«An den Pranger wollen wir Kienberg nicht stellen», erklärt Felix Adank, Mediensprecher der Zahnärzte-Gesellschaft (SSO) des Kantons Solothurn, auf Anfrage. Immerhin: Alltäglich ist das Vorgehen der Zahnärzte-Gesellschaft gewiss nicht. Am Freitag schickte sie der Gemeinde einen Brief, in dem sie sich besorgt zeigt über das neue, Mitte Juni von der Gemeindeversammlung beschlossene Schulzahnpflege-Reglement der Kienberger: «Es entspricht nicht den gesetzlichen Vorgaben.» Kopien gingen an das kantonale Gesundheitsamt in Solothurn und an Dr. med. dent. Lando Schlageter (Olten), den Kantonszahnarzt. Gestern Montag mobilisierte die SSO mit einem Communiqué sogar die Medien.

«Wenn andere Gemeinden folgen»

«Offensichtlich ist es so, dass Kienberg derzeit keinen Schulzahnarzt mehr hat», stellt Felix Adank fest. Laut dem neuen Reglement müsse der Gemeinderat keinen Schulzahnarzt mehr verpflichten. «Das kantonale Gesetz verpflichtet aber auch Kienberg, einen Schulzahnarzt zu haben», sagt Adank. Kienberg sei zwar ein Einzelfall. Auch habe die SSO Verständnis für die spezielle geografische Lage der Gemeinde, die für den Schulzahnarztdienst auf die Zusammenarbeit mit Zahnärzten im Kanton Basel-Landschaft angewiesen sei. Aber: «Wir haben eine gewisse Besorgnis, dass andere Gemeinden diesem Beispiel folgen könnten.»

«Durch die Maschen fallen»

Nach Ansicht der Zahnärzte-Gesellschaft verlegt Kienberg wesentliche organisatorische Aufgaben von der Schulzahnpflege auf die Eltern beziehungsweise die Schulleitung. «Die Gefahr besteht, dass gerade jene Kinder, die am meisten auf die Schulzahnpflege angewiesen sind, durch die Maschen des Kienberger Schulzahnpflegereglements schlüpfen», schreibt die SSO. Kienbergs Gemeindepräsident Christian Schneider widerspricht: «Wir haben zwei Schulzahnärzte – nur dürfen sie sich nicht so nennen.» Anlass zum neuen Reglement sei gewesen, dass die zwei bisherigen Schulzahnärzte aus Gelterkinden gekündigt hätten – und zwar auf Geheiss der Baselbieter Zahnärzte-Gesellschaft: «Sie haben beschlossen, allen Solothurner Gemeinden zu kündigen.

Die Schwarzbuben-Gemeinden haben das gleiche Problem wie wir.» In der Folge habe die Gemeinde eine mündliche Vereinbarung mit zwei anderen Zahnärzten, ebenfalls in Gelterkinden, getroffen. Diese dürften sich aber auf Geheiss ihrer Standesvereinigung nicht Schulzahnärzte nennen. Das habe die Anpassung des Reglements nötig gemacht. «Bei uns fällt kein Kind durch die Maschen – die jährlichen Kontrollen sind sichergestellt», erklärt Schneider.

«Konflikt lässt sich lösen»

Beim kantonalen Gesundheitsamt in Solothurn erklärte Denise Tormen, Leiterin des Rechtsdiensts, gestern auf Anfrage, auf den ersten Blick scheine ihr kein offensichtlicher Verstoss des Kienberger Reglements gegen das Schulzahnpflegegesetz vorzuliegen. Sie versicherte aber, dass das Amt die Kritik der Zahnärzte-Gesellschaft prüfen werde.

Auch Kantonszahnarzt Lando Schlageter war bisher nicht offiziell mit dem Kienberger Reglement konfrontiert. Als Mitglied der SSO kennt er aber die Hintergründe der Kündigungen in Kienberg: «Es geht um das Inkasso – die Zahnärzte wollen nicht für die meist kleinen Beträge im Schulzahnarztdienst Eltern nachrennen müssen, die nicht zahlen.» Das gebe zuviel Aufwand. «Das ist kein grosser Konflikt», fügt Schlageter bei und meint: «Das lässt sich im Gespräch lösen.»