Krebsliga
Krebskranke und ihre Angehörigen professionell betreuen

Die Krebsliga-Organisation bietet ab 2012 in Solothurn und Olten eine neue Dienstleistung an: Die Psychoonkologie. Das Interesse ist offensichtlich gross. Die Infoveranstaltung zur Dienstleistung vermochte den Konzertsaal Olten zu füllen.

Urs Amacher
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Die Pseudoonkologie soll Angehörigen von Krebskranken helfen (Symbolbild)

Die Pseudoonkologie soll Angehörigen von Krebskranken helfen (Symbolbild)

Keystone

Der Konzertsaal des Stadttheaters Olten war voll, als die Krebsliga am Montag über ihr neues psychoonkologisches Angebot ab 2012 informierte. Die Onkologie ist das Spezialgebiet der Medizin, das sich mit Geschwulstkrankheiten befasst. Die Psychoonkologie wiederum widmet sich der psychologischen Betreuung von an Krebs erkrankten Menschen und ihren Angehörigen.

Christine Beer, Psychoonkologin am Inselspital Bern, wird ab kommendem Jahr in den Räumlichkeiten der Krebsliga in Solothurn und Olten ihre Beratungstätigkeit aufnehmen. Sie stellte sich und ihre zukünftige Tätigkeit in einem Referat vor, dem sie den Titel «Krebs tut weh – und den Angehörigen oft noch mehr» gab. Die Krankheitsbelastung sei aufgrund der jeweiligen Lebenserfahrung von Patient zu Patient verschieden. Zudem reagieren Patient und Angehörige zeitlich verschoben. Als Psychoonkologin wirke sie auf verschiedenen Ebenen, erläuterte Christine Beer. Einerseits pflege sie den direkten Kontakt mit den krebserkrankten Menschen und ihren Angehörigen. Auf einer zweiten, weniger sichtbaren Ebene pflegt Beer den interdisziplinären Austausch mit den behandelnden Medizinern. Krebs ist eine chronische Krankheit und wird von einem Ärztegremium behandelt.

Talk mit Betroffenen

Im Gespräch mit Fernsehmoderator Kurt Aeschbacher berichteten anschliessend Betroffene, was die Psychoonkologie im konkreten Fall leistet. In die erste Talkrunde eingeladen waren Martin S., ein 58 Jahre alter Mechaniker, und seine Partnerin Therese. Martin S., der sich wegen einer Beingeschwulst zur Untersuchung begeben hatte, empfand die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs zuerst wie ein Todesurteil, als absoluten Tiefschlag. Doch als sich Heilungsaussichten zeigten, erwachte sein Kampfgeist. Dabei halfen ihm frühere Erfahrungen wie, dass er sich von einem schweren Unfall auch wieder erholt hatte. «Die Hoffnung stirbt zuletzt», so Martin S., «aber es ist eine Achterbahnfahrt mit Hochs und Tiefs.» Deshalb begab er sich, trotz Vorurteilen, in psychologische Behandlung. Da erhielt er Hilfe, lernte aber auch, dass man seinerseits den Angehörigen helfen kann, ihnen Mut zu machen, offener zu reden und Liebe zu zeigen.

Jeden Tag geniessen

In einer zweiten Runde stellten sich Priska D. und ihre Schwester Sabine den Fragen Kurt Aeschbachers. Priska D. arbeitete als Kinderkrankenschwester und Stillberaterin, als bei ihr mit 50 Alters-Leukämie diagnostiziert wurde. Allmählich wuchs in ihr die Einsicht, an einer im Endeffekt tödlichen, vorerst aber schlicht chronischen Krankheit zu leiden, gegen die man kämpfen kann. Gleichzeitig gab es ihr Kraft, Entscheide zu treffen. «Ich wollte mit einem aufgeräumten Haus die Welt verlassen.» Nachdem sie Jahre getrennt von ihrem Mann gelebt hatte, liess sie sich scheiden. Und die Angst vor dem Tod, fragte Aeschbacher. Die habe sie im Moment weggeschoben. «Man sollte jeden Tag geniessen.»

Bei der Möglichkeit, mit den Fachpersonen zu diskutieren, kam eine ganz einfache Frage aus dem Publikum: «Was rede ich als Besucher mit dem Krebspatienten?» Christine Beer antwortete: «Fragen sie ihn: ‹Wie gehts?› Sie werden dann schon sehen, ob der Patient über die Krankheit reden will. Eines ist sicher: Keine Ratschläge geben! Und allgemein gilt: lieber kurze, dafür häufige Besuche.»

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