Viehschau in Brügglen
«Absolute Augenweide»: Das ist die neue Miss Bucheggberg 2018

Ein schönes Fest fand mit der Wahl der schönsten Kühe seinen Höhepunkt. Am Samstag wurde auf dem Hof von Hansueli und Kathrin Wyss in Brügglen aus über 100 Kühen die Schönste auserkoren.

Hanspeter Schläfli
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Der betörende Duft der Kuhfladen lag in der Luft und das Muhen war weitherum zu hören. Majestätische Kühe und in Trachten gekleidete Meitschi bildeten die idyllische Kulisse, und es fehlten eigentlich nur noch das Aennili und der Felix für eine Zeitreise zu Jeremias Gotthelf ins fiktive Dorf Vehfreude, als am Samstag auf dem Hof von Hansueli und Kathrin Wyss in Brügglen aus über 100 Kühen die Miss Bucheggberg erkoren wurde. Oder anders gesagt: Die traditionsreiche Viehschau des Viehzuchtvereins Bucheggberg war ein wunderbares Fest.

Ausstellungsreglement

Wenn die Euter tropfen

Wann beginnt eine Kuh wegen eines übervollen Euters zu leiden? Wann ist eine Zwischenmelkzeit zu lang? Wie lange dauert es, bis sich Ödeme bilden und die Kuh ernsthaft krank wird? Dies sind Fragen, die sich die Bauern stellen, die an Ausstellungen teilnehmen. Sie haben die Kritik aus Tierschutzkreisen und vom «Kassensturz» ernst genommen und sich ein neues Ausstellungsreglement gegeben, das seit dem 1. Januar 2018 gilt. Tropfende Euter waren auch an der Viehschau in Brügglen einige zu beobachten. Das Reglement der Bucheggberger Viehschau verlangte, dass alle Kühe noch auf dem Schauplatz gemolken werden, also gleich nach den Prämierungen.

Vor zwei Wochen begann ein Artikel in der Zeitung «Schweizer Bauer» mit den Worten: «Das neue Ausstellungsreglement erfüllt den Zweck nicht wie gewünscht. Nun soll das Reglement erneut verschärft werden.» Das Kontroll- und Sanktionssystem sei viel zu milde, meinen die Bauern, denen das Tierwohl am Herzen liegt. Vor allem aber schreibt das Reglement keine maximale Zwischenmelkzeit vor. Tierschützer finden, 12 Stunden seien das absolute Limit.

Die Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter ist die Dachorganisation der Rindviehzuchtverbände. Deren Präsident Andreas Aebi will einlenken. In einem Interview gegenüber dem Schweizer Fernsehen sagte er, dass Zwischenmelkzeiten ausserhalb von 12 bis 14 Stunden nicht vorkommen dürfen. Vielleicht werde dieses Limit ins Ausstellungsreglement aufgenommen. (hps)

«Ein Euter muss breit sein und es braucht ein sehr starkes Zentralband, das das Euter oben hält. Es muss gut verwachsen sein, sowohl an der Bauchdecke als auch hinten beim Nacheuter und am Schenkel, es muss ein schönes Fundament, eine gute Drüsigkeit haben und es braucht vier korrekt platzierte, schöne Striche.» So beschreibt Christian Aegerter, der Präsident der Viehschauexperten die Kriterien, mit denen er die Kühe in Brügglen beurteilte.

«Nur eine gesunde Kuh gewinnt»

«Eine absolute Augenweide», lobte Aegeter die acht Kühe, die es in Brügglen bis in den Final geschafft hatten. Dann fällte der Richter sein erstes Urteil: «Für mich ist die Schöneuterkuh Bucheggberg 2018 diese Weissfleckviehkuh des Bildungszentrums Wallierhof.» Ohne Pause gings gleich weiter zum absoluten Höhepunkt des Nachmittags. «Sie hat einen starken, breiten Körper, ein gutes Fundament und ein sehr schön verwachsenes Euter», lobte Christian Aegerter die Holsteiner Kuh von Markus Schläfli aus Horriwil, die er zur Miss Bucheggberg 2018 auserkor.

Markus Schläfli konnte nach dieser Ehrung seine Freude und den Stolz nicht verbergen. «Es ist die tägliche Pflege, die eine Siegerin ausmacht», beschrieb der Bauer aus Horriwil sein Erfolgsrezept. «Man muss die Kühe gern haben und schauen, dass es ihnen immer gut geht. Nur eine gesunde und glückliche Kuh kann gewinnen.» Geld verdienen könne man an einer solchen Viehschau nicht, erklärt er die Bedeutung des Anlasses. Das Leben eines Landwirtes sei nicht immer einfach, aber solche Anlässe seien eine Motivation. «Es ist die Anerkennung für unsere Arbeit. Es ist etwas vom Schönsten für einen Bauern, wenn er mit einer Kuh an einer Viehschau gewinnen kann.»