Kommentar
Die Umweltverbände müssen aufpassen, nicht die Bremser vom Dienst zu werden

Das Bundesgericht hat entschieden, dass am Grenchenberg nur ein verkleinerter Windpark gebaut werden darf. Das Beispiel zeigt: Es ist noch ein langer Weg, bis die Schweiz in der Energiewende endlich richtig vorwärts machen kann. Eine Mitschuld tragen ausgerechnet die Umweltverbände, die zu wenig erkennen, was auf dem Spiel steht.

Lucien Fluri
Lucien Fluri
Drucken
Teilen
Nichts steht mehr auf dem Grenchenberg: 1994 war dieses Windrad die grösste Anlage der Schweiz. Das Nachfolgeprojekt hat sich um Jahre verzögert.

Nichts steht mehr auf dem Grenchenberg: 1994 war dieses Windrad die grösste Anlage der Schweiz. Das Nachfolgeprojekt hat sich um Jahre verzögert.

zvg

Wo zeigt sich besser als am Grenchenberg, dass die Schweizer Energiewende kaum vom Fleck kommt – und noch länger nicht kommen könnte? 1994 wurde hier die damals grösste Windkraftanlage gebaut. Vor wenigen Wochen wurde das Windrad abgebaut und ins Ausland verfrachtet.

Jetzt steht nichts mehr da. Dabei wird seit unzähligen Jahren ein neuer Windpark geplant. Einsprachen haben das Projekt bis heute verzögert, bis nun endlich das Bundesgericht ein Machtwort gesprochen hat: Der Park muss verkleinert werden.

Das Beispiel zeigt, wie viel Geduld Investoren haben müssen. Und es zeigt ebenso: So lässt sich keine Energiewende schaffen, die in forschem Tempo aus der Atomkraft aussteigen und dem Klima zuliebe von Benzin und Heizöl auf Elektroautos und Wärmepumpen umsteigen will. Die Hürden sind sehr hoch.

Wollen die Umweltverbände nun als Bremser vom Dienst gelten?

Ernsthaft über die Bücher müssen, trotz oder gerade wegen des Erfolgs in Lausanne, links-grüne Parteien und Umweltverbände. Sie haben zwar einen Teilsieg erreicht. Schaut man im grösseren Kontext, ist es ein bitterer Teilsieg mit gravierenden Nebenwirkungen. Denn hier wird nicht gegen überdimensionierte Verkehrsprojekte gekämpft, bei deren Wegfall die Umwelt profitiert. Hier geht es darum, über all die Strom-Ausbauprojekte insgesamt den CO2-Ausstieg massiv zu verringern – und damit Klima und Ökosystem einen Gefallen zu tun.

Noch zu oft bekämpfen Umweltverbände vor Ort Projekte; bei der Wasserkraft oder beim Wind. Ein Überdenken der Strategie ist nötig. Sonst riskieren sie, als neue Bremser vom Dienst zu gelten. Indirekt leisten sie nur der eigentlich längst überholten AKW-Debatte Vorschub. Man glaubte sie vergessen. Aber weil es bei der Energiewende zu langsam vorwärts geht, erlebt sie gerade eine erstaunliche Blüte.

Aktuelle Nachrichten