Derendingen
Abendgespräch fand ohne Schang Hutter statt

Im Rahmen der Skulpturenausstellung Kunst im Dorf war ein Abendgespräch mit Bildhauer Schang Hutter angekündigt. Der 83-jährige Hutter, gesundheitlich angeschlagen, konnte den Termin nicht wahrnehmen. Stattdessen wurde ein Dokumentarfilm über den Künstler geschaut.

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Diese Skulptur von Schang Hutter ist Teil der Ausstellung Kunst im Dorf.

Diese Skulptur von Schang Hutter ist Teil der Ausstellung Kunst im Dorf.

Hanspeter Bärtschi

Rolf Walker, Organisator der Skulpturenausstellung, hatte in weiser Voraussicht den Dokumentarfilm «Der Verletzlichkeit Raum geben» über Schang Hutter besorgt.

Der Film von Ivo Kummer zeigt in Momentaufnahmen wichtige Stationen und Zäsuren seines künstlerischen Schaffens und Lebens zwischen 1982 und 2007 und vermittelte den 50 Besucherinnen und Besuchern im Restaurant Tharad eine intensive Auseinandersetzung mit Schang Hutter.

Der Film (2007) startet mit damals aktuellen Bildern von Hutter in dessen Atelier in Genua. In Rückblenden wird das bisherige Leben und Schaffen von 1982 an aufgerollt. Als die Filmcrew Hutter für Filmaufnahmen besuchte, porträtierte er hauptsächlich. Zu sehen sind eindringliche Bilder von Hutter, der mit seinen Fingern aus Lehm Köpfe formt. Hutter sagte einmal, er wäre am liebsten Chirurg geworden. Modell stehen ihm Menschen, die er auf der Strasse angeworben hatte. Die Kamera kreist um das Dreiergespann Hutter – Modell – Büste und dokumentiert die Entstehung der Kopfplastiken.

Die Rückblenden starten 1982. Damals verliess Schang Hutter das beschauliche Küttigkofen und siedelte in der Hafenstadt Hamburg und anschliessend in Berlin. Er wollte «mehr wahrgenommen» werden. Hutter erklärt im Film, wie seine Figuren, ausgehend von einer Kopffigur, sich im Laufe der Jahre wandelten zu den typischen Figuren mit langen, dünnen Körpern. Unvergessen bleiben seine politischen Interventionen.

1991 kandidierte er für den Ständerat. 1998 platzierte er das Werk «Shoah», das an die Judenvernichtung im 2. Weltkrieg erinnern soll, vor dem Bundeshaus. Die rechts aussen politisierende Freiheitspartei entfernte damals in einer Nacht-und-Nebel-Aktion den Eisenwürfel. Zürich gewährte dem Werk Asyl. Heute steht es in Solothurn in der Fegetzallee. (uby)

Die Skulptur Shoah 1998 (Archiv)

Die Skulptur Shoah 1998 (Archiv)

hanspeter baertschi