Biberist
12 Wohnwagen Schweizer Fahrender sorgen für Wirrwarr

Was machen plötzlich 12 Wohnwagen Schweizer Fahrender auf dem Bleichenberg? Die Telefondrähte liefen heiss und die Biberister Behörden ärgerten sich. Das alles, weil sich eine Kaskade von Missverständnissen aneinanderreihte.

Rahel Meier
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Die Fahrenden logieren an exponierter Lage.

Die Fahrenden logieren an exponierter Lage.

Die Telefonleitungen liefen heiss am Montagmorgen. Zurzeit stehen rund 12 Wohnwagen an der Ecke Bleichenbergstrasse/Asylweg. Der Ort ist exponiert, viele, die durchfuhren, fragten sich, was da los ist. Ein Anwohner alarmierte gar die Polizei, die am Sonntagabend, kurz nachdem die Wohnwagen abgestellt wurden, ausrückte und versuchte die Sache vor Ort zu klären.

Die Kantonspolizei wusste aber auch am Montagmittag noch nicht, ob die Wohnwagen rechtens dort stehen oder nicht. «Wir recherchieren noch», so Mediensprecherin Melanie Schmid. Nachfragen ergaben, dass die Wohnwagen Schweizer Fahrenden gehören, die angaben, eine Bewilligung der kantonalen Behörden zu haben. Der Platz dürfe bis zum 9. September benützt werden. Sie verwiesen die Polizei an Urs Zuber, der das Land vom Kanton gepachtet hat.

Biberister sind verärgert

Im Amt für Raumplanung, das für die Standplätze für Fahrende zuständig ist, wusste am Montagmorgen niemand Bescheid. Die Verantwortlichen der Gemeinde Biberist wiederum zeigten sich verärgert. «Wir haben absolut nichts gegen die Schweizer Fahrenden», so Gemeindepräsident Martin Blaser. Aber es könne nicht sein, dass kantonale Behörden eine Vereinbarung mit den Fahrenden treffen, und die Standortgemeinde nicht einmal informiert werde. «Wir werden beim Kanton intervenieren.»

Blaser ärgerte sich vor allem über den Ort, an dem die Wohnwagen hingestellt wurden. «Das ist eine exponierte Lage.» Der Bleichenberg sei das Biberister Naherholungsgebiet, das Schlösschen ein wertvolles Kulturobjekt. Und zudem sei dort ein Durchgangszentrum für Flüchtlinge eingerichtet. Die Gutmütigkeit von Biberist werde überstrapaziert.

Zwischen allen Fronten steht Urs Zuber. Schon einmal gab es ein Projekt für einen Standplatz für Fahrende auf seinem Land. Er hat auch syrische Flüchtlinge im Auftrag des Kantons bei sich aufgenommen. Weil bekannt ist, dass er Fahrenden gegenüber offen ist, wurde er vom Zuständigen im Amt für Raumplanung angefragt, ob er Platz habe, um «einen Wohnwagen» und Schweizer Fahrende für ein paar Tage bei sich aufzunehmen.

Zuber sagte zu. Einer der Fahrenden kam zu ihm und begutachtete den Platz. «Ich wollte den Wohnwagen oben bei meinem Hof platzieren.» Im Gespräch wurde dann klar, dass es um eine ganze Gruppe und um 12 Wohnwagen geht. Kurzentschlossen wurde die Wiese an der Ecke Bleichenbergstrasse/Asylweg als geeignet taxiert und so kamen die Fahrenden am Sonntagabend nach Biberist und stellten ihre Wohnwagen ab.

Kanton reagiert pragmatisch

«Der Ort ist sicher nicht ganz ideal», so Zuber. Aber zwölf Wohnwagen könne er nicht auf dem Hof haben. «Dann kann ich nicht mehr arbeiten.» Und weil der Verantwortliche beim Amt für Raumplanung in der Zwischenzeit ein paar Ferientage einzog und ins Ausland verreist war, konnte Zuber diesen auch nicht mehr über die Anzahl der Wohnwagen und den Platz auf der Wiese informieren.

Die Fahrenden wollen am 9. September weiterziehen. Die kantonalen Behörden – das Amt für Raumplanung und das Hochbauamt als Grundstücksbesitzer – haben sich deshalb dazu entschieden, den Fahrenden zu erlauben, am Standort im Bleichenberg zu bleiben. Bernard Staub (Chef Amt für Raumplanung) macht aber explizit darauf aufmerksam, dass der Kanton keine Bewilligung erteilt habe. «Es gab offensichtlich mehr als nur ein Missverständnis in dieser Sache», meinte er abschliessend.

Und für Martin Blaser ist eines klar: Die Gemeinde verlangt für die Zukunft eine klare Regelung und ein Mitspracherecht bei solchen Nutzungsbegehren.

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