Bucheggberg
Kunst der «Feldforschung» in einem Fotobuch festgehalten

Die Nennigkofer Künstlerin Béatrice Bader hat die beiden von ihr initiierten Ausstellungen «Feldforschung» in zwei Fotobüchern festgehalten. Diese werden nun im Schloss Buchegg der Öffentlichkeit präsentiert.

daniel rohrbach
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Béatrice Bader mit einem ihrer Fotobücher. DRB

Béatrice Bader mit einem ihrer Fotobücher. DRB

Solothurner Zeitung

Vor zwei Jahren erklärte die in Nennigkofen wohnhafte Künstlerin Béatrice Bader mit ihrem Kunstprojekt «Feldforschung» den Bucheggberg zum Labor. So setzten sich im Frühling 2009 19 Künstler mit der bucheggbergischen Landschaft auseinander und zeigten ihre daraus entstandenen Werke unter freiem Himmel auf einem Kunstweg in Nennigkofen. Dieses Jahr erlebte das Projekt seine zweite Auflage. Diesmal waren es 20 Künstler, die ihre Objekte in der Geländekammer unterhalb des Wolftürli in Mühledorf vom 26. Juni bis zum 18. September präsentierten.

Nicht einfach weitere Freiluftausstellung einrichten

Um die ausgestellten Werke «der Vergänglichkeit zu entreissen», beschloss Béatrice Bader, zu den beiden schon vorhandenen Skizzenbüchern, welche die jeweiligen Ausstellungen begleiteten, Fotobücher zu schaffen. Anlässlich der Präsentation dieser Bücher am Sonntag, erklärte die Kulturjournalistin Alice Henkes in ihrer Einführung: «Diese Buchpräsentation ist weniger ein Abschluss als vielmehr Zwischenstopp eines ebenso ungewöhnlichen wie spannenden Kunstprojekts.»

Denn mit den Kunstprojekten, die Béatrice Bader bereits auf und um den Bucheggberg herum veranstaltet habe und noch veranstalten werde, sollen nicht einfach weitere Freiluftausstellungen eingerichtet werden, wie sie mittlerweile an so vielen Orten der Schweiz populär seien.

Das Interesse geht tief

Béatrice Bader dagegen wolle nicht nur einen reizvollen Ort mit interessanten, das Nachdenken anregenden Kunstwerken bereichern. «Ihr Interesse geht weit tiefer.» Sie betreibe Feldforschung mit künstlerischen Mitteln. Den Begriff Feldforschung habe Bader aus den Sozialwissenschaften entliehen. Feldforschung sei, gemäss der Definition des Erfinders dieser Forschungsmethode, ein Sicheinbohren ins soziale Milieu. Feldforschung sei daher eine ziemlich aufwändige Sache.

Das gelte auch und erst recht, wenn Kunstschaffende in die Rolle des Forschers und des Interviewers schlüpfen würden. «Für einen Sozialwissenschaftler ist vor allem die Vorbereitung und Durchführung einer Feldforschung aufwändig und spannend. Die Auswertung der Daten indes ist dann eine ziemlich trockene Schreibtischarbeit.» Ganz anders sehe dies für die Künstler aus, die die vor Ort gewonnen Informationen nicht einfach verschriftlichen würden.

Sie hätten aufgrund ihrer Beobachtungen und ihrer Gespräche mit Menschen vom Bucheggberg Werke geschaffen, «die mehr über ihren Forschungsgegenstand, mehr über das Leben im Bucheggberg sagen können als eine nüchterne sozialwissenschaftliche Studie.» Skizzenhefte und Fotobücher, führte Alice Henkes weiter aus, ergäben «einen wunderbaren Einblick in die Feldforschungsarbeit der Kunstschaffenden – und Struktur und Geschichte der Orte Nennigkofen und Mühledorf, an denen das Projekt bisher gastierte.»

Dazu noch eigene Werke

Neben der Präsentation der Fotobücher zeigt Béatrice Bader im Schloss Buchegg einige eigene Fotoarbeiten: Wiesen und Kühe, die durch die leichten Unschärfen etwas Verwunschenes und Träumerisches hätten, wie Alice Henkes erklärte. Béatrice Bader verstehe ihre Bilder als Auseinandersetzung mit der Welt der Kinder. «Mit jenem glückseligen Seins-Zustand, in dem man eine Sommerwiese noch frei geniessen kann. Ohne jedes Nachdenken über Plastikabfälle, Nachbarschaftsstreitigkeiten, Verkehrsströme und was der Dinge mehr sind, die den Erwachsenen heute noch in der abgeschiedensten Idylle belasten mögen.»

Ausstellung im Schloss Buchegg Sa/So 29./30. Oktober; Öffnungszeiten Sa/So 11 bis 17 Uhr; www.beatricebader.ch

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