Attisholz Nord
600 Meter lange Wand in der Aare und belastete Sedimente müssen weg

Auf dem Areal Attisholz Nord müssen eine Spundwand und mit Quecksilber belasteter Aaregrund entfernt werden.

Urs Byland
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In kurzer Entfernung zum Ufer ist im Wasser die Spundwand, markiert mit rot-weiss angemalten Stangen erkennbar.

In kurzer Entfernung zum Ufer ist im Wasser die Spundwand, markiert mit rot-weiss angemalten Stangen erkennbar.

Hansjörg Sahli

Die Zürcher Firma Halter AG muss in Riedholz auf dem Areal Attisholz Nord tief in die Tasche greifen für Sünden der Vergangenheit. Dabei geht es um eine 600 Meter lange, nicht sichtbare Spundwand in der Aare. Hinter dieser sind mit Quecksilber belastete Sedimente abgelagert, die nun entsorgt werden sollen.

Welch ein Gegensatz zur heutigen Sensibilität gegenüber der Natur: Als 1973 die Cellulose Attisholz die Spundwand längs dem linken Aareufer bis auf Höhe der Elektrolyse erstellte, flossen bis 1975, bis zur Inbetriebnahme der Kläranlage, quecksilberhaltige Abwässer in die Aare. Hinter der Spundwand führte dies zu einer Quecksilberbelastung im Sediment.

Die Spundwand wurde nötig, weil mit dem Bau des Flusskraftwerks Flumenthal der Flusslauf änderte, und die Wasseraufbereitung mit dem von der Aare herangeführten Prozesswasser verbessert werden musste. Damals forderten die Naturschützer, dass zumindest die Oberkante der Spundwand blau angemalt wird, damit diese im Wasser bei niedrigem Wasserstand nicht auffällt!

Belastung mehrfach untersucht

2010 mit der Betriebsschliessung der Cellulose Attisholz wurde die Konzession für die Wasserentnahme aufgehoben. Deshalb müssen sämtliche Wasserbauten rückgebaut werden. Für die Halter AG bedeutet dies, vorgängig die mit Quecksilber verschmutzten Sedimente auszubaggern und zu entsorgen, die Spundwand zu entfernen, die Böschung im Bereich der entfernten Sedimente zu sichern und ökologische Massnahmen einzuleiten.

Die Vergiftung mit Quecksilber wurde zwischen 2002 und 2017 verschiedentlich untersucht. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Quecksilberkonzentration verschieden nach Lage des Sediments verschieden ist. Aufgrund dieser Untersuchungen sei aktuell eine Fläche von 210 mal 9 Meter als belastet zu klassieren. Bei einer durchschnittlichen Sediment-Mächtigkeit von 80 Zentimeter seien somit etwa 1500 Kubikmeter Sediment stark belastet. Von diesen müssten etwa 800 Kubikmeter verbrannt werden.

Hochrechnungen ergeben, dass in diesen 1500 Kubikmetern rund 22 Kilogramm Quecksilber vorhanden seien. Festgestellt wurde bei den Untersuchungen zudem, dass Wasserorganismen erhöhte Quecksilberkonzentrationen aufweisen. Bei Fischen wurde der Grenzwert eingehalten, bei Krebstieren teils überschritten. Eine Gefährdung des Menschen sei nicht gegeben. Er müsste eine grössere Menge belasteter Flusskrebse verzehren, so der begleitende Bericht zur Baupublikation.

Belastetes Wasser in die Aare

Für den Transport und die Entsorgung müssten die Sedimente entwässert werden, was auf einer brachliegenden Fläche in Flussnähe geschehen soll. Der Platz wird als abflusslose Wanne abgedichtet, um die anfallenden Wassermassen kontrolliert zurückhalten sowie gefiltert der Aare zuführen zu können. Berechnungen würden ergeben, dass das mit Quecksilber kontaminierte Wasser auch im schlechtesten Fall in die Aare eingeleitet werden darf.

Um aber wirklich sicher zu gehen, will man in einem ersten Schritt das Wasser von einer kleinen Menge des stärksten belasteten Sediments untersuchen, ob die Grenzwerte eingehalten werden können. Falls nicht, würde in einem weiteren Schritt das anfallende Abwasser zusätzlich gereinigt. Auch die Entfernung der Spundwand ist nicht unproblematisch. In Bezug auf die Stabilität der Böschung könnte das Ziehen der Spundwand einen negativen Einfluss haben. Als Alternative könnte die Spundwand in Höhe der Flusssohle abgeschnitten werden.

Kosten von 2,4 Millionen Franken

Die gesamte Uferpartie gehört zum kantonalen Naturschutzreservat Aarelauf und ist ein Reservat für Wasser- und Zugvögel. Durch die Entfernung der Spundwand wird die bestehende Ruhigwasserzone wieder voll der Strömung ausgesetzt. Die heutige Situation des Ökosystems ändert sich vollständig.

Deshalb sind mehrere Massnahmen entlang des Ufers vorgesehen und mit dem Kanton und den Naturschutzorganisationen abgesprochen. Ohne Einsprache rechnen die Verantwortlichen damit, die Arbeiten von Mai bis Oktober ausführen zu können. Die Kosten werden auf 2,4 Millionen Franken geschätzt. Davon sollen 100- bis 200'000 Franken für zusätzliche ökologische Massnahmen verwendet werden.

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