Aus Jux traten sechs junge Männer vor mehr als 20 Jahren verkleidet als Frauen an einer Geburtstagsfeier auf. Daraus entstand eine der schweizweit einzigen Travestieshows, deren Besuch für viele Fans fix in den Terminkalender im Januar und Februar gehört. Yvette Tuschuur, geborene Toutdesuite, ist die einzige der Damen, die in allen bisherigen Shows mitgespielt hat. Yvette heisst mit bürgerlichem Namen Christian Loose und geht einem ganz normalen Beruf nach. «Der Geburtstagsparty folgte ein Auftritt bei der Weihnachtsparty der Tanzschule Nyffeler. Wir bekamen keine Gage und wir sahen furchtbar aus», lacht Loose, der sich an die Verkleidung mit Fasnachtsperücken und die entliehenen BHs der Mütter erinnert.

Danach gab es Anfragen für Privatauftritte bei Geburtstagen oder anderen Festen. 1996 war dann die Geburtsstunde der NeverComeBackAirline und die erste Show im Muttiturm. «Wir waren zu fünft, hatten kein Konzept und kein Programm, wussten aber, dass die sechs Vorstellungen im Muttiturm ausverkauft sind», erinnert sich Christian Loose zurück.

Requisiten aus Paris

Die Show gefiel und schon im nächsten Jahr stand die Crew wieder auf der Bühne des Muttiturms. «Als Erstes haben wir in Perücken und Kleider investiert.» Eingekauft wurden diese in Paris. «Im Araberviertel fanden wir fast alles, was wir brauchten.» Mit der Zeit waren die Herren auf ihrer Kostümsuche in den Läden bekannt und so entfielen auch die erstaunten Blicke.

Professioneller wurde auch das Show-Angebot. Schon bald bot die NeverComeBackAirline in Zusammenarbeit mit der Suteria nämlich die Show mit vorherigem Nachtessen an. Im ersten Jahr wurden 48 Essen verkauft. «Heute sind es rund 1000 Essen pro Saison», so Loose. 

Man sagt es Frauen nach, dass sie früher oder später miteinander zoffen. So war es auch bei der Crew der NeverComeBackAirline. Die Damen hatten nicht die gleichen Vorstellungen und so brach die Gruppe auseinander. «Das wollte ich nicht hinnehmen. Ich machte mich im August auf und suchte neue Leute für die Show im Januar.» Fündig würde Loose in Zürich. Mit Mike stiess ein Mann zur Crew, der bis heute geblieben ist. Auch Beverly Stardust stand damals zum ersten Mal in Solothurn auf der Bühne. «Mit Mike ergaben sich völlig neue Möglichkeiten in der Show. Plötzlich wurde es beispielsweise möglich, Duette zu singen.»

Nicht nur die Crew veränderte sich, auch die Bühne. Im Muttiturm gab es nämlich keinen Platz mehr für die Travestieshow und durch Zufall kam die NeverComeBackAirline an den Ort, an dem sie auch heute noch zu Gast ist. Zu Möbel Märki in Zuchwil.

Glücksfall für beide Seiten

«Möbel Märki wurde letztes Jahr umgebaut und dabei wurde eine Eventfläche für uns geschaffen», so Christian Loose. Das sei auch ein Lob. «Wir bringen mögliche Käufer ins Möbelhaus und haben im Gegenzug eine ungewöhnliche Kulisse für unsere Show.»

Yvette Tuschuur, geborene Toutdesuite, und Mike werden die NeverComeBackAirline auch im Jahr 2016 durch alle Turbulenzen bringen. Zum zweiten Mal wird Helga Ottilie von Amsterdam in Zuchwil auftreten. Dazu kommen mit Carla Carolle und Lola Glitter zwei neue Crewmitglieder.

Backstage bei der Travestie-Show:

Geblieben ist das Konzept der Show. «Wir üben nie gemeinsam», erklärt Christian Loose. «Wir sehen auch die Kostüme der anderen vor der Premiere zum ersten Mal.» Jedes Crewmitglied gebe seine Ideen und Wünsche bei Mike ein, der dann sortiert und das Programm zusammenstellt. Für die Premiere wird das Raster ausgearbeitet.

Das verändert sich aber im Lauf der Vorstellungen. Die Programmteile können einen anderen Platz bekommen oder ganz wegfallen. «Das kommt ganz auf die Reaktion des Publikums an.» Wichtig sei zudem ein guter Mix zwischen Gesang und Conférence-Teilen. Letztere dürfen übrigens ruhig deftig sein und an die Gürtellinie gehen. «Dem Publikum darf es nie langweilig werden.» Mindestens bisher hat die Crew dies geschafft: Sie ist stolz darauf, dass seit Jahren Gäste aus der ganzen Schweiz anreisen.

Immer professioneller

Zwischen 30 bis 40 Leute arbeiten im Januar und Februar für die NeverComeBackAirline. Dazu gehören alle, die an der Bar sind, im Service, die Techniker, diejenigen, die abwaschen und weitere Freiwillige. «Wir sind in der Zwischenzeit eine GmbH und unser Name ist beim Bundesamt für geistiges Eigentum hinterlegt.» Das Material für die
Show braucht rund 100 Quadratmeter Platz und ist ausserhalb der Spielzeit eingelagert.

Professioneller ist auch das Outfit geworden. Kleider und Highheels finde man heute problemlos auf Online-Portalen. Beim Abändern helfen Mütter, Schwestern und andere gute Seelen. Geschminkt wird mit Theaterschminke und auch die Perücken sind qualitativ hochstehend. Und die Strumpfhosen? Die sind aus dem Warenhaus und kosten weniger als zehn Franken pro Paar, wie Yvette Tuschuur verschmitzt
erklärt.

Auch wenn sie als Frauen auf der Bühne stehen. Keines der Crew-Mitglieder der NeverComeBackAirline möchte eine Frau sein. «Ganz bewusst beenden wir jede Show damit, dass wir aus
unseren Kostümen schlüpfen und uns ungeschminkt als Männer auf der
Bühne präsentieren.»

Aufführungen – Premiere, 16. Januar 2016 irgendwo in Europa (es hat noch freie Plätze). Aufführungen in Zuchwil, Showbeginn um 20.30 Uhr: Freitag, 22. Januar 2016, Samstag, 23. Januar, Freitag, 29. Januar, Samstag, 30. Januar, Freitag, 5. Februar, Samstag, 6. Februar, Freitag, 12. Februar, und Samstag, 13. Februar. Vorverkauf online oder bei Leder Gysin beim Bieltor in Solothurn.