Heute Samstag um 18 Uhr startet für das Frauenfussballteam SC Derendingen das neue Kapitel «Nationalliga A». Das Heimspiel auf der Heidenegg gegen den Vorjahresaufsteiger FF Lugano ist aber nur erste Zwischenstation. Denn begonnen hat das Abenteuer gleich nach dem Aufstieg vor zwei Monaten. «Wir hatten eine Art runden Tisch und sprachen über die Zukunft», erläutert Erfolgstrainer Urs Bachmann.

Die meisten Spielerinnen seien bereit gewesen, den zu erwartenden, zusätzlichen Aufwand auf sich zu nehmen. «Wer das nicht kann, spielt in der 2. Mannschaft und versucht dort, mit dem zweiten Team den Aufstieg in die 2. Liga zu realisieren. Dann würde die Spanne zwischen erstem und zweiten Team nicht mehr so weit auseinanderliegen.»

Die Spielerinnen trainieren nun vier Mal wöchentlich, haben also eine Schicht zugelegt. Trainer Urs Bachmann wird neu unterstützt von zwei Assistenztrainerinnen und einem Teammanager (Vater einer Spielerin), der die administrativen Aufgaben erledigt. «In den Trainings wurde die Intensität erhöht. Erstmals hatten wir in der Vorbereitungsphase einen Konditionstrainer.» Und neu mit dabei sind nun auch Goalietrainerinnen.

Grosse Veränderungen

Der Aufstieg in die höchste Liga hat beinahe in jeder Hinsicht Auswirkungen auf den SC Derendingen. Urs Bachmann, Vater dreier Töchter, überlegt sich, seine berufliche Tätigkeit in der IT-Branche auf 80 Prozent zu beschränken, und dafür ein 20-Prozent-Pensum als Trainer anzustreben. «Aktuell verbinde ich meine Ferien mit dem Fussball.» Seine Kollegen in der Nationalliga A seien zumeist Profitrainer mit einem Pensum von 30 bis 100 Prozent.

Auch die Spielerinnen werden durch die intensivere Belastung körperlich stärker gefordert. Mit dem lokalen Physiotherapeuten Hans Koch wurde eine Abmachung ausgehandelt, um die Regeneration der Spielerinnen während und nach den Spielen zu sichern. Neu muss der SC Derendingen in den Spielen seines Frauenteams eine gesundheitliche Betreuung mit dabei haben.

Der nationale Verband versucht gleichzeitig, den Frauenfussball zu fördern. Jedes Spiel soll aufgezeichnet und ein Zusammenschnitt aller Partien online veröffentlicht werden. Der SC Derendingen wird honoriert, wenn er einen Platzspeaker stellen kann, wenn mehr als 300 Zuschauer ein Spiel verfolgen oder wenn Ballgirls aufgeboten werden können. «Wir haben als Provinzklub grosse Chancen, das Zuschauerkriterium erfüllen zu können. Wir hatten in der letzten Rückrunde teilweise gegen 300 Zuschauerinnen und Zuschauer pro Spiel», so Bachmann.

Chancen des Provinzklubs

Die vier Zuzüge, eine stammt aus dem eigenen Nachwuchs, die anderen aus der Region, haben sich ins Team integriert. «Sie machen eine gute Figur. Leider hat sich eine verletzt. Ein Kreuzband ist gerissen. Dasselbe passierte einer Stammspielerin in einem Trainingsspiel.»

Trainer Bachmann will weiterhin auf den Nachwuchs setzen. «Jetzt haben wir auch eine zweite Top-Torwartin im Team.»

Es handelt sich dabei um Natascha Honegger, die Stammtorhüterin der U19-Nati, welche an den Europameisterschaften in der Slowakei in den Halbfinal vorgestossen ist. «Sie wird mit uns und im früheren Verein FC Zürich trainieren.» Honegger ist die einzige Auswärtige. «Sonst stammen alle Spielerinnen des SC Derendingen aus der nahen und weiteren Region.»

Schritt für Schritt will Urs Bachmann das Team an die höheren Anforderungen heranführen. «Wir wollen uns nicht am Thema Abstieg oder Nichtabstieg orientieren. Wir wollen einfach als Team weiterkommen», erklärt Bachmann den Anspruch des Teams. Der Rhythmus sei stetig gesteigert worden. «Gegen YB haben wir kürzlich nur knapp verloren. Wir sind auf dem richtigen Weg und schauen nach vorne. Das Team ist bereit.»

Gleichzeitig will der Verband die Qualität an der nationalen Spitze des Frauenfussballes, zu der nun der SC Derendingen gezählt wird, verbessern. In dieser Saison wird die Nationalliga A von 10 auf 8 Teams reduziert. Die letzten 4 Teams der Nationalliga A werden am Ende mit den 2 besten Teams der Nationalliga B um zwei Plätze in der oberen Liga spielen. «Es wird sicher hart, aber wir gehen den Weg», kommentiert der Trainer.