Langenthal
Langenthaler Braumeister schafft den Aufstieg in den Whisky-Olymp

Der Whisky des Langenthaler Grossrates Hans Baumberger stellt auch viele schottische Edelbrände in den Schatten. Der englische «Whisky-Papst» Jim Murray hat ihn gekostet und verlieh ihm 96 von 100 möglichen Punkten. Das bedeutet eine Goldmedaille.

Andreas Toggweiler
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Preisgekrönter Whisky aus Langenthal
8 Bilder
Hier wird das Whiskybier gebraut, als Ausgangsstoff für den preisgekrönten Whisky
Schema der Braueinrichtung
Das richtige Fass - ein Geheimnis jeden guten Whiskys
Hier wurde einst Sherry gelagert
Blick in die Brauerei-Beiz
Blick in die Haslibier-Brauerei
Hans Baumberger im Degustationskeller

Preisgekrönter Whisky aus Langenthal

Einen «Whisky for the gods» habe man gekostet, schreiben die Tester in der neusten Ausgabe von «Jim Murrays Whisky Bible» (vgl. Kasten) anerkennend. Gut möglich deshalb, dass die Götter nun von Nektar auf Langatun «Old Bear Smoky» umsteigen. Der Single Malt aus der noch jungen Langenthaler Brennerei begeisterte die Whisky-Kenner: «The texture, the weight, the sugar-to-oak ratio ... it just can’t be true.»

Whisky-Bibel

«Jim Murrays Whisky Bible», eine von zwei führenden Publikationen des Genres, ist inzwischen zum 10. Mal erschienen. Die Tester haben darin 4500 Whiskys aus aller Welt verkostet und benotet nach den Kriterien Nase, Gaumen, Abgang und Gesamteindruck, die je mit max. 25 Punkten bewertet werden. Die besten Brände des Jahres 2013 erhalten 94-97, 5 Punkte. Von den 31 in der Schweiz hergestellten Whiskys haben es nur drei in diese Top-Kategorie geschafft. Nebst Baumbergers «Old Bear Smoky» (96) noch ein Single Malt der Appenzeller Brauerei Locher (96,5 Punkte) sowie der «Interlaken Swiss Highland Classic» (95). Weniger gemundet hat den Testern der «Bucheggberger Single Malt» aus Oberwil. Er sei etwas bitter im Abgang (74 Punkte). Gespannt wartet Baumberger übrigens darauf, was die Tester zu seinem neuen Roggen-Whisky sagen. (at.)

Ist es aber. Nicht ohne Stolz zeigt Hans Baumberger den Destillationsapparat, der dreimal wöchentlich mit Dampf aus der Haslibier-Brauerei eingeheizt wird. Aus jeweils 2500 Litern Whiskybier, das speziell für die Weiterverarbeitung hergestellt wird, tropfen am Ende – das heisst: nach dem dreimaligen Brennprozess – 250 Liter 64-prozentiger Single Malt Whisky aus der Brennkolonne. «Wir wenden also den irischen Herstellungsprozess an», sagt der Fachmann.

Die meisten Whiskys werden später auf einen Alkoholgehalt von 40 Prozent verdünnt. Der preisgekrönte «Old Bear Smoky» hingegen nicht. Die Lagerung – mindestens drei Jahre sind für Whisky Vorschrift – erfolgt beim Stolz des Hauses in einem Chateauneuf-du-Pape Rotweinfass. «Die Reifung in geeigneten Fässern macht mehr als die Hälfte der Qualität eines guten Whiskys aus», betont Baumberger. Der leichte Rauchgeschmack wird durch eine entsprechende Behandlung des Malzes (gekeimte Gerste) im Rauch eines Buchenholzfeuers erzielt. Die Süsse – Murray erkennt «three types of honey», also drei Sorten Honig – kommt von der Verwendung englischer Starkbierhefe.

Mehr Geheimnisse verrät Baumberger nicht. «Es gehörten natürlich eine Phase des Ausprobierens und Beratung durch einen Fachmann dazu», erklärt er. Denn für die Whiskyherstellung, insbesondere die Fasslagerung kommen zahlreiche Varianten zur Anwendung. Meistens werden spanische Eichenfässer aus der Sherry-Herstellung verwendet. Langatun verwendet für seinen «Old Deer» eine weitere Sorte, auch Fässer, in denen vorher Chardonnay (Weisswein) ausgebaut wurde.

Oft überbieten sich die Destillerien mit dem Alter ihrer Single Malts: 12, 18, 21 Jahre und mehr. Die besten Punktzahlen in Murrays «Bibel» heimsen oft solche Produkte ein. Was erst, wenn der «Old Bear» noch ein paar weitere Jahre in seinem schönen Rotweinfass in der ehemaligen Weinkellerei Grossenbacher beim Langenthaler Bahnhof schlummern kann?

«Das Alter wird oft überbewertet», erklärt Baumberger. «Aufgrund der speziellen Herstellungsmethode und Lagerung wird ein fünfjähriger «Old Bear» wie ein anderer Zwölfjähriger schmecken.» Was nicht heisst, dass man in 7 Jahren nicht dennoch einen zwölfjährigen Bären kosten kann. «Wir verkaufen in jedem Jahr jeweils nur die Hälfte der Produktion. Die andere Hälfte bleibt im Fass.»

Vorerst haben die Lorbeeren aus England den Verkauf spürbar belebt, wie Baumberger durchblicken lässt. Auf einen Schlag die Produktion verdoppeln kann er nicht. «Whiskyherstellung ist eine langfristige Angelegenheit», betont er. Zumal die Destillerie auch noch andere Spirituosen herstellt. Insgesamt sind es 20 000 Flaschen im Jahr. Der Name «Langatun» ist übrigens nichts anderes als die keltische Bezeichnung für Langenthal.

Und wie kam Baumberger zur Whisky-Herstellung? Der ausgebildete Braumeister aus der Langenthaler Brauerei-Dynastie, der nach dem Verkauf der Brauerei an die Zürcher Hürlimann 1982 bei der Bützberger Glas Trösch in leitender Stellung tätig war, hat schon 2002 mitgeholfen, das lokale Hasli-Bier aus der Taufe zu heben. Die Hasli-Bier-Brauerei stellt inzwischen 1000 Hektoliter Bier im Jahr her.

«Irgendwie kam 2005 die Idee auf, es auch mal mit Whisky zu versuchen, denn man verwendet dazu dieselben Ausgangsprodukte wie für Bier», erklärt er. Das Brennen von Kartoffeln oder Getreide wurde in der Schweiz übrigens erst 1999 erlaubt. Er habe einmal eine Statistik der Alkoholverwaltung studiert und festgestellt, dass die Schweiz so viel Whisky importiere, wie sie im ganzen Land an übrigen Spirituosen herstellt. «Da müsste doch etwas mit Schweizer Whisky zu machen sein», erklärt der inzwischen 69-jährige Unternehmer.

2007 erfolgte die Firmengründung von Langatun. Die Whisky-Herstellung ist nicht nur aufwendiger als die von Bier, sondern auch bürokratischer. Braucht es doch eine Brennlizenz, die nur an Fachleute vergeben wird. Baumberger besuchte dafür extra einen Kurs. Auch kommt der erste Return on Investment beim Whisky naturgemäss erst nach drei Jahren. Die Brennereieinrichtungen, aber auch die Eichenfässer sind dabei alles andere als billig. Und so hat auch der «Langatun»-Whisky seinen Preis. Verglichen mit den exklusivsten Tropfen schottischer Provenienz ist dieser aber immer noch bezahlbar.