Halten
250-jähriger Hammer und weitere Zeitzeugen sind im Museum Wasseramt ausgestellt

Bei der Vernissage im neu gestalteten Wechselausstellungsspeicher des Museums Wasseramt in Halten wurden Steinbilder und bis zu 250 Jahre alte Werkzeuge der Steinbildhauer präsentiert.

Agnes Portmann-Leupi
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Im Obergeschoss hat Hans Peter Zuber Arbeiten und Werkzeuge des Steinbildhauers ausgestellt.

Im Obergeschoss hat Hans Peter Zuber Arbeiten und Werkzeuge des Steinbildhauers ausgestellt.

Agnes Portmann-Leupi

Fröhlich ertönen zum Auftakt die Klänge der Vereinsmusik Kriegstetten. Eine ganz gewöhnliche Vernissage ist es nämlich nicht. Im Museum Wasseramt zeigt sich neben den heuer eröffneten neu konzipierten permanenten Ausstellungen auch der Wechselausstellungsspeicher in zweckmässiger Inneneinrichtung.

Der Luterbacher Steinbildhauer Hans Peter Zuber darf sich als erster Aussteller von den geeigneten, hellen Räumen überzeugen. In den beiden Geschossen informiert er anschaulich unter dem Motto «Von Hand dem Stein zu Leibe rücken» über die Berufe des Steinbildhauers und Steinmetzen. Sie gehören zu den ältesten Berufen der Welt und hiessen früher ganz einfach Steinhauer. Ihr Handwerk befasst sich mit der Gestaltung von Naturstein wie etwa Skulpturen, Brunnen, Grabsteine, Mauerwerk, Denkmäler und weitere plastische Objekte.

«Schon die Römer haben gewisse Werkzeuge benutzt und ihr Wissen weitergegeben», bekundet er. Die Steinbearbeitungstechniken von früher und heute würden sich nicht wesentlich unterscheiden. Heute werde jedoch viel maschinell hergestellt wie etwa die Bodenplatten.

250-jähriger Holzhammer

Eine Vielfalt von Bildern informiert im Erdgeschoss des Speichers über die verschiedenen Solothurner Steinbrüche um 1900. Namen wie Bargetzi, Sperisen, Biberstein, Rudolf oder Stutz tauchen auf. Zu den Bildern hat Hans Peter Zuber die entsprechenden Werkzeuge der Steinmetze gestellt. «Es ist bewundernswert, was die Steinhauer mit den selber hergestellten Werkzeugen alles von Hand gemacht haben», bemerkt er.

Ein Bild zeugt vom nicht einfachen Transport eines Brunnens auf dem Steinhauer-Lastwagen um 1900. Gut zu sehen sind auf einer Abbildung die verschiedenen Schichten des Gesteins. «Jede Schicht bedeutet ein Erdzeitalter», sagt Hans Peter Zuber. Für die Arbeit am Stein seien die kompakten Schichten interessant. Prunkstücke aus seiner Werkzeugsammlung sind die alten Holzhämmer. Einer davon wurde beim Bau der St. Ursen-Kathedrale verwendet. «Mein Vater, der bereits Werkzeuge gesammelt hatte, erhielt diesen Hammer vor genau 90 Jahren von seinem Lehrmeister», sagt er nicht ohne Stolz. Zur Zeit des Kathedralenbaus habe Solothurn als Mekka der Steinhauerei am Jurasüdfuss gegolten.

Steinhauen miterleben

Im Obergeschoss ist die Arbeit samt Werkzeugen des Steinbildhauers dargestellt, welche mehr gestalterisch denn geometrisch ist. Wie ganz ohne maschinelle Hilfe gehauen wurde, zeigen die Fotos der Werke von Hans Zuber. Zu bestaunen sind zudem Reliefs in Marmor sowie Punktiergeräte für die Übertragung vom Gipsmodell auf Stein.

Am kommenden Sonntag, dem «Turm-Sunntig» gibt Hans Peter Zuber beim Behauen von Flächen und Kanten eines Rohlings einen Einblick in seine Arbeit. Sein Mitarbeiter Philipp Lüthi, demonstriert, wie Steinbildhauer und Steinmetz ihre Werkzeuge selber geschmiedet haben. An Handwerkerständen weihen Sattler, Töpfer, Filzer, Schnapsbrenner, Weidenflechter und Seifenhersteller in ihr Können ein. Ein ökumenischer Gottesdienst, Märchen für Kinder, Musik mit den «Mittelalter Spiellüt» und eine Festwirtschaft bereichern den Anlass.

«Turm-Sunntig» im Museum Wasseramt, Turm in Halten am So, 26. August, 10 Uhr. Dauer der Wechselausstellung vom 26. August bis 16. September, jeweils an den Sonntagen von 13 bis 17 Uhr. Mehr Infos gibt es hier.

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