Nimmt man den Finanzplan 2018 bis 2022 für bare Münze, läuft Zuchwil in ein finanzielles Desaster. Aber der Finanzplan ist eine Prognose, vergleichbar einer Wetterprognose. Prophezeit diese in zwei Wochen Sonnenschein bei 25 Grad, kann es ebenso gut Regenwetter bei 10 Grad geben. «Der Finanzplan interpoliert die momentane Situation auf die kommenden Jahre», schreibt Finanzverwalter Michael Marti dazu im Bericht.

Beim letzten Finanzplan 2012 bis 2017 wurden die Zahlen vom Jahr 2011 verwendet und auf die nächsten Jahre hochgerechnet. Aber ab 2012 sprudelte das Geld nur so in die Kasse der Gemeinde. Positive Rechnungsabschlüsse waren die Folge, was 2011 noch niemand wirklich wissen konnte. Obwohl mit dem neuen Finanzplan nun aufgrund von positiveren Rechnungszahlen als 2011 die Prognosen erstellt werden, «offenbart er uns eine schwierige finanzielle Zukunft», so Marti. Die Schuldensituation sei nach wie vor angespannt, obwohl Schulden beträchtlich abgebaut wurden. Grössere Investitionen werden den Finanzhaushalt belasten. Weiter wird das finanzielle Wohlergehen der Gemeinde nach wie vor abhängig vom guten Geschäftsgang der juristischen Personen sein.

Freibad wird saniert

Mitentscheidend sind also die Investitionen, welche Zuchwil in den nächsten Jahren leisten muss. Im Durchschnitt soll das Investitionsvolumen der Gemeinde bei 4 Millionen Franken liegen. Das wären in den kommenden Jahren 20 Mio. Franken. Der Finanzplan sieht aber im Schnitt der nächsten fünf Jahre eine doppelt so hohe Quote vor. Ins Gewicht fallen die Sanierung des Verwaltungsgebäudes mit gut 2 Mio. Franken, Investitionen in die Schulliegenschaften mit 3,5 Mio. Franken und die Ausgaben für Gemeindestrassen/Werke sowie Kantonsstrassen mit gegen 8,5 Mio. Franken. Den grössten Happen bei den Investitionen betrifft aber das Sportzentrum. Insgesamt gut 20 Millionen Franken sind eingeplant für Anschaffungen, Sanierungen und vor allem für die Sanierung des Freibades (10 Mio. Franken).

In den Investitionen tauchen nicht nur Kosten auf, manchmal werden auch Einnahmen erzielt. Der Finanzplan sieht bei den Investitionen insbesondere im Jahr 2019 Einnahmen vor, wenn eine weitere Tranche für den Verkauf der Widi fällig wird und allenfalls Gelder aus der Region oder dem Kanton für das Projekt einer Winterhalle im Freibad generiert werden können. Beinahe mit 8 Mio. Franken Einnahmen rechnet der Finanzverwalter 2019.

Finanzverwalter muss tief stapeln

Die Investitionen belasten nicht eins zu eins die Erfolgsrechnung. Aber es ist schon ein Unterschied, ob man 20 Mio. Franken oder über 40 Mio. Franken verzinsen und abschreiben muss. Ein Finanzplan ist in dieser Hinsicht brutal. Denn auf der Ertragsseite darf der Finanzverwalter nicht euphorisch sein, sondern muss im Gegenteil vorsichtig kalkulieren.

Er rechnet beim Aufwand mit einer jährlichen leichten Zunahme der Ausgaben, ebenso beim Steuerertrag der natürlichen Personen, nicht aber beim Steuerertrag durch die juristischen Personen. Hier ergab die Rechnung 2016 einen Ertrag von 13,7 Mio. Franken, der Finanzverwalter rechnet aber für die nächsten Jahre mit jeweils einem Ertrag von 10,7 Mio. Franken. Letzten Endes kann aber auch das schiefgehen. Niemand kann die wirtschaftliche Entwicklung voraussehen.

Der Plan prognostiziert demnach bis 2022 eine Abnahme des Eigenkapitals (inklusive Spezialfinanzierungen) von aktuell 19,1 Mio. Franken auf 8,9 Mio. Franken und eine Zunahme des Fremdkapitals um 37 auf 75 Mio. Franken. «Ab 2021 hätten wir bereits kein genehmigungsfähiges Budget», warnt Michael Marti. Der Gemeinderat stimmte dem Antrag zu, die Budgets in der Prognoseperiode so zu gestalten, dass die Erfolgsrechnung jeweils ausgeglichen ist.