Solothurn/Niederwil

«141 Franken – zum Dritten»: Wenn Grundstücke zu Schnäppchenpreisen verkauft werden

Das Haus im Grüngli 10 in Niederwil fand an der Versteigerung keinen Käufer.

Das Haus im Grüngli 10 in Niederwil fand an der Versteigerung keinen Käufer.

Weil die Interessen einer Erbengemeinschaft aus Niederwil nicht in Einklang gebracht werden konnten, kam es zu einer freiwilligen öffentliche Versteigerung von zehn Grundstücken.

Ein freiwillige Steigerung ist nicht alltäglich. In Niederwil konnten die verschiedenen Interessen einer Erbengemeinschaft nicht auf einen Nenner gebracht werden. Also begegnen sich Verkäufer und Kaufwillige in einem Sitzungszimmer auf der Amtsschreiberei in Solothurn. Speziell ist, dass der verstorbene Besitzer, früher ein Landwirt, noch zehn Grundstücke, meist Landwirtschaftsland, Wald oder auch ein Landstück mit Landwirtschaftsland und Bauland besass.

Die Landstücke, alle unter 2500 Quadratmeter gross, unterstehen nicht dem bäuerlichen Bodenrecht. Auch Private haben daher Gelegenheit, sich ein Stück zu kaufen. Verlockend ist auch, dass mit einer Ausnahme kein Mindestangebot gilt. Die Ausnahme betrifft eine Parzelle mit einem Wohnhaus. Dennoch hat die Erbengemeinschaft bei jeder Parzelle einen (wirklich) geringen Mindestpreis festgelegt. Darunter sollen die Parzelle nicht weggehen.

Geschäftiges Treiben

Wie üblich bei Steigerungen ist im Sitzungszimmer anfangs eine angespannte Stimmung zu verspüren. Dies umso mehr, als bei dieser freiwilligen öffentlichen Steigerung zu erwarten ist, dass unter den anwesenden Verkäufern, den Erben, dicke Luft herrscht. Die Anspannung löst sich aber schnell nach dem Verkauf des ersten Grundstückes und weicht einem geschäftigen Treiben. Denn von den 30 Besucherinnen und Besuchern der Steigerung muss sich jeweils gut ein Drittel nach vorne an den Tisch mit der leitenden Notarin Isabel Zenari und ihren beiden Mitarbeiterinnen begeben und den Verkauf mit mehreren Unterschriften beglaubigen.

Wie zu vernehmen ist, hat der Besitzer die Liegenschaft und die Landstücke seinem Sohn vererbt. Als dieser überraschend verstarb, hat der Vater den Besitz wieder zurückgenommen, und die Anzahl der Erben hat sich stark vergrössert. So dauert der Verkauf einer Parzelle auf der Amtsschreiberei länger als erwartet. Und man hat Gelegenheit, mit den Anwesenden die eine oder andere Frage zu klären.

Ein Auswärtiger beispielsweise ist durch die Ausschreibung der Steigerung angelockt worden. Er sei kein Landwirt, habe aber rund 8 Hektaren Land in seinem Besitz. Hier habe er es auf zwei der Landstücke abgesehen. Dabei hat er sich, wie seine Unterlagen zeigen, über jede der zu versteigernden Parzellen Informationen eingeholt. Und er hat sicher auch die Steigerungsbedingungen genau gelesen.

Denn mit einigen hundert Franken für ein Landstück in Niederwil ist es nicht getan. Jeder Käufer hat eine Vorschusszahlung von 5000 Franken zusätzlich zum Verkaufspreis zu leisten. Die Vorschusszahlung, so Isabel Zenari, dient aber einzig dazu, die Kosten der Verwertung sicherzustellen. Die Käufer bezahlen anteilmässig an die Verwertung und erhalten den Rest zurück.

Für ein Trinkgeld

So bezahlt auch der Käufer der ersten Parzelle diese 5000 Franken Vorschuss. Er ist Anstösser an das Land. Die Mauern seiner Liegenschaft bilden teilweise die Grenze. Er habe schon lange mit diesem Landstück seine Parzelle arrondieren wollen. Vor Jahren habe er mal 30'000 Franken dafür geboten, sei aber beim Besitzer abgeblitzt. «141 Franken – zum Dritten!», ruft Isabel Zenari. Die 646 Quadratmeter Landwirtschaftsland gehen für ein Butterbrot weg.

Niemand unter den Anwesenden interessiert sich sonst für das Landstück. Andererseits dürfte den meisten der Anwesenden schon vorher klar gewesen sein, dass das Land «fairerweise» dem Anstösser zusteht. Auch die folgenden beiden Landstücke gehen «fairerweise» unbestritten an den Landwirt, welcher dieses Land bisher bewirtschaftet.

500 Franken für 258 Quadratmeter und 1000 Franken 1085 Quadratmeter. Das folgende Landstück ist aber umstritten, denn ein Teil befindet sich in der Bauzone und hat zwei Anstösser. Hier wird ein Bieterkampf geführt, der erst bei 15'000 Franken endet. Schön für die Verkäufer. Weniger schön ist, dass das Hauptgrundstück mit der Liegenschaft keine Interessenten fand und ebenso zwei Landstücke.

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