Der 79-jährige Wanderer, der Mitte September 2010 auf dem Untergrenchenberg von einer Mutterkuh angegriffen wurde, kann in diesen Tagen – nach fast einem halben Jahr Spital- und Reha-Aufenthalt – nach Hause zurückkehren.

Von den Folgen des Mutterkuh-Angriffs wird er sich indes wohl nicht mehr vollständig erholen: Laut seiner Tochter Carmen Hari (Grenchen) ist der Mann zwar geistig vollkommen orientiert, körperlich aber stark beeinträchtigt. So kann er nicht mehr selbstständig gehen, und er leidet an Schwindelattacken. Er wird deshalb in eine rollstuhlgängige Wohnung umziehen müssen und mindestens vorläufig auf Pflege angewiesen sein. Die Genesung ihres Vaters, sagt Carmen Hari, sei immer wieder von Rückfällen wie Lungenentzündungen und Stürzen unterbrochen worden.

Schwere Kopfverletzungen erlitten

Der routinierte Wanderer war im vergangenen Frühherbst auf dem Untergrenchenberg von einer Mutterkuh angegriffen worden, die offenbar ihr zehn Tage altes Kalb bedroht wähnte. Der 79-Jährige ging als Letzter in einer Reihe von vier Wanderern, die auf einem Wanderweg aufstiegen, der über die Kuhweide führte. Bei der Attacke erlitt er schwere Kopfverletzungen; er überlebte dank rascher Hilfe, lag danach aber zeitweilig im Koma. An den Unfall kann sich ihr Vater laut Carmen Hari detailliert erinnern.

Keine rechtlichen Schritte

Obwohl sich die Folgekosten des Unfalls mittlerweile im sechsstelligen Frankenbereich bewegen, will Carmen Hari keine rechtlichen Schritte gegen Bauer Ruedi Schneider einleiten. Schneider ist der Besitzer der Kuh, die den Wanderer angriff. Carmen Hari betont aber, dass es ihr ein grosses Anliegen sei, dass ähnliche Unfälle nach Möglichkeit verhindert werden können. So appelliert sie an Bauern, die Mutterkuh-Herden halten, ihre Sorgfaltspflicht verstärkt wahrzunehmen. Hari will sich beispielsweise dafür einsetzen, dass Mutterkühe nicht auf Weiden gelassen werden, über die stark frequentierte Wanderwege führen.

Bauer will besser informieren

Landwirt Ruedi Schneider seinerseits will künftig verstärkt auf die Gefahr hinweisen, die von Mutterkühen ausgeht. Geschehen soll dies durch das Aufstellen zusätzlicher Informationstafeln. «Die Leute müssen noch mehr darauf aufmerksam gemacht werden, dass eine gewisse Distanz – mindestens 25 Meter – zu den Kühen und Kälbern gewahrt werden muss», sagt Schneider, der gemeinsam mit seiner Frau auch das Restaurant Untergrenchenberg betreibt. Er ist sich bewusst, dass die Informationstafeln oft nicht beachtet werden; trotzdem hofft er, durch die Platzierung weiterer Affichen eine verstärkte Sensibilisierung bewirken zu können.

Als weitere Sicherheitsmassnahme nennt Schneider das Aussortieren von Tieren mit auffälligem Charakter. Er betont aber auch, dass der Unfall durch eine sorgfältigere Selektion nicht hätte verhindert werden können, da es sich bei der Kuh, die den Wanderer angriff, um ein an sich unauffälliges Tier handelte. «Auch bei der liebsten Kuh muss man aufpassen, wenn sie ein kleines Kalb hat», sagt der Bauer. Keine Option ist für Schneider, die in der Zeit nach dem Abkalben potenziell gefährlicheren Mutterkühe auf einer separaten, von den Wanderwegen getrennten Weide unterzubringen. Der Aufwand, so Schneider, werde schlicht zu gross, wenn man mehrere Weiden einzäunen und überwachen müsse.