst wenn man die Ideen des anderen nicht teilt. Genau dies sei auch das Geheimnis für das gute Einvernehmen innerhalb der kantonsrätlichen Finanzkommission. Das sind schon fast magistrale Gedanken. Bringt sie sich damit nicht gerade als mögliche Kandidatin der SVP für die Regierungsratswahlen 2017 ins Spiel?

Ihr «Herzblut» gilt mit dem neuen Jahr jetzt vor allem ihrer Anwaltskanzlei. Besonders freut sie sich zudem darauf, mit ihrem Mann künftig noch öfters durch ihre Lieblingsstadt Berlin wandern zu können. Eine Stadt freilich, die sie gerade auch durch das vitale kulturelle Klima fasziniert – geprägt von linken Intellektuellen.