Feuerwehrunglück
«Keine Anzeichen eines Einsturzes»

Gestern Montag wurde der Prozess zum Feuerwehrunglück von Gretzenbach im Oltner Stadthaus fortgesetzt. Der Morgen stand im Zeichen der Zeugenbefragungen; am Nachmittag waren die Baugutachter vorgeladen.

Beat Wyttenbach
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Solothurner Zeitung

Der erste Zeuge, der damalige und aktuelle Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Schönenwerd, Markus Gugger, schilderte, wie die Alarmierung und der Löscheinsatz vonstatten gingen. Es seien durch den Haupteingang und durch den Nebenausgang im Osten Leitungen verlegt worden, nachdem die Brandmeldung um zirka 6 Uhr eingegangen sei und man die Mannschaft im Feuerwehrmagazin ausgerüstet habe.

Starke Rauchentwicklung

Vor Ort habe man «eine starke Rauchentwicklung» festgestellt, was den Löscheinsatz erschwert habe. Nichtsdestotrotz habe er, der den Einsatz von der Zufahrtsstrasse zum Staldenacker aus koordiniert habe, um zirka 7 Uhr die Meldung erhalten, dass der Brand «unter Kontrolle» sei. Das bedeute in der Regel, dass nur noch Glutnester vorhanden seien. Wiederum kam die F60-Norm zur Diskussion, von der Gugger sagte, dass man dies in der Ausbildung lerne, was darunter zu verstehen sei: Ein Gebäude müsse 60 Minuten einem Brand standhalten.

Aus seiner Sicht sei es im Übrigen zu verantworten gewesen, dass sich die Feuerwehrangehörigen zu diesem Zeitpunkt noch in dem Gebäude befunden hätten. Es seien ihm keine Anzeichen wie abplatzender Beton gemeldet worden, die ihn gezwungen hätten, das Gebäude räumen zu lassen. «Es gab keine Anzeichen eines Einsturzes.» Auch habe es keine Vorschriften gegeben, zu diesem Zeitpunkt einen Statiker beizuziehen. Weiter war vom Kommandanten zu erfahren, dass zum Zeitpunkt des Brandes bereits Paul Haus, Leiter des Feuerwehrinspektorats der Solothurnischen Gebäudeversicherung (SGV), vor Ort gewesen sei. Dieser habe ihm beratend zur Seite gestanden.

Temperaturen «im Rahmen»

Vergleichsweise kurz war die Befragung des zweiten Zeugen, Peter Marti. Er war damals Chef des Pikettzuges 1. Auch er sagte aus, dass die Temperaturen in der Tiefgarage nie ein bedenkliches Niveau erreicht hätten. Der Einsatz sei nach seiner Einschätzung nach einer drei viertel Stunde fast beendet gewesen und hätte «ungefähr noch fünf bis zehn Minuten» gedauert, bis der kühlende Schaumteppich voll ausgelegt gewesen wäre. Marti hielt fest, dass er zwar während des Einsatzes ein «kerniges Knacken» wahrgenommen, diesem aber kaum Bedeutung beigemessen habe, weil keine Begleiterscheinungen wie abplatzender Beton festgestellt worden seien. Auch er wurde zur F60-Norm befragt. Er habe nicht gewusst, welche Norm für die Tiefgarage gegolten habe.

Wenig konkrete Aussagen

Der dritte Zeuge war Markus Treichler, Präsident der Amtei-Schätzungskommission der Solothurnischen Gebäudeversicherung (SGV). Er schilderte die Aufgaben, die die SGV bei der Abnahme eines neu erstellten Gebäudes vorzunehmen hat. Insbesondere müsse dabei darauf geachtet werden, ob die Vorschriften eingehalten und Bauprotokolle erstellt worden seien. Die Abteilung Brandschutz habe ferner zu überprüfen, ob wie im Falle der Einstellhalle in Gretzenbach Brandschutzmauern korrekt erstellt worden oder Fluchtwege vorhanden seien. «Bauliche Details werden von uns nicht überprüft, das gehört nicht zu unseren Pflichten», so Treichler. Dafür sei die jeweilige Gemeinde respektive deren Bauverwaltung zuständig. Die SGV errechne einzig den Versicherungswert des Gebäudes.

Da Treichler der Abteilung Versicherung beim SGV angehört, konnte er keine konkreten Angaben zu den feuerpolizeilichen Details machen. Immerhin hielt er aber fest, dass das Unglück von Gretzenbach zur Überprüfung der Brandschutzvorschriften geführt habe. «Die damaligen Vorschriften waren nicht larger als die heutigen», bekräftigte Treichler. Aber heute sei man mehr sensibilisiert. Weiter hielt er fest, dass Brände in Tiefgaragen eher selten seien.