Langendorf
100 Jahre «Chüngelizüchter» Mittelleberberg – mit flauschigen Tieren und Kaninchenpastete

Die Kaninchen– und Geflügelzüchter Mittelleberberg feiern in der alten Turnhalle Langendorf ihr 100-jähriges Bestehen. Die Lokalschau findet alle zwei Jahre statt und wurde am Samstagabend mit einem Festprogramm abgerundet.

Christian Sutter
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100 Jahre Chüngelizüchter
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Chüngelischau: 100 Jahre Züchter Mittelleberberg Impressionen
Chüngelischau: 100 Jahre Züchter Mittelleberberg Manfred Ryf aus Hubersdorf mit seinem Burgunder
Chüngelischau: 100 Jahre Züchter Mittelleberberg Impressionen
Chüngelischau: 100 Jahre Züchter Mittelleberberg Impressionen
Chüngelischau: 100 Jahre Züchter Mittelleberberg Das ist ein Schweizer Schecke.
Chüngelischau: 100 Jahre Züchter Mittelleberberg Impressionen
Chüngelischau: 100 Jahre Züchter Mittelleberberg Impressionen
Chüngelischau: 100 Jahre Züchter Mittelleberberg Das ist der Sieger der Dreifarbenschecke.

100 Jahre Chüngelizüchter

Hansjörg Sahli

Der Verein der Kaninchen - und Geflügelzüchter Mittelleberberg feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Als passenden Rahmen für die Feier stellten die Züchter ihre Tiere am Wochenende in der alten Turnhalle Langendorf aus. Die Lokalschau findet alle zwei Jahre statt und wurde am Samstagabend mit einem Festprogramm abgerundet.

Vereinspräsidentin Katharina Kummer erörterte anlässlich der Ausstellung zusammen mit ihrem Mann Peter Kummer den heutigen Stellenwert der Kaninchenzucht. Heute würden Kaninchen nicht mehr in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen gezüchtet. Das sei früher anders gewesen. In der Geschichte wie Gegenwart sei jedoch die Freude am Züchten und den Tieren immer eine der wichtigsten Voraussetzungen gewesen.

Zur Geschichte

Im Umfeld des Krieges gegründet

Der Verein blickt auf eine ereignisreiche Geschichte zurück. Gegründet wurde er vor 100 Jahren von 17 Männern im Restaurant Traube in Langendorf. Obschon nicht schriftlich erwähnt, erfolgte die Gründung unter den Einflüssen des Ersten Weltkrieges, der damals in vollem Gange war. Lebensmittel waren knapp, sogar Städter hielten sich Kaninchen und Ziegen. So war auch beim 1917 neu gegründeten Verein die Beschaffung von günstigen und guten Futtermitteln einer der sechs Hauptpunkte, die seine Gründer als Zweck festlegten. Julius Kaufmann aus Langendorf präsidierte die Versammlung. Er schenkte dem neu gegründeten Verein gleich das erste Kassabuch. Der Mitgliederbeitrag wurde auf zwei Franken festgelegt. Die Gründungsmitglieder machten sich die Pflege und Förderung der Kaninchen zur zentralen Aufgabe. Die gleichen Werte und Ziele von damals gelten auch noch heute. Nach anfänglich schwankenden Mitgliederzahlen entwickelte sich der Verein erfreulich und trat 1920 dem kantonalen Verband bei. Neben den Kernzielen steht damals wie heute das Gesellschaftliche und die Kameradschaft an vorderster Stelle. (csL)

Erhalt von Kulturgut

Den Züchtern gehe es auch darum, altes Erbgut und somit auch Kulturgut der Schweiz zu erhalten. «Schweizweit sind noch etwa 5000 Züchter aktiv, wobei es mehr Nachwuchszüchter braucht», so Kummer. Für die Zucht existieren Schweizer Standards, welche teilweise von den europäischen Standards abweichen.

Das Freilichtmuseum Ballenberg habe das Problem erkannt und die Kaninchen – und Geflügelzucht integriert, führt Kummer weiter aus. Züchten sei eine Lebensaufgabe, wenn einen das Fieber einmal gepackt habe. Viele seien bereits mit Kaninchen aufgewachsen. So befinden sich unter den sehr erfahrenen Züchtern Altmitglieder wie Kurt Bleuer aus Rüttenen, im Verein seit 69 Jahren.

Ausgestellt in Langendorf wurden 27 Rassen, so auch der «Loh» von Anton Borner aus Biberist mit dem seltenen blauen Loh, oder der «Havanna» von Urs Hammer aus Langendorf. Auch Synergien wurden geschaffen. Als Gäste stellte der «kantonal bernische Dreifarben Schecken Züchterclub» ebenfalls Tiere aus. Neben den festlichen Aktivitäten und einer reichen Tombola konnten zudem die Kinder aktiv werden. In einer Bastelecke konnten sie sich unter Anleitung einen eigenen Nistkasten bauen, was rege genutzt wurde. Viel Beachtung bei den Kleinen fanden natürlich die Kaninchen selbst, konnte doch das eine oder andere auch gestreichelt werden.

Die Präsidentin Katharina Kummer wurde anlässlich des Festaktes zum Ehrenmitglied ernannt. Sie führte als erste Frau seit 1991 das Sekretariat und amtet seit 2005 als Präsidentin. Das Festessen – die traditionelle Kaninchenpastete – wurde mit einem originell gestalteten und passenden Tischset unterlegt, auf welchem das Gruppenfoto des diesjährigen Vereinsausfluges, sowie das Protokoll der Gründerversammlung vor 100 Jahren abgebildet war.