In diesen Tagen fällt die Entscheidung darüber, welche Abteilung der SekundarstufeI sie ab August besuchen werden. In diesem Jahr ist dabei alles noch ein wenig aufregender als sonst. Erstmals nämlich treten die Schülerinnen und Schüler im Sommer in die neu gestaltete, schlankere Oberstufe ein, die nur noch drei unterschiedliche Schultypen kennt, die SekP (Progymnasium), die Sek E (erweiterte Ansprüche) und die Sek B (Basisansprüche).

Neu ist zudem das Übertrittsverfahren selber. Während früher beinahe jeder Schulkreis sein eigenes Vorgehen kannte, erfolgt der Übertritt dieses Jahr erstmals nach kantonsweit einheitlichen Vorgaben. Mit besonderer Spannung wird jetzt erwartet, wie sich dieses neue, einer höheren Bildungsgerechtigkeit verpflichtete Vorgehen seinem eigenen Anspruch gerecht wird. Das, zumal auch ganz bestimmte politische Vorgaben erfüllt werden müssen. So sollen kantonsweit zwischen 15 und 20 Prozent der Schülerinnen im August in die SekP eintreten, 40 bis 50 Prozent in die SekE und 30 bis 40 Prozent in die Sek B.

Kantonale Prüfung als Massstab

Erste Anzeichen deuten jetzt darauf hin, dass die Zuweisungen in mehreren Schulkreisen (allzu) weit von diesem Plansoll abweichen. Das geht aus einem Mail hervor, das Andreas Walter, Chef im Amt für Volksschule und Kindergarten (AVK), diese Woche an sämtliche Schulleiterinnen und Schulleiter verschickt hat. Das AVK höre «zunehmend» von Übertrittszahlen, die aufhorchen lassen, heisst es dort. So komme es vor, dass in Schulkreisen weit über 20Prozent oder sogar 30Prozent der Schüler und Schülerinnen in die SekP angemeldet werden sollen.

Diese Informationen seien «bedenklich», lässt der AKV-Chef die Schulleiter wissen. Vor allem deshalb, weil solche Übertrittszahlen nicht mit den Ergebnissen der kantonsweit einheitlichen Prüfung übereinstimmen, die im Übertrittsverfahren mit 40 Prozent gewichtet wird.

Diese Prüfung, «kantonale Vergleichsarbeit» genannt, mussten alle 2100 Schülerinnen und Schüler der 6.Primarschulklassen am 18. und
19. Januar ablegen. Während jeweils zweier Lektionen stellten sie ihre Fähigkeiten in den beiden Fächern Deutsch und Mathematik unter Beweis. Die Lehrerpersonen korrigierten die Arbeiten, verteilten nach einem vorgegebenen Raster die Punktzahl und schickten diese Resultate an die zuständigen Stellen im Amt. Hier wurde dann die definitive – und öffentlich einsehbare – Notentabelle erstellt. Gestützt auf die Auswertung dieser kantonalen Vergleichsarbeit ergibt sich gemäss Berechnungen der Bildungsverwaltung eine bildungspolitische Punktlandung. So würden kantonsweit 17,3Prozent der 6.-Klässler den Sprung in die SekP schaffen, 46,3Prozent kämen in die SekE und 36,9 Prozent in die Sek B.

Wenig einheitliche Notengebung

Dabei gebe es allerdings Unterschiede zwischen den rund 70 Schulkreisen, hält Yolanda Klaus fest. «Solche unterschiedlichen Ergebnisse erklären sich vor allem mit der sozioökonomischen Struktur und sind nicht weiter überraschend», betont die Expertin. Auch bei den bisherigen Übertrittsverfahren gab es Schulkreise, die mehr Schüler in die progymnasialen Züge schickten als andere. Mit dem neuen einheitlichen Verfahren würden solche unterschiedlichen Quoten natürlich transparenter.

«Die Unterschiede zwischen den Schulkreisen, die wir bei der kantonalen Vergleichsarbeit feststellen, haben aber lange nicht das Ausmass, wie es sich jetzt aufgrund von Meldungen aus verschiedenen Kreisen abzeichnet.» Die definitiven Resultate des Übertrittsverfahrens in den einzelnen Schulkreisen liegen dem AVK dabei noch nicht vor. Vielerorts sind derzeit die Übertrittsgespräche zwischen den Lehrpersonen sowie Eltern und Schülern noch voll im Gang.

Die grossen Unterschiede zwischen den Schulkreisen führt Yolanda Klaus auf den zweiten Teil des Übertrittsverfahrens zurück, der mit 60Prozent gewichtet wird. Neben der kantonsweit einheitlichen Prüfung zählen zum Gesamtergebnis auch das zweite Zeugnis der 5.Klasse sowie das erste Zeugnis der 6.Klasse, und zwar jeweils die Noten in den Fächern Deutsch, Mathematik und Sachunterricht. «Die Notengebung erfolgt gesamtkantonal offenbar noch nicht so einheitlich, wie wir uns das wünschen würden.»

Einen weiteren Unsicherheitsfaktor stellt die Expertin bei der Beurteilung der «Grenzfälle» fest. «Diese werden scheinbar in etlichen Schu-
len grundsätzlich dem höheren Anspruchsniveau zugeteilt.» In besagtem Mail an die Schulleiter postuliert AVK-Chef Andreas Walter das Gegenteil: «Schülerinnen und Schüler im Grenzbereich sind grundsätzlich dem unteren Anspruchsniveau zuzurechnen, es sei denn, das Arbeitsverhalten lässt einen anderen Schluss zu.» Eine Forderung, die den Schulleitern sauer aufstösst (siehe Kasten). Yolanda Klaus betont im Übrigen, dass das gesamte Verfahren im Nachgang einer umfassenden Analyse unterzogen wird.