Zuchwil

Kein Wort des Dankes nach 29 Jahren Einsatz im Sportzentrum

Reto Lohrer war 29 Jahre lang Direktor des Sportzentrums Zuchwil (Foto: zvg)

Reto Lohrer war 29 Jahre lang Direktor des Sportzentrums Zuchwil (Foto: zvg)

Ganz freiwillig war der Abgang von Reto Lohrer als Direktor des Sportzentrums Zuchwil nicht. Er nennt mehrere Gründe, warum das Vorgehen der Sportzentrum AG nicht koscher war.

Reto Lohrer bricht sein Schweigen. Am 30. April endete sein Arbeitsvertrag mit der Sportzentrum Zuchwil AG (SZZ). Nun fühlt sich der 63-Jährige frei, über die Hintergründe seines überraschenden Abgangs als SZZ-Direktor zu sprechen. «Meinungsverschiedenheiten gibt es immer. Die kann man austragen», sagt Lohrer im Gespräch mit dieser Zeitung. Aber den Abschied, den man ihm im Sportzentrum bereitete – den habe er nach 29 Jahren nicht verdient.

Was war passiert? Nach Meinung von Reto Lohrer gibt es zwei Punkte, die primär zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses beigetragen haben. Das eine ist die heutige Zusammensetzung des Verwaltungsrates der SZZ AG. Während zu Beginn vor allem Verwaltungsräte mitarbeiteten, die historisch eine sehr enge Beziehung zum Sportzentrum Zuchwil hatten, hätten ab 1992 vermehrt Personen im Verwaltungsrat Einsitz genommen, die nicht mehr so stark mit der Anlage verbunden gewesen seien.

«Es sieht zudem so aus, als gäbe es im Verwaltungsrat Tendenzen, die Stärke der Betriebsaktiengesellschaft zu untergraben und den Einfluss der öffentlichen Hand zu vergrössern.» Für Lohrer ist dies der falsche Weg. «Das Zuchwiler Modell muss unbedingt erhalten bleiben. Zu viel Einflussnahme von aussen schadet der Wirtschaftlichkeit der Betriebsaktiengesellschaft.»

Die Macht missbraucht?

Der zweite Punkt bereitet Lohrer aber wesentlich mehr Bauchweh. Im Jahr 2005 wurde der FFC Zuchwil (Frauen Fussballclub) gegründet und erhielt Spielrecht auf den Plätzen des Sportzentrums. Der Trainer der Fussballerinnen ist Peter Baumann, der gleichzeitig Bauverwalter der Gemeinde Zuchwil ist. «Leider konnte er seine beiden Funktionen nicht auseinanderhalten», klagt Lohrer an.

Als «Trainer habe der Bauverwalter» sich auf der Anlage Dinge erlaubt, die von den Platzverantwortlichen des Sportzentrums nicht toleriert werden konnten. «Ich stellte mich zum Schutz vor meine Mitarbeiter und handelte mir damit ein Problem ein.» Der Trainer habe sich nicht an Abmachungen und Reglemente gehalten und seine Funktion als Bauverwalter ausgenutzt.

Das Ganze habe darin gegipfelt, dass Baumann, um seine Macht zu demonstrieren, Investitionen der Gemeinde ins Sportzentrum getätigt habe, ohne die Betriebsleitung zu kontaktieren oder zu informieren. Lohrer nennt ein konkretes Beispiel: «Der Bauverwalter hat während der Ferienabwesenheit des Geschäftsführers und des technischen Betriebsleiters des Sportzentrums in Eigenregie ein neues, nicht sehr taugliches Leitsystem bestellt.»

Bericht war schlecht recherchiert und unpräzise

«Ich habe den Verwaltungsrat mehrmals um Unterstützung in dieser Sache gebeten», so Lohrer. Die Antwort darauf war jeweils, dass man «mit der Gemeinde auskommen müsse». Erst im letzten Herbst habe der Verwaltungsrat seine Führungsaufgaben wahrgenommen und ein früheres Verwaltungsratsmitglied beauftragt, das Verhältnis zwischen dem Bauverwalter der Gemeinde Zuchwil und dem Geschäftsführer des Sportzentrums zu untersuchen.

Laut Lohrer gab es danach einen Bericht zuhanden des Verwaltungsrates. «Der schlecht recherchierte und in vielen Fällen unpräzise Bericht wurde an der nächsten Sitzung verteilt, unkommentiert zur Kenntnis genommen und archiviert. Man liess alle Fragen im Raum stehen.»

Schlüssel abgeben

Am 5. Januar 2011 fand die jährliche Verwaltungsratssitzung mit Schlussessen statt. Am darauf folgenden Tag war eine Sitzung des Verwaltungsratsausschusses mit dem Geschäftsführer angesetzt. «Diese wurde als Mitarbeitergespräch tituliert. Notabene das Erste in all den Jahren», so Lohrer. «Bei dieser Gelegenheit wurde mir mitgeteilt, dass ich, mit Auflagen, nur noch bis 31. Oktober 2011 beschäftigt werde.» Mündlich war laut Lohrer ein Arbeitsende per 30. April 2013 vereinbart worden. Als Begründung sei ein fehlendes Vertrauensverhältnis angeführt worden. «Warum das Vertrauensverhältnis fehlt, wurde mir aber nicht gesagt.» Weil die Auflagen aus seiner Sicht inakzeptabel waren, kündigte Lohrer das Arbeitsverhältnis per 30. April 2011 von sich aus.

Doch es kam noch schlimmer. Am Montagmorgen, 14. Februar 2011, erschien SZZ-Verwaltungsratspräsident Jürg Kilchenmann überraschend im Büro des Geschäftsführers. Kilchenmann teilte ihm ohne Begründung mit, dass er per sofort freigestellt werde. «Ich musste den Schlüssel abgeben und konnte mich nicht einmal mehr von den Mitarbeitenden verabschieden.»

«Das habe ich nicht verdient»

Für Lohrer ist nicht die Kündigung das Schlimmste, sondern die Art und Weise, wie gegen ihn vorgegangen worden sei. «Nach 29 erfolgreichen Jahren habe ich das nicht verdient.» Die SZZ AG habe auch seine Dienstjubiläen nach 20 Jahren und 25 Jahren vergessen. «Sämtliche Ausbauten wie Sporthotel, Saunapark, Restaurant (Widi-Saal) und Wellness-Pool entstanden von der Idee über das Konzept bis und mit Businessplan bei mir. Alle getätigten Investitionen bewährten sich und erfüllten oder übertrafen die Erwartungen», zeigt Lohrer seinen Leistungsausweis auf.

Die Anlage in Zuchwil konnte laut Lohrer 29 Jahre kostendeckend und erfolgreich geführt werden. Vergleichbare Anlagen in der Schweiz würden Betriebsdefizite in der Grössenordnung von einer bis zwei Mio. Franken aufweisen. Der Umsatz erhöhte sich unter der Führung von Reto Lohrer von 1 auf 4,5 Mio. Franken und aus 20 wurden 65 Arbeitsplätze.

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