Lohn-Ammannsegg
1000 Gulden Vorkasse reichten nicht für den Bau der Kapelle Lohn

Vor 300 Jahren erfolgte die Grundsteinlegung der Kapelle Lohn.

Stefan Luterbacher
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Die Kapelle Lohn auf einem Stich aus dem Jahr 1885.

Die Kapelle Lohn auf einem Stich aus dem Jahr 1885.

Stefan Luterbacher

Die Kapelle Lohn steht unter Heimatschutz. Stifter der Kapelle war nicht ein Einheimischer, sondern ein Hauptmann aus der Stadt Solothurn. Jacob Christoph Baumgartner, Mitglied des Grossen Rates, besass in Lohn Güter und kaufte 1715 mitten im Dorf, neben dem Restaurant Post, dem Wirt Konrad von Arx neun Aren «Kilchackerli» ab.

Baumgartner war der Lohner Bevölkerung sehr zugetan, und es war ihm ein grosses Anliegen, für die Katholiken endlich ein Gotteshaus zu bauen. Auf die Erlaubnis der Regierung wartete er aber seit 1713 vergebens.

Mit einer Spende Goodwill geschaffen

Die Antwort des hohen Rates bekam er erst vier Jahre später 1717 in einem Brief, mit dem er aufgefordert wurde, «von seinem Vorhaben abzusehen, was zur Förderung der Ehre Gottes anzuwenden gesinnt sei, sei anderwärtig zu verwenden». Lohn war 1717 wohl bei der Regierung in Solothurn somit nicht besonders gut angeschrieben.

Jacob Christoph Baumgartner gab aber nicht auf. Er schenkte der Mutterkirche in Biberist den für Lohn vorgesehenen Altar und die reservierten 3100 Dachziegel. Wegen dieser Spende für die Kirche St. Marien in Biberist zeigte sich das Stiftskapitel in Solothurn versöhnlich. Es beantragte der Regierung, den Bittsteller mit dem Kapellenbau doch gewähren zu lassen.

Der Gedenkstein an der Kapelle von 1720 ist dem Stifter Hauptmann Baumgartner gewidmet.

Der Gedenkstein an der Kapelle von 1720 ist dem Stifter Hauptmann Baumgartner gewidmet.

Stefan Luterbacher

Am 10. April 1720 bekam er nach sieben Jahren endlich die Erlaubnis, mit einer «Raths-Erkanntnis» in Lohn eine Kapelle zu bauen, nachdem er in Solothurn den Beweis erbracht und die 1000 Gulden für den Bau auf den Tisch gelegt hatte. Die Grundsteinlegung erfolgte 1720 vor 300 Jahren. Der Erbauer der Kapelle liess neben dem Eingang der Kapelle auf zwei Gedenksteinen seinen und seiner Schwester Name mit Text und der Jahreszahl 1720 ein meisseln.

Im gleichen Jahr 1720 wurde die Glocke «Bätzyt-Glöggli» zu St. Urban geweiht, die noch heute das regelmässige Läuten um 6, 11 und 19 Uhr übernimmt. Dank einem Komitee zur Aufrechterhaltung einer Lohner Tradition wurde das im Jahr 2019 auf Begehren eines Anwohners auf 7.30 Uhr verschobene Morgengeläut der Kapelle dieses Jahr wieder auf seine ursprüngliche Zeit von 6 Uhr morgens umgestellt.

Fertiggestellt wurde die Kapelle aber erst im Jahr 1725, welche Jahreszahl über dem Türeingang steht. Die 1000 Gulden reichten nicht aus, es waren weitere Gelder und Spenden erforderlich. Der Bau verzögerte sich immer wieder, bis die Kapelle fünf Jahre später definitiv fertiggestellt wurde. 2025 kann somit zu Ehren der 300-jährigen Kapelle in Lohn-Ammannsegg ein Gedenkanlass oder ein Dorffest geplant werden.

2020 eignete sich als Corona-Jahr sowieso nicht für Festivitäten, die alle abgesagt wurden mussten. Ein Blick in die Geschichte bestätigt, dass dies 100 Jahr vorher schon, im Jahr 1920 wegen der zweiten Welle der Spanischen Grippe ebenfalls mit den gleichen Auswirkungen und Einschränkungen der Fall war.