«Einen Butternut-Kürbis in Würfel schneiden, in der Pfanne wie Geschnetzeltes anbraten, würzen. Und schon hat man eine herrliche Beilage.» Man könne den Kürbis auch zusammen mit Fleisch anbraten und Gemüse und Fleisch zusammen fertig kochen. Rosmarie und Urs Weyeneth ziehen und verkaufen seit 25 Jahren Kürbisse. Und sie experimentieren immer wieder mit neuen Sorten und probieren Rezepte aus. «Während der Kürbissaison haben wir aber meist sehr viel mit dem Verkauf auf dem Hof zu tun, sodass wir dann für uns selbst keine komplizierten Gerichte kochen», meint Rosmarie Weyeneth lachend.

Immer etwas Neues

Mit dem Kürbisanbau alleine verdient ein Landwirt aber noch kein Geld. «Zuerst haben wir die Kürbisse auf dem Markt in Solothurn verkauft. Dann begannen wir damit, einen Kürbis-Tag hier bei uns auf dem Hof zu organisieren.» Weil gleichzeitig auch andere Landwirte begannen, Kürbisse anzupflanzen, haben sich Weyeneths etwas Neues einfallen lassen. «Damals war es Mode, ein Maislabyrinth anzupflanzen. Wir haben uns deshalb gedacht wieso nicht ein Kürbislabyrinth?». Das Labyrinth gibt es immer noch und der Irrweg wird nicht nur von verschiedensten Sorten Kürbissen, sondern auch von Mais, Sonnenblumen und Prunkwinden geziert. Das Labyrinth hat eine Länge von 600 Metern. Irgendwann hat man den Weg ins Zentrum und wieder nach draussen gefunden. «Dann haben die Besucher vielleicht noch einen Kürbis gekauft und sind wieder gegangen», so Urs Weyeneth.

Da habe er die Attraktivitäten mit einem Gras- und einem Steinlabyrinth erweitert. Später kam das Beizli in der Kürbispyramide dazu. Vor zehn Jahren pflanzte Weyeneth zusätzlich einen Heckenirrgarten mit einheimischen Wildsträuchern. «Der ist das ganze Jahr wunderbar anzusehen. Hier haben wir allerlei Vögel, Eidechsen und weitere Kleintiere.» In der Zwischenzeit können Kinder sich auch auf Schatzjagd begeben. In der Mitte jedes Irrgartens ist eine Zahl versteckt. Deren Code öffnet am Schluss eine Schatztruhe, die im Keller des Bauernhauses versteckt ist.

Kugelbahn durch Rinderstall

Weil Urs Weyeneth immer wieder neue Ideen hat, gibt es seit zwei Jahren eine 200 Meter lange Kugelbahn, die nicht nur die Kleinen, sondern auch die Grossen begeistert. Die Bahn führt mitten durch den Rinderstall. Die Kugel für die Bahn hat einen Durchmesser von 13 Zentimetern und wurde speziell angefertigt.

Riesige Murmelbahn der Familie Weyenth aus Lüterkofen

Riesige Murmelbahn der Familie Weyenth aus Lüterkofen

Die Weyenths aus Lüterkofen haben im und um ihren Hof eine gigantische Murmelbahn gebaut.

Und wenn es dem Kürbisbauern langweilig wird, dann widmet er sich seiner heimlichen Leidenschaft. Den Kalebassen. Diese Kürbisssorte ist flaschenförmig und man kann sie sehr gut trocknen. In gewissen Ländern werden sie als Musikinstrumente genützt. Urs Weyeneth bemalt sie lieber. Plötzlich kommen sie als Samichlaus, als Schneemann oder als Osterhase daher.

Beratung ist wichtig

Das Herzstück des Betriebes ist aber immer noch der Kürbisverkauf. Rund um den Hof werden die Kürbisse präsentiert. Sie sind sortenweise zusammengefasst, beschriftet und gleichzeitig kann man sich auch orientieren, wofür sich der entsprechende Kürbis am besten eignet. «Die eine Sorte hat einen nussigen Geschmack, eine andere schmeckt ähnlich wie Marroni. Es gibt Kürbisse, die sich zum Rohessen eignen. Andere sind eher fasrig und wässrig.» Bei den rund 150 Sorten, die in Lüterkofen wachsen, ist für jeden Geschmack etwas dabei. «Wir beraten die Leute gerne, wenn sie Fragen haben», so Rosmarie Weyeneth. «Uns ist es wichtig, dass die Leute den richtigen Kürbis kaufen, Wir wissen, wozu sich die einzelnen Sorten eignen und wir können die Kundschaft auch beraten, wenn es beispielsweise um das fachgerechte Lagern geht.» Viele brauchen die Kürbisse zuerst als Dekoration, bevor sie sie dann später tatsächlich auch noch verwerten. Der Trend gehe im Übrigen weg vom orangen Kürbis hin zu neuen Pastellfarben.

Allrounder und Spezialitäten

Es gebe grosse Differenzen zwischen den einzelnen Sorten. Einer der dekorativsten Kürbisse sei der «Rouge Vif d’Etampes», auch roter Zentner genannt. Geschmacklich überzeuge er allerdings nicht. Gar nicht angepflanzt wird in Lüterkofen der gelbe Zentner. «Das war eine der ersten Sorten, die nach dem Krieg aufkamen, und dieser Kürbis wurde häufig auch als Schweinefutter gebraucht.» Ein absoluter Allrounder sei der Butternut. «Damit kann man auch Gemüsebrei für Babys zubereiten. Oder man schneidet ihn in Schnitze, bestreicht ihn mit Öl und gart ihn dann im Ofen.» Als Renner entpuppe sich heuer der «Sweet dumpling», ein Kürbis, den man auch roh mit einer Dipsauce geniessen kann.

Im Kürbis-Beizli bietet Rosmarie Weyeneth Kürbis-Amaretto-Kuchen an, Kürbis-Muffins, und immer sonntags gibt es Kürbissuppe. «Nach einem Spezialrezept mit mehreren Sorten, die wir mischen. Mehr verrate ich nicht.» Man spürt es: Der Kürbis ist für Weyeneths nicht nur einfach ein Gemüse, das sie anpflanzen, sondern eine Leidenschaft. «Uns ist der Kürbis auch nach 25 Jahren nicht verleidet. Er bringt Farbe auf den Tisch, wenn es draussen grau wird.»

Und wenn nicht gerade Kürbis-Saison ist, dann produzieren Weyenths auch Bio-Weide-Beef, Weizen, Sonnenblumen, Ackerbohnen und Mais. «Immer nach biologischen Richtlinien.»

Nächstes Jahr feiern Weyeneths 20 Jahre Kürbislabyrinth. Die Kulturkommission der Gemeinde organisiert aus diesem Grund am 16. und 17. August ein «Scheunenkino» auf dem Hof.