Hubersdorf
33 Jahre im Einsatz für die Gemeindepolitik – und noch ist kein Dienstende in Sicht

Guido Zeltner ist seit 33 Jahren Präsident der CVP Hubersdorf. Einst kämpfte er um Wähleranteile für seine Partei, heute vor allem um das Weiterleben der Gemeindepolitik.

Lucien Fluri
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Guido ist ein Urgestein der Hubersdorfer Politik

Guido ist ein Urgestein der Hubersdorfer Politik

Lucien Fluri

Da ein Facebook-Post, dort ein Klick, wisch und weg. Für Guido Zeltner ist das keine Option. Der 67-jährige «Hopperster» ist der Langstreckenläufer unter den Wahlkämpfern. In mühsamer Kleinarbeit hat er über die Jahre Mosaiksteinchen um Mosaiksteinchen aufeinandergelegt, damit auch im Kleinen das grosse Räderwerk der Demokratie am Laufen bleibt. In Hubersdorf. Und vor allem für seine CVP.

Zeltner sitzt an seinem Wohnzimmertisch und presst die Fäuste gegeneinander. Es ist Wahlkampf, da muss jede Partei für sich schauen. Und Zeltner, fast schon seit Geburt bei der CVP, wird in seinem «Revier» Hubersdorf auch dieses mal seinen Part leisten, damit die kantonale CVP am 12. März Erfolg hat. 33 Jahre lang ist er schon Ortsparteipräsident.

«Hör jetzt nicht hin», ruft er seiner Frau zu. «In einem Wahljahr ist einiges los. Es braucht Engagement.» Zwei, vielleicht drei Stunden pro Woche setzt er im Schnitt für die politische Arbeit ein. Gerade ging wieder die CVP-Post in alle Hubersdörfer Haushalte, ein orangefarbenes Faltblatt, das über die Dorfpolitik informiert. Zeltner hat Werbung für die CVP-Kandidaten gemacht. Er wird noch zwei, drei Plakate aufstellen. Aber er wird seiner Partei vor allem in einem Punkt dienen: Er mobilisiert Wähler. Er schreibt, Briefe und Mails an CVP-Sympathisanten, damit sie dann an die Urne gehen. Er ist da hartnäckig. Über die Jahre hat Zeltner sein Netzwerk aufgebaut. So hilft er seiner Partei.

Verglichen mit allen Wählern sind es vielleicht nicht allzu viele Leute, die er erreicht. Aber weil es in Dutzenden Gemeinden Leute gibt, die sich wie Guido Zeltner ehrenamtlich einsetzen, bringt das seiner Partei am Ende eben doch viel. Nur telefonieren, das macht Zeltner nicht. «Das ist Sache der Kandidaten. Sie müssen hinstehen, wenn es inhaltliche Fragen gibt.» Zweimal ist er selbst für die Partei auf die Kantonsratsliste gegangen, 1989 und 1993.

In CVP-Familie geboren

Zeltner wurde in Niederbuchsiten in eine CVP-Familie geboren. «Ich könnte nirgends anders sein», sagt er. Der soziale Gedanke ist ihm, der aus einer einfachen Familie stammt, ebenso wichtig wie die bürgerliche Grundhaltung.

Wieder ballt Zeltner die Fäuste zusammen und sagt: «Das ist vorbei. In der Gemeinde führen wir keine parteipolitischen Kämpfe mehr.» Früher, erinnert er sich, war das anders. An der Gemeindeversammlung sass man oft nach Parteien getrennt, das Wort ‹dumme Siech› fiel schon mal. Heute aber geht es darum, überhaupt noch genügend Leute zu finden. Egal aus welcher Partei.

Es gibt Momente, da sitzt Zeltner alleine am Tisch und nimmt das Telefonbuch zur Hand. Er schaut, wen er im Dorf für ein Amt anfragen könnte. «Das alles braucht Zeit. Ich habe diese», sagt der pensionierte Familienvater, der lange bei der Scintilla/Bosch gearbeitet hat. Und wenn er jemanden weiss, der für die FDP antreten würde, dann teilt er das der Gegenpartei auch mit. Da gibts keine Rivalität mehr.

«Wir reden miteinander»

Zeltners Arbeit hat sich ausbezahlt. Die CVP, einst weniger stark als die FDP, hat heute die Mehrheit in Hubersdorf. Sie stellt drei der fünf Gemeinderäte. Aber Zeltner winkt ab. «Es geht mir nicht um die Mehrheit. Es geht mir auch nicht um die Partei. Ich hoffe, dass die Gemeinde möglichst lange selbstständig bleibt.» Man arbeitet unter den Parteien zusammen. Und das sind heute nur noch CVP und FDP. «Wir reden miteinander. Wir sind froh, wenn wir gute Leute haben.» Die SP existiert quasi nicht mehr. Als sie noch Leute zur Verfügung stellte, gab die CVP einen ihrer drei Kommissionssitze freiwillig an die Sozialdemokraten ab, damit diese wenigstens in den Kommissionen vertreten waren. Und damit es weniger Leute braucht, wurden gar die Kommissionen verkleinert. Die Gemeinde kann heute quasi mit 25 Leuten geführt werden. Schule, Feuerwehr und Jugendarbeit sind im Verbund mit den anderen Unterleberberger Gemeinden geregelt.

Zeltner legt einen Dorfführer auf den Tisch, herausgegeben natürlich von der CVP. Aber von Parteipolitik ist in diesem Blatt keine Spur. Es finden sich alle nützlichen Adressen drin. Dorfgeschichte, Vereine. Zeltner schickt ihn den Neuzuzügern. Nur hinten steht das Leitbild der CVP. Es sind Sätze, die auch FDP- oder SP-Mitglieder vorbehaltlos unterschreiben könnten. Sie fordern eine gute Bildungspolitik, den Erhalt der lebendigen Dorfgemeinschaft, den langfristige Erhalt einer starken, autonomen Gemeinde. Wer die Sätze unterstützen kann, der kann auch für die CVP in eine Kommission gehen, sagt er. «Er muss keiner CVP-Mitglied sein.» Und wenn einer antritt, so darf er seine eigene Meinung vertreten, auch wenn es die Partei anders sieht. «Unsere Partei schreibt unseren Gemeinderäten nicht vor, wie sie handeln müssen.»

Das Kreuz ist an der Wand

Angriffe, auch auf die Gemeinderäte anderer Parteien, gibt es nicht. Man ist froh im Dorf, wenn es jemand macht. Und es läuft auch gut. Zeltner ist es einzig wichtig, dass Mandatsträger an Parteiversammlungen anwesend sind, um sich mit der Basis austauschen zu können. Und wenn 30 Leute an die CVP-Generalversammlung kommen, ist das ein Erfolg.

An der Wand in der Stube hängt das Kreuz. Die christlichen Werte sind Zeltner wichtig. Es sind für ihn auch ethische Werte; westlichen Werte, hinter denen er steht.

Eigentlich möchte er das Amt abgeben. «Aber ich bringe es nicht mehr los», lacht er. Es ist wie in so vielen kleineren Dörfern: Einfach ist es nicht, Amtsträger zu finden. Guido Zeltner hat einmal begonnen, sich für seine Partei einzusetzen. Heute legt er, wie einige wenige Mitkämpfer, in seiner Gemeinde die Strukturen, damit nicht nur seine Partei, sondern vor allem die Gemeinde auch in Jahren noch selbstständig und erfolgreich ist. Im Interesse aller, das ist ihm wichtig.