Rüttenen
2200 Liter pro Minute: Die Widlisbachquelle erhält eine neue Schutzzone

Die Schutzzone bei der Widlisbachquelle in Rüttenen. eine der ergiebigsten Jurasüdfussquellen, wird neu beurteilt. Diverse Massnahmen, etwa wegen des Konflikts mit der nahen Kantonsstrasse, sind angezeigt.

Urs Byland
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Durchlaufschacht der Widlisbachquelle in Rüttenen: Massnahmen an der durch die Schutzzone führenden Kantonsstrasse sollen sicherstellen, dass das Wasser nicht verunreinigt wird.

Durchlaufschacht der Widlisbachquelle in Rüttenen: Massnahmen an der durch die Schutzzone führenden Kantonsstrasse sollen sicherstellen, dass das Wasser nicht verunreinigt wird.

Urs Byland

Nun wird auch bei der Widlisbachquelle in Rüttenen die Schutzzone neu beurteilt. Ein langwieriger Prozess ist mit der öffentlichen Planauflage in die entscheidende Phase gegangen. In Bellach ist dieser Prozess mit der Römersmatt-Quelle bereits abgeschlossen. Auch in Langendorf starteten vor kurzem die konkreten Arbeiten an der Quellschutzzone der Brüggmoos-Quellen. Dort wurden die ersten Anläufe im Jahr 2001 gemacht.

Und auch Lommiswil muss aktuell bei seiner Gänsloch-Quelle «ennet dem Berg» die Schutzzone überprüfen. Dies sind einige Beispiele von wichtigen Quellen in der Region, deren Schutzzone in diesen Jahren überarbeitet wird oder wurde.

Nun also die Widlisbachquelle, die laut Bericht zur Auflage zu den ergiebigsten Jurasüdfussquellen zählt. Sie sei von überregionaler Bedeutung und solle trotz vorhandener Konflikte unbedingt erhalten bleiben. Die Fassungsanlage wurde 1902 gebaut und verläuft entlang der Kantonsstrasse. Das Wasser wird in einer Tiefe von 10 Metern auf einer Länge von über 130 Meter gefasst und fliesst in einen Durchlaufschacht. Von dort wird es in die Brunnstube im Pumpwerk Steinsäge geleitet. Gemessen wurde seit 2005 eine minimale Schüttung von 870 Liter und eine maximale von 2200 Liter pro Minute.

Ein Teil der Fassung ist unnötig

Widlisbachquelle: In der Trockenzeit im Jahr 1900 wurde das Wasser umgeleitet

Im Dezember 1899 wurde infolge Wassermangel während der Trockenzeit eine Notleitung von den nur oberflächlich gefassten Quellen im Widlisbach zur Brüggmoosleitung (Wasserversorgung Solothurn) gebaut. Die Stadt Solothurn kaufte das Grundstück der neuen Quellfassungen, um das kostbare Wasser zu sichern. Nach einem Aufstand der Wasserwerkbesitzer, welche ihrerseits um dieses Wasser bangten und zum Protest im Jahr 1900 das Wasser ausserhalb des Grundstücks ableiteten, sodass die Quelle trockengelegt war, wurde ein Vertrag erstellt, um die Lage zu regeln. Somit durften während der Nachtzeit 300 Minutenliter in die Notleitung geführt werden, wofür die Werksbesitzer entschädigt wurden.

1901 bis 1904 wurde das Widlisbachwasser vollständig neu gefasst. Die Vereinigung des Wassers mit demjenigen aus dem Brüggmoos erfolgte 1902. Das Wasser wurde im 1881 gebauten Reservoir Steingruben gesammelt. 1973 kaufte die Bürgergemeinde Langendorf die Quelle der Stadt ab.

Das Wasser wird nicht nur vor dem Durchlaufschacht gefasst, sondern auf einer Länge von nochmals 60 Meter auch nach dem Schacht in Richtung Pumpwerk Steinsäge. Parallel zu diesem Fassungsstrang verläuft aber eine Kanalisationsleitung. Messungen haben ergeben, dass im Fassungsstrang nach dem Schacht nur wenig Wasser zusätzlich gefasst wird. Vorgesehen ist deshalb, diesen Fassungsstrang der Widlisbachquelle aufzuheben und durch ein vollwandiges Rohr zu ersetzen.

Weiter ist vorgesehen, dass die Bürgergemeinde Langendorf, Besitzerin der Quelle, das gesamte Landwirtschaftsland über der Fassungsanlage zwischen Kantonsstrasse und Galmisbach erwirbt. Das später verpachtete Land soll dann nur noch extensiv bewirtschaftet werden dürfen.

Die Schutzzone 1 soll wegen der unmittelbaren Nähe zum Fuss- und Veloweg eingezäunt werden. In der grossflächigen Schutzzone 2 gilt ein Gülleverbot, welches seit 2002/04 mit Verträgen geregelt ist. Das Gülleverbot wird jährlich abgegolten. In den letzten Jahren entsprach das Wasser den gesetzlichen Anforderungen an die Trinkwasserqualität. Einzig im 24. Mai 2012 und am 10. November 2016 wurden je ein Colibakterium nachgewiesen.

Letzterer Vorfall war auf Arbeiten an der Quellfassungsleitung zurückzuführen. Das Quellwasser wurde in dieser Zeit verworfen. Der Nitratgehalt liegt seit 1979 unter dem Toleranzwert von 40 mg/l. Er sank in den letzten Jahren laufend auf 18 mg/l, was mit dem Gülleverbot erklärt werden könnte. Seit 2013 wird das Trinkwasser einer UV-Behandlung unterzogen.

Definition der Schutzzonen

Laut Auflagebericht ist die Schutzzone 2 (S 2) so zu dimensionieren, dass Wasser vom äussersten Rand der Zone S 2 bis zur Fassung mindestens 10 Tage benötigt oder mindestens 100 Meter entfernt ist. Bei der Widlisbachquelle wurde aufgrund von Messungen und Annahmen eine mittlere Abstandsgeschwindigkeit von 25 Meter pro Tag angenommen. Die Distanz vom äusseren Rand der Zone S 2 zur Zone S 1 wird deshalb auf 250 Meter festgelegt. Auf der Unterstromseite kann dank der grosszügigen Ausscheidung der Zone S 1 südlich des Fassungsstranges auf die Ausscheidung einer Zone S 2 verzichtet werden. Auch auf der Westseite wird die Schutzzone rund 50 Meter kleiner.

Die Schutzzone S 3 soll gewährleisten, dass bei Gefahr ausreichend Zeit für erforderliche Massnahmen bleibt. Der Abstand zwischen den äusseren Grenzen von S 2 und S 3 muss mindestens gleich dem Abstand zwischen den äusseren Grenzen von S 2 und S 1 sein.

Die Kantonsstrasse quert die Schutzzone. Eine Variantstudie habe ergeben, dass ein Vollschutz der Strasse gegenüber einer Verlegung der Strasse kostengünstiger und einfacher zu realisieren sei. Dazu gehören eine Vollentwässerung der Strasse mit einer Ableitung ausserhalb der Schutzzone, Leitplanken südseitig, ein Fahrverbot für Transporte mit Wasser gefährdender Ladung sowie eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 50.

Es ist weiter vorgesehen, die gesamte Parkplatzfläche beim Fussballfeld Galmis und den Flurweg zum Ischenhof im Bereich der Schutzzone 2 mit Asphaltbelag zu befestigen und über den Galmisbach oder die Kanalisation zu entwässern.

Die Planauflage zur Neubeurteilung der Schutzzone endet am 16. August.

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