Gondelbahn
Keine Sechser-Gondel am Weissenstein?

Die Gegner der Gondelbahn wittern wieder tüchtig Morgenluft. Die Sechsergondel ist nach Ansicht von Pro Sesseli und Schweizer Heimatschutz nicht realisierbar.

Theodor Eckert
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Keine Sechser-Gondel am Weissenstein?

Keine Sechser-Gondel am Weissenstein?

Solothurner Zeitung

‹Sesseli oder Gondelbahn? Erneut Blitz und Donner am Weissenstein: Die Sechser-Gondelbahn ist nach Ansicht von Pro Sesseli und Schweizer Heimatschutz am 29. Oktober 2010 zu Grabe getragen worden. Das Projekt könne in dieser Form nicht realisiert werden. Sind die Gegner der geplanten Gondelbahn dem Ziel ihrer Träume einen Schritt näher gekommen, zumal man bei den Gondelbefürwortern bisher die Losung galt: Eine Sechser-Gondel, oder nichts? Was ist am ominösen Datum geschehen?

Am vergangenen Freitag lud das Bundesamt für Verkehr BAV zu einer Begehung am Solothurner Hausberg ein. Unterwegs waren dabei auch Vertreter der Seilbahn Weissenstein AG (SWAG), des Bundesamtes für Umwelt und des Kantons Solothurn. Das BAV als Verfahrensführer wollte mit allen massgebenden Beteiligten die Situation direkt vor Ort analysieren und besprechen. Nicht zuletzt ging es darum, auf eine akzeptable Optimierung des Projekts hinzuarbeiten. Pro Sesseli und Heimatschutz haben nun offenbar Informationen, dass nach diesem Augenschein eine Projektanpassung unumgänglich ist und daher eine Realisierung mit Sechser-Gondeln vom Tisch sei. Adrian Schmid vom Schweizer Heimatschutz: «Ich würde gerne mit den Seilbahnbesitzern über einen Plan B sprechen. Ich glaube an das Sesseli und habe absolut kein Interesse daran, auf Zeit zu spielen. Dieser Vorwurf geht völlig ins Leere.»

Pro Sesseli will informieren

Heinz Rudolf von Rohr, Präsident von Pro Sesseli, will in dieser Sache noch diese Woche die Öffentlichkeit informieren. Auf Anfrage sagte er bereits gestern: «Es ist eine Bestätigung für unsere Haltung, die wir von allem Anfang eingenommen haben. Bereits im Zusammenhang mit dem Volksauftrag von 2008 haben wir darauf hingewiesen, dass schwerwiegende Gründe gegen das Projekt einer Sechser-Gondelbahn sprechen und dass ein Gesamtkonzept für die wirtschaftliche und touristische Entwicklung des Weissensteins fehlt. Ein solches Gesamtkonzept wäre unabdingbar gewesen, um die Frage nach der geeigneten Bahn zu klären. Im so genannten ‹Gesamtkonzept› des Amts für Raumplanung fehlen wesentliche Grundlagen und Analysen. Leider wollte dies niemand hören und glauben. Wir sind froh, dass das Bundesamt für Verkehr BAV nun versucht, die Fehlplanung zu korrigieren.» Auf die Frage, ob er auch gegen eine Vierer-Gondel ankämpfen werde und damit weiterhin an die Sesselbahn glaube, sagt Rudolf von Rohr: «Im jetzigen Zeitpunkt wissen wir nicht, welche Anpassungen am Projekt vorgenommen werden. Deshalb ist es verfrüht für eine schlüssige Antwort.» Wann denn das alte Sesseli wieder fahren werde, wollten wir noch wissen: «Wenn die SWAG den Sessellift der Stiftung historische Seilbahn Weissenstein überträgt, dann könnten die Planungs- und Sanierungsarbeiten ohne Verzug in Angriff genommen werden. Wir gehen davon aus, dass die Bahn innerhalb eines Jahres nach Beginn der Sanierungsarbeiten wieder in Betrieb genommen werden könnte», so der Pro-Sesseli-Präsident.

Was sagen die Direktbeteiligten?

Hat der Blitz nun tatsächlich eingeschlagen, oder handelt es bloss um ein Donnergrollen? Rolf Studer von der Seilbahn Weissenstein AG ist völlig erstaunt: «Was, die Sechser-Gondel soll kein Thema mehr sein, wer sagt so etwas?» Danach erklärt er, dass der Seilbahnbauer Caraventa serienmässig gar keine Vierer-Gondeln mehr bauen würde. «Wir wollen nicht auf kleinere Gondeln redimensionieren. Diese machen auch keinen Sinn. Sie sind zum Beispiel nicht behindertengerecht.» Studer verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass bloss die grösseren Gondeln alle künftigen Erfordernisse erfüllen könnten. Stolz fügt er an, dass Caraventa inzwischen neue Systeme anbiete und daher die Station Nesselboden kleiner gebaut werden könne.

Und wie reagiert das Bundesamt für Verkehr auf die «Streichung der Sechser-Gondeln»? Walter Schneider, zuständig für Bewilligungen beim BAV: «Das war eine Begehung mit allen Beteiligten. Nicht mehr und nicht weniger. Die Interpretation der Gondelgegner ist falsch. Wir werden nun alle Informationen zusammentragen und auswerten. Das Verfahren läuft wie vorgesehen weiter.» Noch weniger gesprächig zeigt man sich beim Bundesamt für Umwelt BAFU. Sprecher Adrian Aeschlimann lakonisch: «Das Bundesamt für Verkehr hat in diesem Fall die Federführung, somit dürfen wir nichts sagen.»

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