Es ist erneut ein schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort Solothurn: Das Traditionsunternehmen Lanco AG mit Sitz in Bellach hat Konkurs angemeldet. Die Firmenführung bestätigt damit entsprechende Informationen dieser Zeitung. Der Verwaltungsrat hat am Dienstagvormittag die Bilanzen deponiert und am Nachmittag die Mitarbeitenden informiert. Der Betrieb bleibt ab sofort geschlossen, 50 Mitarbeitende haben die Kündigung erhalten. Das Unternehmen, das Montagesysteme herstellt, ist zahlungsunfähig.

Schuld am Debakel sei die starke Überschuldung des Unternehmens, sagt Verwaltungsratspräsident Peter Kofmel. Der Wirtschaftsanwalt und frühere FDP-Nationalrat übernahm die Führung im Sommer 2014 – als Retter in der Not, wie sich ein Insider zitieren lässt. Lanco steckte da offenbar längst in Schwierigkeiten. «2013 kam es beim Umsatz zu einem massiven Einbruch», erklärt Kofmel. Die Eigenmittel seien fast vollständig aufgebraucht gewesen. Ins Jahr 2014 startete Lanco mit einer hauchdünnen Eigenkapitaldecke. Als er sich in den Verwaltungsrat wählen liess, so Kofmel weiter, sei bereits klar gewesen: «Das Unternehmen steht mit dem Rücken zur Wand.»

Interessent abgesprungen

Die Hoffnung hatte die Führung da trotzdem noch nicht aufgegeben: Laut Kofmel sollte die Wende mit einem neuen Businessplan erreicht werden. Tatsächlich habe es immer wieder Gründe zur Zuversicht gegeben. Kurz vor Weihnachten 2014 sei dann aber klar gewesen, sagt Peter Kofmel: «Es reicht nicht mehr.» Erneut beendete Lanco das Jahr mit einem Verlust, das Eigenkapital war aufgebraucht. Der Verwaltungsrat suchte daraufhin nach einem Investor, zwischenzeitlich gab es ein halbes Dutzend Interessenten. Am Montag dieser Woche ist laut offiziellen Angaben der letzte potenzielle Investor abgesprungen. «Damit», so Kofmel, «war das Mögliche ausgeschöpft.»

Zurück bleibt ein Schock

Am Dienstagnachmittag stellt sich die Firmenspitze vor die Belegschaft. Sie teilt mit, dass die Produktion fortan stillstehen wird. Die Telefone bleiben stumm; «unsere Firma bleibt bis auf Weiteres geschlossen», heisst es auf dem Anrufbeantworter. Vom Moment an, da feststeht, dass eine Firma in Konkurs geht, hat die Geschäftsleitung kaum noch Befugnisse. Die Firma darf ihre Güter nicht mehr selbst verwalten.

Zurück bleibt ein Schock. Manche der Mitarbeitenden arbeiten schon seit Jahrzehnten bei Lanco, viele stehen jetzt vor dem Nichts. Einen Sozialplan gibt es bei einem Konkurs nicht. Man wolle die Belegschaft unterstützen und jetzt versuchen, «für jeden eine Anschlusslösung zu finden», so Kofmel.

Vorwürfe vom Ex-Patron

War denn kein anderer Weg mehr möglich? «Wir haben alles versucht», sagt Verwaltungsratschef Kofmel. Ein wenig anders sieht das Firmengründer Christoph Ruprecht. «Ich bin nicht nur traurig», sagt er im Gespräch, «sondern auch überzeugt: Der Konkurs hätte noch abgewendet werden können.» Gemäss eigenen Aussagen ist Ruprecht nicht mehr finanziell am Unternehmen beteiligt – wohl abgesehen von einem À-Fonds-perdu-Beitrag in der Höhe von einer halben Million Franken, den er nun abschreiben müsse.

Sein Sohn David Ruprecht, der noch immer einen Viertel der Firmenanteile halten soll, war für diese Zeitung nicht erreichbar. Die restlichen Aktien sollen Kadermitgliedern gehören.

Wie Christoph Ruprecht erklärt, hat er erst vor wenigen Wochen einen Blick in Bilanz und Erfolgsrechnung werfen können. Über Details spricht er nicht, doch er sei sich nun ziemlich sicher: «Das Unternehmen hätte bestimmt nochmals aufgebaut werden können.» Mit dem Konkurs verschwinde eine Perle aus dem Kanton Solothurn, sagt Ruprecht. «Das schmerzt mich sehr.»

Grosser Player auf dem Markt

Der Name Lanco erinnert im Raum Solothurn an die Blütezeit der hiesigen Uhrenindustrie. Die Langendorf Watch Company, kurz Lanco, zählte mit über 1000 Mitarbeitenden zu den grössten Uhrenfabriken. Die Wirtschaftsflaute in den Siebzigerjahren und der Aufstieg der Digitaluhr führten auch zur Schliessung der Langendörfer Uhrenfabrik. Übrig blieb die auf Montagesysteme spezialisierte Abteilung Lanco Economics. Der damalige kaufmännische Leiter, Christoph Ruprecht, kaufte die Abteilung und gründete 1981 in Bellach die Lanco AG. Was mit 15 Mitarbeitenden begann, wuchs zu einem der grössten Anbieter von automatisierten Montagesystemen in der Schweiz heran, der sich auch auf dem Weltmarkt behaupten konnte.

Noch vor vier Jahren zählte Lanco über 300 Angestellte, davon rund die Hälfte in Bellach. Im US-Bundesstaat Maine betreibt das Unternehmen eine grosse Fabrik. Diese ist wirtschaftlich unabhängig und soll von der Insolvenz nicht betroffen sein.