Derendingen
Lauter Protest gegen das geplante Logistikzentrum

Das geplante Logistikzentrum von Kühne + Nagel in Derendingen wirft hohe Wellen: In zahlreichen Briefen und SMS protestieren Leser dieser Zeitung gegen den Bau auf dem Wissensteinfeld.

Christof Ramser
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on mehreren Seiten wird gefordert, mit dem Boden haushälterisch umzugehen – das Wissensteinfeld dürfte trotzdem bald überbaut werden

on mehreren Seiten wird gefordert, mit dem Boden haushälterisch umzugehen – das Wissensteinfeld dürfte trotzdem bald überbaut werden

Felix Gerber

Auch die Grünen Solothurn/Wasseramt wehren sich: In einer Mitteilung schreiben sie, dass neue Arbeitsplätze zwar willkommen seien, diese aber zwingend auf bereits bestehenden Arealen wie der Borregaard oder der Papierfabrik Biberist angesiedelt werden müssten. Mit den dort vorhandenen Bahnanschlüssen könnten Güter zudem auf dem Schienenweg transportiert werden. Und weiter: «Das Vorhaben verletzt den zentralen Grundsatz der Raumplanung, der die haushälterische Nutzung des Bodens verlangt.»

Baubeginn im Frühling?

Umso erstaunlicher ob der Protestflut ist es, dass keine Einsprachen gegen das Bauprojekt eingegangen sind, wie auf der Bauverwaltung von Derendingen zu erfahren ist. Am Donnerstag endete die Einsprachefrist. Zwar könnten aufgrund der Dauer der Postzustellung noch bis Anfang nächster Woche Einsprachen eintreffen, doch grosse Opposition auf juristischem Weg ist nicht mehr zu erwarten. Bereits am Montag, 24. Oktober, dürfte die Baukommission Derendingen gemäss Wilhelm Frieder, Leiter Hochbau, die Baubewilligung erteilen. Dann stehe dem Projekt grundsätzlich nichts mehr im Weg. Läuft alles nach Plan, dürfte bereits kommenden Frühling Baubeginn sein.

Umzonung ist längst beschlossene Sache

Die Umzonung des Wissensteinfelds ist längst beschlossene Sache. Bereits 2009 hat der Regierungsrat den entsprechenden Teilzonenplan beschlossen. Das Landwirtschaftsland war vom Gemeinderat 2007 eingezont worden. Für die Gewerbe- und Industriezone wurden Rahmenbedingungen ausgearbeitet:

Weil der Mehrverkehr, den Subingen und Derendingen schlucken müssen, insbesondere am Kreuzplatz zu Problemen führt, wurde eine Fahrtenbeschränkung festgelegt: So ist der Verkehr auf 1200 Fahrten pro Tag beschränkt. Gemäss kantonalem Richtplan gilt eine Anlage aber erst ab 1500 Fahrten als publikumsintensiv, was einen Gestaltungsplan erfordern würde. Mit 700 Fahrten liegt das Logistikzentrum unter diesem Wert.

Wenn das Verkehrsaufkommen zu Problemen führt, ist ein Gestaltungsplan das Instrument für zusätzliche Regeln respektive um aufzuzeigen, dass die geplante Nutzung mit den Standortbedingungen nicht verträglich ist. (crs)

Grundbesitzerin des Wissensteinfelds ist die Immobilienfirma Espace Real Estate. Laut CEO Theodor Kocher wird das Land letzlich wohl an Kühne + Nagel verkauft werden. Auch auf dem angrenzenden Gemeindegebiet von Subingen besitzt die «Espace» Boden - dort sind unter anderem die Firmen VSL, Sto und Stricklers Tierpark angesiedelt. «Das restliche Gebiet wollen wir selber überbauen und Firmen einmieten», so Kocher. Auf der eigens für das Wissensteinfeld gestalteten Internetseite wirbt die Espace Real Estate mit der «unmittelbaren Nähe der Autobahn-Kreuze A1/A2/A5. Der Autobahn-Anschluss garantiert direkte Erreichbarkeit.»

«Keine Idylle zerstören»

Bernardo Albisetti, Departementssekretär im kantonalen Baudepartement, bezeichnet die Anbindung an die Autobahn allerdings als «suboptimal». Es sei problematisch, dass das Areal, trotz der geplanten neuen Brücke über die Autobahn, durch Derendinger oder Subinger Gemeindegebiet erschlossen wird. Allerdings habe der Kanton bei der Bewilligung des Teilzonenplans explizit darauf geachtet, dass sich auf dem Wissensteinfeld keine publikumsintensiven Betriebe ansiedeln (siehe Text unten links). «Wir wollen hier keine Einkaufszentren, Fachmärkte oder Freizeitanlagen», sagt Albisetti. Zudem sei das Wissensteinfeld und die Umgebung punkto Siedlungsstruktur ein geeigneter Standort für Gewerbe und Industrie. «Hier wird keine Idylle zerstört».

Zum Vorwurf der «verfehlten Raumplanung» und der Forderung, man solle solche Firmen auf Industriebrachen im Attisholz oder Biberist ansiedeln, entgegnet Albisetti, dass der Kanton dort keine Logistikbetriebe will - weil die Lastwagen dort durch Dörfer fahren würden. Zudem gehöre das Gelände in Derendingen einem privaten Grundbesitzer. Ob die Bedingungen für den Bau des Logistikzentrums gegeben sind, muss im laufenden Baubewilligungsverfahren geklärt werden. Bedeckt hält man sich derweil bei Kühne + Nagel: Auch nach mehrfacher Anfrage wollten die Verantwortlichen keine nähere Auskunft zum Projekt geben.

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