Aetigkofen

1. Buechibärger Talk: «Start geglückt, viele Begegnungen, spannend, eine gute Sache, sensationell»

Talkmaster Simon Eberhard (links) mit Radrennfahrer Tony Rominger sowie Bildhauer, Maler und Grafiker Marc Reist (rechts).

Talkmaster Simon Eberhard (links) mit Radrennfahrer Tony Rominger sowie Bildhauer, Maler und Grafiker Marc Reist (rechts).

220 Besucher kamen zum 1. Buechibärger Talk in Aetigkofen mit den Gästen Toni Rominger und Marc Reist.

«Start geglückt, viele Begegnungen, spannend, eine gute Sache, sensationell», so etwa tönt es nach dem ersten «Buechibärger Talk» unter den 220 Besuchern. Sie erlebten während 45 Minuten einen witzigen, unterhaltsamen und unkomplizierten Austausch zwischen Talkmaster Simon Eberhard und seinen beiden Gästen: Radrennfahrer Tony Rominger sowie Bildhauer, Maler und Grafiker Marc Reist, beide aus Schnottwil. Organisator Simon Eberhard selber zeigt sich überwältigt ob der ausverkauften Holzscheune des Ischhofs. «Wenn ich sehe, wie die Leute bei Bratwurst und Bier diskutieren, freue ich mich sehr. Genau dies habe ich mir erhofft», sagt er.

Bis 8000 Kilometer auf dem Rad

«Bist du mit dem Velo gekommen?», will der Talkmaster nach dem musikalischen Auftakt der siebenköpfigen Band «sodi + co» von Tony Rominger wissen. «Nein, weil es dunkel ist», so seine Antwort. Der ehemalige Radprofi gibt preis, dass er nach der Profizeit während rund 10 Jahren kein Velo mehr gefahren ist. Damals war er schnell unterwegs. Er gewann die Vuelta a España dreimal in Folge und siegte 1995 bei Giro d’Italia. «Einem Sieg an der Tour de France habe ich erst später nachgetrauert», meint Rominger. Die ersten 100 Kilometer seien die Profis zu dieser Zeit jeweils kräftesparend im Feld gefahren. Erst als der Helikopter fürs Fernsehen auftauchte, sei das Tempo erhöht worden, und er habe versucht, seine Position zu finden. Seit fünf Jahren legt Rominger jährlich wieder zwischen 4000 und 8000 Kilometer zurück. Sein Leistungsdruck als Radsportler war enorm. Aber bei seiner einstigen Ehefrau Francine Jordi stellte der Spitzensportler fest, dass auch Künstler unter Leistungsdruck stehen. Marc Reist hat sich, trotz Vorgaben von Galeristen, nie unter Leistungsdruck stellen lassen und das geschaffen, was er für richtig hielt.

Das Velo benötigt Marc Reist nur, um seinen Lieferwagen in der Garage zu holen. «Ein Künstler ist nicht so schnell unterwegs, aber auch Kunst kann sehr anstrengend sein», sagt der Schnottwiler.

Von Inspiration zu Transpiration

«Dann nämlich, wenn Inspiration zu Transpiration wechselt. Zehn Prozent ist Inspiration, Machen kann manchmal langweilig werden.» Er erzählt von der harten Arbeit des «Globo Uovo», immer mit der Angst im Nacken, dass der Stein brechen könnte. Aus einem ursprünglich 55 Tonnen schweren Carrara-Marmor-Block schuf er die Skulptur, welche die Welt in Ei-Form darstellt. Er verband damit den Ursprung des Lebens mit der Sorge um den respektvollen Umgang mit der Erde und deren Ressourcen. «Ich ärgere mich, wie wir mit der Nahrung umgehen, und gleichzeitig verhungern Kinder», sagt er. Die Skulptur, die momentan auf der Terrasse des Centre Dürrenmatt in Neuchâtel steht, soll zum Umdenken anregen.

Beide per Zufall in Schnottwil

Von Marc Reist habe ich nun betreffend Nahrung eine Lektion bekommen, bekundet Tony Rominger. Er erwähnt die Unmengen an Kohlenhydraten, die er während seiner Profizeit essen musste. Er erzählt aber auch über seine Beziehung zu Francine Jordi und bezeichnet sie als tolle und liebenswerte Frau. Aber – sie hätten einfach nicht zueinander gepasst. Ihre Konzerte habe er wenn immer möglich besucht, obwohl, sein Musikstil sei es nicht gewesen. Von seiner selber erwähnten Introvertiertheit ist an diesem Abend nichts zu spüren.

Heute arbeitet Tony Rominger für einen Ferienanbieter im Velobereich. Nächstes Reiseziel ist Thailand. Auf das Alter angesprochen meint der 56-Jährige: «Im Radsport bin ich weit davon entfernt, gut zu sein, aber das Abwärtsfahren beherrsche ich noch.» Der 57-jährige Marc Reist dagegen sagt: «Ein Künstler kennt keine Altersgrenze, nur die biologische Uhr zählt.» Die Arbeit mit dem Ei habe ihn isoliert, nun sei er wieder erwacht. Im Moment arbeitet der Künstler an einem Wandrelief für eine Privatwohnung.

Eine Gemeinsamkeit weisen die beiden Gäste denn doch noch auf. Beide sind per Zufall nach Schnottwil gekommen. Marc Reist aus Grenchen und Tony Rominger aus Zug respektive aus Rüfenacht. Beide haben nämlich im Bucheggberger Dorf passende Objekte gefunden. Und eine Aussage sollte die Bucheggberger beflügeln. Es gibt nämlich laut Rominger keine schönere Gegend in der ganzen Schweiz für den Radsport als den Bucheggberg.

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