Solothurner Kulturpreis

Kulturpreis-Gewinnerin: «Man sagte mir, ich hätte kein ‹Tatort›-Gesicht»

Barbara Grimm ist seit neun Jahren am Stadttheater.

Barbara Grimm ist seit neun Jahren am Stadttheater.

Barbara Grimm erhält heute Abend im Konzertsaal den Schauspielpreis. Im Interview mit der az Solothurner Zeitung erklärt sie, warum sie erst jetzt definitiv in Solothurn angekommen und wieso das kleinste Stadttheater der Schweiz so erfolgreich ist.

Herzliche Gratulation, Barbara Grimm, zum Preis. Was ging Ihnen durch den Kopf, nachdem Sie vom Preis erfahren haben?

Barbara Grimm: Das hat mich natürlich sehr gefreut. Vor allem, dass ich den Preis als Nichtsolothurnerin bekomme. Ich bin ja gebürtige Bernerin und lebe und arbeite seit neun Jahren in Solothurn. Daneben freut es mich, dass ich den Preis als Mitglied des Ensembles des Theaters Biel Solothurn erhalte. Eine Anerkennung für unsere Arbeit im Theater.

Wie wirkt sich ein solcher Preis auf die Arbeit eines Schauspielers aus?

Das ist schwer einzuschätzen. Natürlich lässt er sich in meiner Biografie verwenden. Andererseits steigt damit sicher auch der Erwartungsdruck des Publikums. Auf der Bühne will man schauen, wer das nun ist, der den Preis erhalten hat. Was macht dieser Schauspieler besser als ein anderer. Für mich persönlich bedeutet der Preis aber auch, dass ich hier in Solothurn angekommen bin. Das freut mich ganz besonders, denn ich habe mich durchgekämpft. Auch als Mensch.

Sie arbeiteten ja lange Jahre an grossen Bühnen in Deutschland. Was ist denn nun hier, im kleinsten Stadttheater der Schweiz das Reizvolle?

Ich habe Glück, hier zu arbeiten. In den 27 Jahren in Deutschland habe ich viel erlebt und erfahren, auch weniger schöne Dinge. Wir sind ein tolles Ensemble in Solothurn, auch menschlich. Einen solchen Zusammenhalt, so viel Menschlichkeit und Integrität habe ich selten zuvor erlebt und ich glaube, das Publikum spürt das. Wir werden – bei allen Schwierigkeiten – gestützt und getragen.

Dennoch hat das Theater Solothurn Biel mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Vor allem das Geld ist knapp.

Ja, leider. Es ist eben so, dass das Theater hier lange nicht im Zentrum stand. Wenn man von den Solothurner Kultur-Highlights sprach, erwähnte man die Film- und Literaturtage. Ans Theater dachten nur wenige. Doch ich erlebe in jüngerer Zeit, dass sich das langsam ändert. Man ist auch auf unsere Arbeit stolz. Ein grosses Verdienst unserer Schauspielchefin Katharina Rupp.

Seit der Ära Wyrsch/Rupp steigen die Publikumszahlen. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Das kann verschiedene Gründe haben. Mehr Publikumsnähe, diese spezielle Magie des Ensembles, durchweg super Kritiken, jetzt auch mal überregional.

Und was heisst das für Sie als Schauspielerin?

Jetzt nicht nachlassen, mich konsequent weiterentwickeln – viel Arbeit. Jetzt komme ich gerade von einer sechsstündigen Probe. Ich bin momentan in drei Rollen zu sehen und vor kurzem hatten wir ein Gastspiel im rumänischen Temeswar.

Sie sind 57 Jahre alt. Denkt man da nicht langsam ans Aufhören? Oder gibt es noch ein Berufsziel?

Mein Beruf hält mich jung. Ich freue mich, ihn jeden Tag zu erfüllen. Ich habe mit 21 das Land verlassen und habe mir immer gewünscht, dass mich die Karriere auch mal in die Heimatstadt Bern führt. Jetzt bin ich in Solothurn, also fast in Bern. Das ist genauso schön. Vielleicht noch intensiver.

Hatten Sie denn nie den Wunsch, im Film Karriere zu machen?

Film und Fernsehen mache ich hin und wieder und auch sehr gern. Ich habe vor kurzem die Rolle der Schwester des Dällebach-Kari in der kommenden Verfilmung von Xavier Koller gespielt. Und auch im Fernsehen bin ich hin und wieder zu sehen. Doch schon früh meinte mal ein Regisseur zu mir: Du wirst nie in einem ‹Tatort› spielen. Du hast kein ‹Tatort›-Gesicht. Er meinte damit, mein Gesicht sei zu klassisch, nicht aus diesem Jahrhundert.

Trotz des harten Berufsalltags wollen viele junge Menschen Schauspieler werden. Was sagen Sie dazu?

Auch meine Tochter, die jetzt 20 Jahre alt ist, wird Schauspielerin. Es ist halt ein faszinierender Beruf. Doch es ist so, dass heute zu viele Leute ausgebildet werden, vor allem Frauen. Und sie finden dann keine Jobs.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht einen guten Schauspieler aus?

Er muss musikalisch sein und sein Handwerk beherrschen. Eine gute Körperbeherrschung, Intelligenz, Fantasie, Spielfreude, Sensibilität und Durchsetzungsvermögen muss er oder sie ebenfalls mitbringen und nie ablegen.

Und wie lernen Sie den Text für Ihre Rollen?

Zuerst einfach mal auswendig lernen und dann bei den Proben mehr und mehr verinnerlichen.

Die kantonalen Kulturpreise werden heute um 18.30 Uhr im Konzertsaal übergeben.

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