Mümliswil
Kuratorin Höfliger: «Wir stehen im Vergleich gut da»

Kuratorin Yvonne Höfliger zu Situation und Zukunft des Museums Haarundkamm. Auf die Frage nach den Besucherzahlen antwortete sie ausweichend, betonte aber, der Eigenfinanzierungsgrad sei überdurchschnittlich hoch.

Alois Winiger
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Im ehemaligen Kammmachereigebäude ist heute das Museum Haarundkamm
10 Bilder
Impressionen aus dem Museum HaarundKamm
Der Haarschmuck steht der jungen Frau gut
Kuratorin Yvonne Höfliger
Elvira Bader zusammen mit Yvonne Höfliger
Haarlocke von Ronaldinho
Chlaus Walter vor der Galerie der Fabrikantenfamilie Walter Obrecht Mümliswil
Lesen im Coiffeurstuhl
Ausschnitt der kostbaren Sammlung an exquisiten Kämmen
Blick in die Ausstellung

Im ehemaligen Kammmachereigebäude ist heute das Museum Haarundkamm

Alois Winiger

Eine zentrale Frage ist jene nach den Besucherzahlen. Yvonne Höfliger antwortet zurückhaltend: «Klar sind diese Zahlen wichtig, aber man darf sich nicht hauptsächlich darauf stürzen. Obwohl unser kleines Museum auch von den Eintrittsgeldern abhängig ist, sollte trotzdem Qualität wichtiger sein können als Quantität.» Wobei das Haarundkamm im Vergleich zu anderen Museen immer noch gut dastehe.

Und, so betont sie, der Eigenfinanzierungsgrad sei überdurchschnittlich hoch. «Dazu tragen die vielen Leute bei, die sich hier mit grosser Begeisterung für das Museum engagieren.» Yvonne Höfliger weiss, wovon sie spricht. Bevor sie im Februar 2010 – nach Chrige Fankhauser – die fachliche Leitung in Mümliswil übernahm, hatte sie in leitenden Funktionen in verschiedenen Kunstmuseen, im Gewerbemuseum Winterthur und am Johann Jacobs Museum in Zürich gearbeitet.

Auch bei den Grossen weniger

Konkret sind fürs Haarundkamm folgende Zahlen: 2009 wurden 5300 Besucher gezählt, 2010 noch 4400, und im ersten Halbjahr 2011 sind es 2047 gewesen. Auch grosse Museen hätten in jüngster Zeit 10 bis 15 Prozent weniger Eintritte verzeichnet. «Offenbar verspüren die Leute weniger Lust, ins Museum zu gehen.

Das Angebot mit einer Mischung aus Kultur und Unterhaltung ist mittlerweile sehr gross und macht Konkurrenz.» Mit Parallelangeboten die Leute ins Museum zu locken, funktioniere nicht so gut, wie man sich das vorstelle. Yvonne Höfliger nennt als Beispiel die Sonderschau mit Fotos und Frisurenköpfen vom Karneval in Venedig, gezeigt extra während der diesjährigen Classionata in Mümliswil, bei der die Operette «Eine Nacht in Venedig» aufgeführt wurde. «Wer in die Operette geht, will nicht auch noch in eine Ausstellung. – Aber ein Versuch war es unbedingt wert.»

Nationales Interesse geweckt

Mehr Potenzial sieht die Kuratorin in Anlässen wie dem im Mai durchgeführten Haarschmuckwettbewerb, der nationales Interesse weckte. Es sei zwar eine Gratwanderung zwischen Coiffure und Kammmacherei. Ausbaufähig seien ferner die Workshops, bei denen ein Kamm selber hergestellt werden kann. «Dafür bräuchten wir mehr Platz, damit ganze Schulklassen auf einmal mitmachen können.»

Mehr Raum wäre nötig, um die Maschinen aufzustellen und in Gang setzen zu können, mit denen die Kämme halbindustriell gefertigt wurden. «Die ehemalige Kroko im Gebäude nebenan wäre ideal, denn der Platz wäre ebenso authentisch wie jener, in dem das Museum eingerichtet ist.» Einrichtungen, bei denen sich etwas bewegt, seien überlebenswichtig für ein Museum dieser Art, sagt Yvonne Höfliger. «Dadurch wächst die Chance, dass jemand auch ein zweites Mal herkommt. Aber damit es ein erstes Mal gibt, muss man zuerst wissen, dass es das Haarundkamm gibt.» Gezielte Werbung ist daher ein weiteres Ziel.

Potenzial sieht sie in der Westschweiz, darum gibts jetzt einen Prospekt in Französisch. Warum sie auch Reisecarunternehmen ansprechen will, erläutert sie an einem Beispiel. Da sei eine Gesellschaft aufgetaucht, denen das geplante Schönwetterprogramm ins Wasser fiel. Der Chauffeur habe sich daran erinnert, dass es «da hinten so etwas gebe» und steuerte folglich Mümliswil an. «Zur grossen Freude und Überraschung der Gäste.»

Für relativ wenig Geld

Weitergeführt und gepflegt wird das «Kleine Museum» im Foyer. «Hier lässt sich mit relativ wenig Geld eine Wechselausstellung präsentieren.» Aktuell werden Produkte des ehemaligen OWO-Presswerks gezeigt, jene Firma, die im Guldental eine sehr bedeutende Arbeitgeberin war, bis sie 2001 schliessen musste.

Werbung und die Umsetzung der erwähnten Ideen für den Ausbau kosten Geld. «Da harzt es», sagt Yvonne Höfliger. Zu spüren bekam sie es bei der Realisation einer aussagekräftigen Broschüre, die den Besucherinnen und Besucher mitgegeben werden kann und bis jetzt fehlte. «15000 Franken an Sponsorenbeträgen erhoffte ich mir, ganze 1000 kamen.» Nun werde das Geld anderswo abgezweigt, wo es dann natürlich fehle.

Möglichst viele überzeugen

Wenn Yvonne Höfliger aufzählt, wo und woran es beim Haarundkamm fehlt, so tönt es nicht wie ein Klagelied. Sondern sie stellt schlicht und einfach fest, wie begrenzt die Möglichkeiten sind. Auch bei ihr selber, steht ihr doch für die fachlich-museologische Leitung lediglich ein 40-Prozent-Pensum zur Verfügung. Zur Hauptsache aber spricht sie mit grosser Begeisterung vom Museum Haarundkamm und davon, wie einmalig dieses sei. Dass sich möglichst viele Leute davon selber überzeugen, dafür werde sie sich nach Kräften und Möglichkeiten einsetzen.

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