Wenn die blaue Lokomotive in den Weissensteintunnel fährt und im Tunnelkino die Lichter ausgehen, wartet auf die Fahrgäste ein besonderes Erlebnis: Während ihnen im zugigen Güterwagen der Wind durch die Haare bläst, schauen sie auf Grossleinwand einen Film. Das rollende Kino ist einmalig in der Schweiz. Auch vergangenen Samstag vergnügten sich zahlreiche Gäste auf der Fahrt zwischen Oberdorf und Gänsbrunnen mit dem Originalfilm «Tunnelkino» und dem einem Streifen rund um die Solothurnerzahl elf.

Doch nach elf Jahren steht das Angebot nun vor dem Aus. Grund sind Sicherheitsauflagen des Bundesamts für Verkehr, die einen Umbau des 71-jährigen Triebfahrzeugs erzwingen. Der Einbau eines neuen Zugsicherungssystems kostet 177000 Franken – Geld, dass der Betreiberverein nicht hat. Bereits dieses Jahr fährt die Lok mit einer Sonderbewilligung.

Ein gefragtes Angebot

«Das Angebot ist nach wie vor gefragt», sagt Vereinspräsident Charly Zimmermann. «Es wäre wirklich schade, wenn wir aufhören müssten.» Resigniert hat der Lokführer aus Lüterswil aber noch nicht: Noch hofft er, das Geld irgendwie aufzutreiben. Vielleicht könne man den Lotteriefonds anzapfen, meint Zimmermann, und ganz sicher würden die Vereinsmitglieder, darunter viele gestandene Bähnler, mit anpacken. Wobei die Zugsicherung in einer Eisenbahnwerkstatt eingebaut werden müssten.

Und vielleicht helfe ja auch Region Solothurn Tourismus mit. «Gerade, weil die Sesselbahn auf den Weissenstein nicht mehr fährt.» Schliesslich mache das Tunnelkino auch Werbung für die Region. Falls das rollende Kino gerettet wird, möchte er das Angebot gerne ausweiten, um die Fahrgäste in Solothurn abzuholen und bis nach Moutier zu fahren. Andernfalls, so Zimmermann, müsse man das Triebfahrzeug und die beiden Kinowagen verkaufen oder gar verschrotten.

Seit zehn Jahren haben über 20000 Personen das einmalige Angebot genutzt. Zum nächsten Mal rollt das Tunnelkino für die Öffentlichkeit am 27. August. Und am 24. September gehen dann wohl definitiv die Lichter aus.