Messen
50 Jahre im Dienst der Gemeinde – «alles habe ich immer gern und freiwillig gemacht»

Christian Aeschbacher aus Messen hat während eines halben Jahrhunderts in unzähligen Kommissionen und Ämtern mitgewirkt.

Agnes Portmann-Leupi
Merken
Drucken
Teilen
Christian Aeschbacher kann in seinem Garten abschalten.

Christian Aeschbacher kann in seinem Garten abschalten.

«Ob so viel Lob bin ich beinahe in Verlegenheit geraten», sagt Christian Aeschbacher, der an der letzten Rechnungsgemeinde von der Gemeindepräsidentin Marianne Meister herzlich verabschiedet wurde. 50 Jahre stand er im Dienst der Gemeinde und arbeitete in unzähligen Kommissionen und Ämtern mit.

Spontan, sozusagen unter der Hand, kam er jeweils zu seinen Funktionen. Zuerst war es ein guter Kollege, der ihn kurz nach seiner Heirat mit 21 Jahren zum Mitmachen in der FDP animierte. Nur ein paar Monate später wurde er Kassier der Wasserversorgung. Daraus ergab sich schliesslich eine über 30-jährige Tätigkeit. Anfangs schrieb er die Rechnungen für die Kunden, aber auch die Buchhaltung noch von Hand.

Persönliche Rede für jedes Paar

Auch das Zivilstandsamt übernahm er von einem Bekannten. «Ungefähr 150 Trauungen habe ich vollzogen», sagt er. Christian Aeschbacher lud das Brautpaar – meistens kannte er die Braut oder den Bräutigam – zuvor zu sich nach Hause ein. So habe er bei einem Kaffee oder einem Glas Wein die «Wellenlänge» der Brautleute kennen gelernt.

Für ihn gehörte nämlich eine spezielle, ganz persönliche Rede zum Zeremoniell. «Durfte ich den da oben zu Hilfe nehmen, gab es gefühlvollere Reden», bemerkt er und zeigt mit dem Finger himmelwärts. «Wenn an der Trauung nicht wenigstens bei einer Person Tränen in den Augen glitzerten, so hatte ich das Gefühl, nicht gut genug geredet zu haben.» Die Traureden, aber auch viele Dankesschreiben und Fotos sind fein säuberlich in einem Ordner aufbewahrt.

Beistand von Dorforiginalen

Dass der heute 72-jährige Christian Aeschbacher die Menschen liebt, ist unschwer zu erkennen. Zur Ausübung seiner vielen Ämter bemerkt er: «Es muss nicht alles mit Franken und Rappen ausgeglichen werden.» Viel Freude bereitete ihm die Aufgabe als Beistand der beiden Messener Dorforiginale, die die Bewohner unter dem Namen «Bratwurst» und «Bootli» kannten. «Letzterer kam jeden Montag zu mir nach Hause», erwähnt er. Für etliche Personen hat er auch Steuererklärungen ausgefüllt. Die Dankbarkeit der Leute erfuhr er, als er selber krank war und ihm sofort Hilfe angeboten wurde.

Viele Jahre amtete Christian Aeschbacher als Inventurbeamter. «In letzter Zeit haben mich die Schicksale oft sehr belastet», erzählt er. «Alles habe ich immer gern und freiwillig gemacht. Nie hatte ich das Gefühl, dass es zu viel ist. Es war ein Ausgleich zu meinem Berufsleben», sagt der gelernte Feinmechaniker, der sich später in Informatik weiterbildete.

Grosse Heimatgefühle

Noch heute steht er jeden Morgen um halb sechs Uhr auf und geht in sein Büro im Untergeschoss. Abschalten konnte und kann er in seinem Garten. Seine Ehefrau Margrit spricht ihm einen grünen Daumen zu und lobt: «Auch für die Familie hat er immer Zeit gefunden.»

Wie sehr er mit der Heimat Messen verbunden ist, zeigt sich, wenn er sagt: «Nach Ferienaufenthalten bin ich immer zuerst durch den Bucheggberg gefahren.» Das Gleiche gilt für seine Ehefrau, die nachhakt: «Wenn ich einmal acht Tage weg bin und den Messener Kirchturm nicht mehr sehe, bin ich krank.»