Zuchwil

20 Jahre bis zum Erstling: «Die Geschichte liess mich nicht mehr los»

Die in Zuchwil lebende Deborah Tschickardt schreibt unter dem Künstlernamen Deborah N. May. Sie setzt auf eigene Kräfte und hat Erfolg damit.

Die Zuchwilerin Deborah Tschickart ist Autorin und gleich auch Herausgeberin ihres Romans «Der letzte Bus nach Talmey». Diesen hat sie unter dem Künstlernamen Deborah N.May geschrieben.

Auf einem Taschenrechner mit einem einfachen Texteingabeprogramm schrieb die Zuchwilerin Deborah N. May die ersten Sätze ihres Debut-Romans «Der letzte Bus nach Talmey». Das war vor mehr als zwanzig Jahren. «Die Geschichte liess mich nicht mehr los», erinnert sich die heute 39-Jährige. Immer wieder habe sie das Geschriebene weggelegt, um es nach Jahren wieder hervorzuholen. Vor kurzem kam es zum Finale für ihren Erstling. Die kleine zierliche Frau lud zu ihrem Buchapéro ein.

Country erklingt im Zimmer. «Das entspricht eigentlich nicht meinem Musikgeschmack», schmunzelt sie in ihrem weinroten, knielangen Sommerkleid. Ihr Buch spielt in Talmey, einer fiktiven Kleinstadt in Wyoming, im amerikanischen Nirgendwo. Selbst sei sie nie da gewesen, aber dieser US-Bundesstaat habe sie seit ihrer Jugend fasziniert. «Wyoming hat extremes Wetter», weiss sie aus ihren Recherchen. Genau nach ihrem Geschmack. Und passend für einen Roman, in dem ein siebzehnjähriges Mädchen – ungefähr so alt war May, als sie anfing, am Buch zu schreiben – auf einer Pferdefarm erwachsen werden muss.

Hilfe aus Fachbüchern beansprucht

An ihrem Buchapéro liegen Dutzende Ratgeber zum Thema Buchveröffentlichung und Autorendasein auf. «Die waren mir eine grosse Unterstützung bei der Umsetzung», erklärt sie. Geschichten erzählen und schreiben habe sie immer gut gekonnt.

Für die Umsetzung eines Grossprojektes, wie das Schreiben eines Buches, hat die berufstätige Mutter von zwei Kindern nebst Geduld und Beharrlichkeit gewisse Techniken benötigt. «Zum Beispiel überarbeitete ich früher jedes Mal, wenn ich wieder am Buch arbeitete, den Text von Anfang an. So bin ich nie weiter gekommen.» Durch die Ratgeberliteratur lernte sie, einen Text zu Ende zu schreiben und erst dann zu redigieren. «Der erste Entwurf ist immer Mist», zitiert sie den berühmten Autor Ernest Hemingway.

Herausgeberin der eigenen Bücher ...

Kaum fertig mit diesem ersten Entwurf, entscheidet sie sich gegen eine sofortige Überarbeitung des Textes. «Ich wollte meine aktive Schreibphase nicht unterbrechen.» Dieser Entscheid hat sich gelohnt. Deborah N. Mays zweites Manuskript steht ebenfalls. Statt nach einem Verlag Ausschau zu halten, veröffentlicht sie ihr erstes Buch gleich selbst. «Ich fühle mich als Autorin und wollte nicht länger darauf warten», begründet sie ihren Entschluss.

Ihre Ungeduld wurde durch ihren Anspruch, ein professionelles Buch herauszubringen, gebremst. «Seit es die Möglichkeit gibt, Bücher selbst zu veröffentlichen, tummeln sich viele schlecht umgesetzte Projekte auf diesem Markt. Ich wollte von Anfang an eine professionelle Umsetzung für meinen Roman», erklärt sie ihre Arbeitsweise. Deshalb stellte sie für das Lektorat, Korrektorat und Layout Fachleute ein.

... oder doch bei einem Verlag unterkommen?

Welchen Weg sie mit dem zweiten Manuskript gehen will, hat sie noch nicht entschieden. «Zum einen könnte ich von den Erfahrungen, die ich als Herausgeberin gemacht habe, profitieren.» Die Entlastung im organisatorischen Bereich, die ein Verlag mit sich bringe, sei zum anderen interessant.

Ein weiterer Vorteil, wenn sie einen Verlag im Hintergrund hätte, wäre die Ladenpräsenz in Buchhandlungen, die gegenüber Selfpublishern – Selbst- Herausgebern – tendenziell kritisch eingestellt seien. Mays erstes Buchapéro wurde rege besucht. «Ich lerne noch und will mit jedem Buch besser werden», sagt sie zufrieden.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1