Kofmehl

Latino-Rap-Crew der Spitzenklasse heizt das Kofmehl ein

Sie heizten am Freitagabend das Kofmehl ein: Kemo The Blaxican (l.) und Ives Irie von den «Delinquent Habits».

Sie heizten am Freitagabend das Kofmehl ein: Kemo The Blaxican (l.) und Ives Irie von den «Delinquent Habits».

Die «Delinquent Habits» sind Vorbild der Hip-Hop-Kultur einer ganzen Generation. Die Rap-Crew aus Kalifornien sorgte am Freitagabend im Kofmehl für Stimmung.

Die Hände gehen hoch und runter, Köpfe nicken mit dem Beat. Gelegentlich haben Hip-Hop-Konzerte das Flair sektiererischer Kongregationen: Eine Gruppe von Predigern schleudert kraftvolle Parolen von der Bühne, einem Publikum entgegen, das mit jedem Wort mehr und mehr zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammenwächst.

Die «Delinquent Habits» aus Kalifornien sind da keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil, in vielerlei Hinsicht ist die Crew um die beiden Rapper Ives Irie und Kemo The Blaxican sowohl Inbegriff als auch Vorbild der Hip-Hop-Kultur einer ganzen Generation.

Die Menschenmenge in der Kulturfabrik Kofmehl ist ausser sich, als der DJ «Return of the Tres» anspielt. Unter ihnen befinden sich Lukas und Kevin, deren Grinsen von Ohr zu Ohr reicht. Freude und Nostalgie vereinen sich zu einem überwältigenden Bündel. Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden die «Delinquent Habits» live sehen. Der Sound der kultigen Rapper begleite sie schon seit mindestens einem Jahrzehnt, sagen die zwei Fans. Ihre grössten Erfolge feierte die Band freilich schon etwas früher.

Ein Lächeln trotz Allem

Vor zwanzig Jahren haben sich die Musiker mit ihrem Debütalbum und der Single «Tres Delinquentes» an die Spitze der Latino-Rap-Bewegung katapultiert, in der Spanisch und Englisch so natürlich und fliessend ineinandergreifen, wie auf den Strassen von East Los Angeles, auf denen die Rapper gross geworden sind.

Ihre Musik ist tanzbar und verbreitet Partylaune; die mexikanisch anmutenden Trompeten-Einlagen verleihen dem Sound die passende Würze. Oberflächliches Festwirtschaftsgedudel ist die Kunst der «Delinquent Habits» aber bei weitem nicht. Viele ihrer Songs handeln vom simplen Leben in den ärmeren Vierteln von LA, von trostlosen Ferien und Geburtstagen, wie es im Lied «Good Times» heisst, und davon wie man trotzdem noch ein Lächeln zustande bringt. Es ist wohl genau dieser Einstellung zu verdanken, dass diese Musik Anklang auf der ganzen Welt gefunden hat und irgendwie zeitlos erscheint: Es ist Musik mit einer einfachen Mission – Musik, die helfen soll, die grimmige Realität des Alltagslebens für eine Weile hinter sich zu lassen.

Tequila für das Publikum

Unterstützt wird dieses Unterfangen von einer Flasche Tequila, welche die «Delinquent Habits» immer wieder im dicht vor der Bühne gedrängten Publikum zirkulieren lassen. Die Fans in der Kulturfabrik danken es ihnen mit frenetischem Applaus und ausgelassenem Feiern. Als die Crew «Here Come The Horns» spielt, kann der DJ gleich ganz auf die Bläser im Backing Track verzichten: Die Zuschauer singen die ikonische Melodie bereits aus voller Brust.

«Here Come The Horns», «Tres Delinquentes», «Return of the Tres»: All jene Songs, die so bezeichnend waren für den Hip-Hop der späten Neunziger und die «Delinquent Habits» so unvergesslich gemacht haben, wurden in einer relativ kurzen Zeitspanne von 1996 bis 2001 veröffentlicht. Danach wurde es lange ruhig um die Musiker. Erst die diesjährige Single «California» vermochte es, die Rapper zurück ins Rampenlicht zu befördern.

Beteiligt ist daran auch ein Schweizer gewesen: Der Filmemacher Tim Dürig, der beim Videoclip zum Song Regie geführt hat – und im Kofmehl selbst einen kurzen Gastauftritt geniesst, während die Rapper «California» zum Besten geben. Das Album, auf dem der Song erscheint, trägt den Titel «It Could Be Round Two». Mit ihrem Auftritt haben die «Delinquent Habits» zweifelsfrei bewiesen, dass für sie die zweite Runde begonnen hat.

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