An der Budgetgemeindeversammlung im Dezember 2017 wurde beschlossen, die Sanierung des Bürgerhauses in Angriff zu nehmen. Die Stimmberechtigten sprachen damals, nach einer emotional geführten Debatte, einen Investitionskredit von 100'000 Franken. 40'000 Franken für den Hausteil Ost, wo ein Wohnatelier vorgesehen ist, und 60'000 Franken für den Westteil, um eine Kita zu realisieren. «Damals hatten wir noch nicht alle Budgetzahlen», erklärte nun Schluep.

Grund dafür sei, dass die Offerten erst im Verlaufe des Dezembers und Januars eingetroffen seien. Damit die Kita ihren Betrieb aber wie geplant im Sommer aufnehmen kann, musste das Geschäft bereits an der letzten Budgetgemeindeversammlung traktandiert werden. Nun stellte sich heraus, dass die Kosten für die Umnutzung unterschätzt worden sind und ein dringlicher Nachtragskredit von 90'000 Franken notwendig ist. Da es sich hierbei um eine gebundene Ausgabe handelt, konnte der Gemeinderat den Kredit eigenständig beschliessen und musste die Versammlung lediglich darüber in Kenntnis setzen.

Sorry für «Salamitaktik»

Schluep entschuldigte sich für die «Salamitaktik» des Gemeinderates, was die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger allerdings kaum zu besänftigen vermochte. «Beabsichtigte Irreführung», «grob fahrlässige Handlung» und «fadenscheinige Begründung» lauteten die Voten aus dem Saal. Bereits an der Budgetgemeindeversammlung hätten die Gegner darauf hingewiesen, dass das Projekt nicht sauber ausgearbeitet sei. Damals seien die Kritiker aber einfach mundtot gemacht worden.

Auch das Unbehagen über die Kita an sich flammte erneut auf. Besonders bei einem möglichen Scheitern der Kita war die Sorge gross, dass die Kosten auf die Steuerzahler abgewälzt werden. Gemeindevizepräsident Rolf Iseli räumte ein, dass der Gemeinderat Fehler gemacht habe und nun zu Recht teilweise Prügel einstecken müsse. «Die Unterstellung einer absichtlichen Täuschung weise ich aber vehement zurück», sagte Iseli. Die Bürger ihrerseits hoffen, dass so ein Fall nie wieder eintrete. «Ansonsten brauchen wir gar keine Gemeindeversammlungen mehr, wenn der Gemeinderat sowieso alles im Alleingang entscheidet», so eine Stimme aus dem Saal.

Neue Abwasserleitung

Die ARA in Lüsslingen-Nennigkofen, welche in den 1980-iger Jahren gebaut wurde, ist schwer sanierungsbedürftig. «Es ist wie ein altes Auto – sobald man etwas repariert, gehen zwei neue Sachen kaputt», sagte Gemeinderat Tobias Bucher. Aus diesem Grund werde momentan nur noch das Nötigste gemacht, bis eine neue Lösung stehe. Eine in Auftrag gegebene Studie der Holinger AG aus Bern ergab, dass ein Anschluss an die ZASE Zuchwil (ARA Emmenspitz) längerfristig die günstigste und ökologischste Variante sei.

Nun hat der Kanton beschlossen, dass die Bürenstrasse von der Römerstrasse bis zum Kreuzung Aldi saniert werden soll. Gleichzeitig ist geplant, dass dabei ein Radweg zustande kommt. «Somit ergibt sich die Gelegenheit, die Leitung im Radweg zu verlegen», sagte Gemeindepräsident Herbert Schluep. Der Gemeindepräsident erläuterte, dass der Radweg eigentlich erst auf 2019 geplant gewesen ist, aber aufgrund von Projektrückstellungen von Seiten des Kantons nun vorgezogen wird. Neu soll der Bau bereits im Mai 2018 beginnen. Dies brachte Lüsslingen-Nennigkofen nun unter Zugzwang, weshalb eine vorzeitige Baubewilligung beim Kanton beantragt und eine ausserordentliche Gemeindeversammlung für den Verpflichtungskredit durchgeführt werden musste.

Einmalig günstig

«Die Gemeinde kommt nie wieder so günstig zu einer Leitung wie jetzt», erklärte Davide Secci von BSB+Partner. Der Gemeindepräsident rechnete, dass die Kosten rund 300'000 bis 500'000 Franken höher ausfallen würden, wenn die Gemeinde den Graben selber ausheben müsste. Die Gesamtkosten belaufen sich brutto auf 1.1 Millionen Franken. Allerdings erhält die Gemeinde nachträglich Beiträge vom Kanton sowie von der ZASE einen Anschlussbeitrag, sodass Lüsslingen-Nennigkofen Nettokosten von 750'000 Franken haben soll. In den Kosten berücksichtigt ist der Rückbau der eigenen ARA und die Überführung des Areals zu Landwirtschaftsland. Der Verpflichtungskredit von 1.1 Millionen Franken wurde von den 55 anwesenden Stimmberechtigten einstimmig gutgeheissen.