Selzach
52 Goldmedaillen: Dieser 69-Jährige ist der Roger Federer des Eisstocksports

Fredy Weyermanns Titel als Eisstockschütze sind fast nicht mehr nachzuzählen. Die 52. Goldmedaille holte sich der Selzacher heuer.

Hans Peter Schläfli
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Peter Moor (Sportchef des ESC Solothurn), Fritz Jörg (Sponsor der Sunny-Boys) und Seriensieger Fredy Weyermann.

Peter Moor (Sportchef des ESC Solothurn), Fritz Jörg (Sponsor der Sunny-Boys) und Seriensieger Fredy Weyermann.

Hans Peter Schläfli

Ihr Spielgerät nennen sie Stock. Der Zielpunkt heisst Daube und ist ein Gummiring am anderen Ende des Spielfelds. Es gilt, den Stock möglichst nahe an der Daube zu platzieren. Damit man punkten kann, muss man manchmal auch mit Schwung den Stock des Gegners aus dem Feld schiessen. Und um es noch etwas komplizierter zu machen, kann man mit dem Stock auch noch die Daube treffen, was oft genug das Bild im Zielbereich total verändert.

Die Sportart nennt sich Eisstockschiessen und seit 1981 ist der Solothurner Fredy Weyermann der Meister dieses Disziplin – eine wahre Legende. Mit dem ESC Solothurn, auch «Sunny-Boys» genannt, hat der mittlerweile 69-Jährige seither einen Schweizer Meistertitel nach dem anderen gewonnen. In diesem Winter sogar mit einem neuen Rekord: Mit sagenhaften 647 Punkten hat sich Fredy Weyermann an der SM 2018 im Zielwettbewerb seine 52. Goldmedaille verdient.

Kein Wunder also, wurde der Solothurner auch schon als der Roger Federer des Eisstockssports bezeichnet ... und so gesehen wäre dann sein Teamkollege Fritz Schenk mit seinem vierten Platz an der diesjährigen SM der Stan Wawrinka unter den Solothurner Eisstockschützen.

Konzentration, mentale Stärke, Koordination sind beim Eisstockschiessen entscheidend. «Die Routine ist aber auch sehr wichtig», findet Fredy Weyermann einen Grund dafür, warum ihm jedes Jahr bessere Resultate gelingen. «Für die Kondition fahre ich regelmässig eine Runde mit dem Velo um den Bielersee», erklärt er seine erstaunliche Fitness. Das wären dann jeweils 42 Kilometer.

Lebenslange Freundschaften

Mit 647 Punkten dürfte sich Fredy Weyermann sogar bei den Weltmeisterschaften Medaillenchancen ausrechnen. Zweimal gewann er Bronze an grossen Meisterschaften, doch WM oder EM interessieren ihn nun nicht mehr. «Ich habe das abgehakt. Früher konnte ich selber die Mannschaft bestimmen. Heute wird das Kader durch den Verband zusammengestellt. Die besten vier Spieler aus der ganzen Schweiz zusammenzutrommeln, das bedeutet aber nicht, dass eine so zusammengewürfelt Mannschaft auch besser ist, als zum Beispiel die Solothurner Sunny-Boys», findet Fredy Weyermann.

Neben bald vier Jahrzehnten voller sportlicher Erfolge hat der Eisstocksport auch lebenslange Freundschaften hervorgebracht. An drei Orten kann man die «Sunny-Boys» regelmässig antreffen: Auf dem offenen Eisfeld im Sportzentrum Zuchwil, auf ihrer Sommerstockbahn gleich daneben im Widi, oder dann ganz sicher im Biberister Gasthof Enge, wo Inhaber und Hauptsponsor Fritz Jörg für die «Sunny-Boys» immer einen Tisch freihält. Und was ist für einen 52-fachen Schweizer Meister nun wichtiger, der Sport, die Freunde oder das Fest nach den Wettkämpfen? «Es gehört alles zusammen», sagt Fredy Weyermann, «während den Wettkämpfen ist der Ehrgeiz ungebrochen gross. Und nach einem Erfolg ist es eben noch viel schöner, mit seinen Freunden zu feiern.»

Nur um den Nachwuchs sieht es bei den Solothurner Eisstockschützen nicht so gut aus. «Unser jüngster Spieler ist auch schon fast 50 Jahre alt», erklärt Sportchef Peter Moor. «Die Turniere sind sehr zeitintensiv und die Jungen sind nicht mehr bereit, ein ganzes Wochenende für unseren Sport einzusetzen. Wer sich einmal als Eisstockschütze versuchen will, kann sich gerne bei uns melden. Wir beginnen im Mai bereits wieder mit dem Training auf Asphalt auf unserer gedeckten Sommerstockanlage im Widi.»

Ein kurzer Ausschnitt aus einem Eisstockturnier:

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