Balm bei Günsberg
10 Jahre Seilpark Balmberg – und «es läuft»

Vor 10 Jahren eröffnete Bele Schmid auf dem Balmberg den Seilpark. Nach und nach wurde er ausgebaut, heute zählt er 240 Hindernisse. Schlimme Unfälle sind glücklicherweise nie passiert.

Urs Byland
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Bele Schmid, Besitzer des Seilparkes, in seinem Element.

Bele Schmid, Besitzer des Seilparkes, in seinem Element.

Thomas Ulrich

Es ist rau auf dem Berg. Regen sprüht vom Himmel und Böen zerren am Regenschirm. Ein Tief drückt auf die Stimmung unter den Leuten im Häuschen von Bele Schmids Seilpark. «Die erste angemeldete Gruppe ist nicht gekommen, ohne telefonische Absage. Und die zweite angemeldete Gruppe sitzt unten im Tannenheim.»

Wenn Bele Schmid Pech hat, warten er uns seine drei Helfer, die an diesem Morgen die Gäste im Seilpark hätten betreuen müssen, vergebens. Das reisst dann jeweils ein Loch in die Kasse des Seilparks, wo sich etwa 25 Angestellte 500 bis 580 Stellenprozente teilen.

«Das Wetter ist, wie es ist. Wir arbeiten im Outdoor-Bereich, deshalb müssen wir akzeptieren, was kommt», sagt Bele Schmid. Dann werde das Häuschen geputzt, die Fenster gewaschen oder der Boden aufgenommen. «Es gibt immer zu tun.»

Heute vor zehn Jahren öffnete der Seilpark seine Tore. Bele Schmid hat schon die eine oder andere Periode mit ungeniessbaren Wetter erlebt. «Im Frühjahr 2016 regnete es ununterbrochen, dann wird es schon knapp, weil die Löhne trotzdem bezahlt werden müssen. Aber man darf nicht den einzelnen Tag betrachten, man muss die ganze Saison anschauen.»

«Höhepunkt erreicht»

Inzwischen ist auch die Konkurrenz gross. Bele Schmid schätzt die Anzahl auf 75 bis 80 Seilpärke in der Schweiz. «Aber im letzten Jahr haben zwei, von denen ich weiss, wieder schliessen müssen.» Der Höhepunkt sei erreicht, meint Schmid. «Ein Seilpark ist inzwischen auch nicht Neues für die Kunden. Auf der anderen Seite wächst das Freizeitangebot enorm. Es wird heute viel mehr geboten als früher.» Bele Schmid war schon immer vorsichtig pessimistisch, wenn man ihn zum Geschäftserfolg befragte. Aber zehn Jahre Seilpark lassen sich nicht wegdiskutieren. «Es läuft. Wir haben schwarze Zahlen, aber wir werden sicher nicht Millionär. Und es darf nicht allzu viel passieren.»

Schmid denkt hier vor allem an negative Schlagzeilen in den Medien. Die hatte Bele Schmid vor Jahren, als sein Seilpark in einem Test auf den letzten Platz fiel. Damals konnte er sich erklären. Aber die Geschichte hat ihre Wunden hinterlassen. Natürlich gebe es immer wieder kleinere Unfälle. Bele zählt auf, ein Armbruch gehört dazu und auch einen Fussbruch – nicht wirklich Schlimmes in zehn Jahren. «Unfälle mit dem Fahrrad oder auf Ski gehören dazu, aber in einem Seilpark darf nichts passieren.»

Aus technischen Gründen sei es aber nie zu einem Unfall gekommen. Dabei ist das Geschäft wenig reglementiert. Offizielle Kontrollen beispielsweise gebe es «leider» nicht. «Man muss nichts, aber wir machen es. Ich finde es gut, wenn eine dritte Person uns kontrolliert, das passiert aber auf freiwilliger Basis.» Beim Seilpark Balmberg ist es ein Seilbahn-Bauer, der auch Seilpärke offiziell zertifizieren darf. Dieser kontrolliere alle zwei, drei Jahre die gesamte Anlage.

Feuerwehr übt auf dem Seilpark

In Sachen Sicherheit ist der Seilpark seit letztem Jahr top ausgerüstet. Bele Schmid erklärt das neue System, mit dem der Besucher immer mit mindestens einem Karabiner gesichert ist. «Der Kunde ist mit zwei Karabinern unterwegs, die elektronisch miteinander verbunden sind. Wird ein Karabiner gelöst, kann der andere nicht mehr geöffnet werden.» Damit sei er attraktiver geworden für die Verantwortlichen von Schulklassen. Der Kundenkreis ist riesig.

«Wir haben alles, eben Schulklassen, Familien, Kindergeburtstage, Firmenausflüge oder auch mal die Feuerwehr.» Beispielsweise die Feuerwehr Riedholz, die unter erschwerten Bedingungen eine Atemschutzübung im Seilpark durchführt. «Wir hatten auch schon eine Gruppe mit Militärhunden, die vorne an der Brust im Gstältli sassen und so die Tyroline runtersausten.»

240 Hindernisse

Ein Seilpark ist nie zu Ende gebaut. Bele Schmid erneuert immer wieder. So ist ein abenteuerlicher Spielplatz für Kinder dazugekommen, oder Sitzgelegenheiten und Feuerstellen. Attraktion des Parkes ist der freie Sprung, der 17 Meter in die Tiefe geht, die ersten sieben Meter frei und danach wird abgebremst. Der Seilpark hat total 240 Hindernisse und ist nicht nur im Solothurner Tourismus eine Grösse.

Weissenstein-Bahn und Postauto profitieren von den Seilpark-Gästen. Aber eine Zusammenarbeit hat sich noch nicht ergeben und das Ziel von Bele Schmid, eine Kombiangebot mit Start Bahnhof Solothurn, Bergbahn Weissenstein, Seilpark und Postauto wieder zum Bahnhof, lässt nach wie vor auf sich warten.

Glückliche Kunden

Der Regen will nicht aufhören und Bele Schmid und seine Leute warten weiter auf schöneres Wetter. Heute Freitag, am Jubiläumstag sind diese Sorgen unbegründet. Geladene Gäste und Behörden werden auf Einladung von Schmid ein Apéro geniessen. Und morgen Samstag wird den Besucherinnen und Besuchern allerhand geboten. Das reicht von der Hüpfburg für die Kleinsten bis zum Überraschungsgeschenk zum Abschied.

Dann erlebt Bele Schmid wieder die Schoggiseite seines Traumjobs auf dem Balmberg. «Draussen, mit Kunden arbeiten, dem Wetter ausgesetzt.» Und am Schönsten ist es für Bele Schmid, wenn er nach oft langem Zureden, einem der Kletterer oder Kletterinnen wieder geholfen hat, eine Blockade zu überwinden. «Am Ende der Tour sind sie glücklich und haben eine Riesenfreude, dass sie es doch selber geschafft haben, das ist doch herrlich.»

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