Umfangreiche Post für Kanton und Gemeinde Luterbach: Gleich mit 41 Ordnern erschienen die Verantwortlichen der Biotechnologiefirma Biogen an den Auflageorten. Inhalt der Ordner ist das Baugesuch für die erste Etappe der «Biogen»-Bauten. «Wir führen ein normales Baugesuchsverfahren durch. Die Unterlagen werden von den kantonalen Fachstellen geprüft. Wir stehen zudem in engem Kontakt mit der Baukommission in Luterbach», berichtet Robert Grütter, zuständig für Baugesuche beim federführenden Amt für Raumplanung.

Nimmt man die Ordner zur Hand, sieht man schnell, dass zwischen den Plänen und Berichten noch viel Luft vorhanden ist. In mehreren Ordnern wird beispielsweise die Heizung behandelt, ebenso die Energieversorgung oder die Lüftung. Grütter berichtet, dass die Fachstellen noch weitere Spezialordner erhielten und die Firma Biogen schon seit drei Monaten in Kontakt mit den Fachstellen stand, damit die Firma auch alle nötigen Unterlagen für das Baugesuch bereitstellen konnte.

Es bleibt bei 1 Milliarde Franken

Ausgewiesen werden Baukosten in der Höhe von 305 Mio. Franken für den Biogen-Campus «Next Generation Manufacturing» auf dem GB-Nr. 2308 in der Grösse von 220 755 Quadratmetern. Bisher war von 1 Milliarde Franken Investitionen für die erste Phase die Rede. Dabei bleibt es auch, wie Markus Ziegler, Mitglied der Geschäftsleitung Biogen Switzerland, erklärt: «Die Investitionssumme für unser Projekt in Luterbach beträgt rund 1 Mrd. Franken, wobei wir den Betrag nicht detailliert aufschlüsseln.» Landerwerb, Maschinen und Produktionsanlagen sowie Ausstattung dürften die wichtigsten weiteren Investitionspunkte sein. 

Produktions- und Verwaltungsgebäude, auch Pavillon genannt, im Licht der Dämmerung.

Produktions- und Verwaltungsgebäude, auch Pavillon genannt, im Licht der Dämmerung.

Die erste Etappe umfasst laut Baugesuch folgende Gebäude und Anlagen: Zwei miteinander verbundene Massenfertigungszellen (das Produktionsgebäude), ein mit dem Produktionsgebäude über einen langen Flur verbundenes Lagergebäude, ein zentrales Anlagengebäude, ein Verwaltungsgebäude (wird in zwei Etappen unterteilt), ein Gebäude elektrische Kabine und Stromgeneratoren, ein Parkplatz, ein Tanklager sowie das Ventil-Haus mit Brunnenwasser, Pumpen und Tanks.

Reichlich Arbeitsplätze

Die Gebäudehöhe des Produktionsgebäudes beträgt 39,33 Meter, die Gesamtfläche über die fünf Stockwerke 34 940 Quadratmeter. Das Erdgeschoss beherbergt das Betriebspersonal sowie Personal für Wartung (45 Arbeitsplätze) und Messtechnik (14 Arbeitsplätze). Das erste, zweite und dritte Stockwerk dient der Produktion. Im vierten Stock ist Anlagetechnik untergebracht.

Das daneben liegende Lagergebäude wird 29,48 Meter hoch. Im Erdgeschoss befindet sich das Hauptlager des Campus, das mit 28 Arbeitsplätzen bestückt ist. Im ersten Stock des Lagergebäudes hat es unter anderem die zentrale Umkleide für alle Produktionsmitarbeiter. Die Männer-Umkleide ist für 350, die Frauen-Umkleide für 250 Personen ausgelegt. Im zweiten Stock sind Labors für 90 Personen vorgesehen. Der dritte Stock beherbergt alle Arbeitsplätze für die Fertigungsmitarbeiter. Er ist für 200 Personen bemessen. 

In der ersten Phase beschäftigt Biogen 400 Arbeitskräfte. Teilweise werden aber mehr Arbeitsplätze eingerichtet, als besetzt werden. Auch die Umkleide bietet mehr Plätze. «Die eingereichte Baubewilligung umfasst die erste Phase des Projekts», erklärt Markus Ziegler. «Die integrative Art, wie wir in den Teams arbeiten wollen, führt dazu, dass pro mitarbeitende Person mehr als ein Arbeitsplatz vorhanden sein kann. Beispielsweise ein Labor- und ein Büroarbeitsplatz.» Bei den Umkleideräumen wurde eine Toleranz für Besucher, temporäre Mitarbeiter und Inspektoren der Behörden einkalkuliert.

Vollausbau Pavillon folgt später

Das zentrale Anlagengebäude beinhaltet Heizraum, Büros, Werkstatt, Erste-Hilfe-Bereich, Kompressoren, Elektrogetriebe und Kühlerflügel. In der Erstausstattung ist die Versorgung der beiden Massenfertigungszellen vorgesehen. Das Gebäude kann erweitert werden, um in der Endphase alle vorgesehenen sieben Zellen zu versorgen.

Der Bau des sogenannten Pavillons, das Verwaltungsgebäude, wird in zwei Phasen durchgeführt. Phase eins, Gegenstand des Baugesuches, hat vier Ebenen und einen Technikraum auf dem Dach. Das Erdgeschoss (979 Quadratmeter) mit dem Eingangsbereich ist mit einem Auditorium bestückt, das 320 Personen Sitzgelegenheiten bietet sowie zusätzlich 85 Sitzplätze im Zwischengeschoss hat. Über dem Zwischengeschoss (979 Quadratmeter) liegt der erste Stock (1185 Quadratmeter) mit Büros, Rechenzentrum, Bildungszentrum und Raum für Telefonkonferenzen. Im zweiten Stock (799 Quadratmater) sind Aufenthaltsbereich für 150 Personen, eine Vorbereitungsküche, Sitzecke und Kaffee-Bar geplant.

In der Phase 2 würde das Verwaltungsgebäude viel grösser und die geplante charakteristische Y-Form erhalten. Zur Anzahl Verwaltungspersonal erklärt Markus Ziegler: «Wir benötigen auch für die erste Phase administratives Personal. Wir haben uns beim Design der Anlage für ein modulares Konzept entschieden, welches uns erlaubt, schnell auf Patientenbedürfnisse zu reagieren. Künftige Investitionsentscheidungen werden auf Basis der Resultate unserer klinischen Forschung sowie dem kommerziellen Erfolg unserer Präparate getroffen.»

Späckgraben wird offengelegt

Der Parkplatz ist in der ersten Phase auf 500 Fahrzeuge ausgelegt. In den folgenden Phasen wird der Parkplatz in ein mehrstöckiges Parkhaus umgestaltet, dass zuerst 700 und in einer dritten Phase 1200 Fahrzeugen Platz bietet. Rund um den Parkbereich soll Wald zwischen den grossen Produktionsgebäuden und der Umgebung vermitteln.

Die Umgebung wird landschaftlich gestaltet mit Zugang zu den öffentlichen Wanderwegen entlang der Aare. Ein Hauptplatz wird als repräsentativer Raum vor dem Verwaltungsgebäude angelegt. Ökologisch aufgewertet wird das Areal mit der Offenlegung des Späckgrabens, einem aktuell eingedolten Bach auf der Ostseite des Biogen-Areals.