Balsthal

Kavallerie-Reitverein: Nur noch der Ursprung ist militärisch

Heinz Mägli (l.), Verantwortlicher für das Schauprogramm, und Röbi Meier, OK-Präsident, mit einer Kanone, Baujahr 1903.  Hans Barbui

Heinz Mägli (l.), Verantwortlicher für das Schauprogramm, und Röbi Meier, OK-Präsident, mit einer Kanone, Baujahr 1903. Hans Barbui

Wie man eine Institution am Leben erhalten, ja sogar aufblühen lassen kann, die längst der offiziellen Aufgabe enthoben ist, das demonstriert der Kavallerie-Reitverein Balsthal-Thal am kommenden Sonntag. Er feiert sein 75-jähriges Bestehen.

Der Verein feiert im Balsthaler Moos sein 75-jähriges Bestehen mit einer Schau, wie sie so bald nicht mehr zu sehen sein wird. Damit der historische Teil möglichst authentisch wirkt, haben Leute des Vereins aus der ganzen Schweiz Ausrüstungen und Utensilien zusammengetragen. Was nicht leicht war, denn 1972 ist die Kavallerie als Truppengattung der Schweizer Armee abgeschafft worden.

Bundesrat Maurer ist beeindruckt

Doch es geht bei dieser Schau nicht nur um den Blick zurück, sondern auch um die Zukunft. Denn die Pflege des Nachwuchses zeichnet den Verein ganz besonders aus. Das sieht auch Bundesrat Ueli Maurer so, wie seinem Grusswort in der Chronik zu entnehmen ist, die zum Jubiläum 75 Jahre Kavallerie-Reitverein Balsthal-Thal erschienen ist: Der Name wecke zwar Erinnerungen, schreibt Maurer, aber der Verein verharre nicht in der Nostalgie. «Das beweist seine moderne, beeindruckende Infrastruktur ebenso wie die zahlreichen Junioren, die sich hier engagieren.» Nationalrätin Elvira Bader schreibt, sie wisse die Ausstrahlung des Vereins weit über die Region hinaus zu schätzen. Längst habe sich das Thal zu einer Hochburg der Reiterei entwickelt.

Gemeindepräsident Willy Hafner zeigt sich stolz auf die Infrastruktur im Moos mit den vielfältigen Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Marianne Lüdi, Präsidentin des Zentralschweizerischen Kavallerie- und Pferdesportverbandes lobt den Verein, der es geschafft hat, die seinerzeitige Aufgabe, nämlich die militärische Reiterei zu fördern, in einen attraktiven zeitgemässen Verein umzuwandeln. Dessen ist sich der aktuelle Vereinspräsident Markus Schaad bewusst. Dank den Gründern und allen, die ständig nach Neuem suchen, könne der Verein neue und vor allem junge Pferdefreunde anlocken.

Pferdetransporter kein Thema

Zum Jubiläum eine Chronik herauszubringen, war für den Verein nicht leicht, «aber sehr wichtig», wie Röbi Meier, OK-Präsident des Jubiläums betont. Man wählte dabei die sympathische Form, dass Mitglieder frisch von der Leber weg über Erlebnisse im Verein erzählen. Werner Brunner zum Beispiel wurde 1959 als erster Nicht-Kavallerist in den Verein aufgenommen. Er widmete sich auch der Pferdezucht. Sein grösster Erfolg war «Orlando», das erste in der Schweiz gezüchtete Dressurpferd. Es kehrte von der Weltmeisterschaft 1986 mit einer Bronzemedaille und 1987 mit einer Silbermedaille von der Europameisterschaft zurück. Tragende Rollen spielten natürlich die Präsidenten.

Erhard Bader, der 1952 die Dragoner-RS absolviert hat, berichtet von der Teilnahme bei Springkonkurrenzen, zu denen man morgens um 3.30 Uhr hoch zu Ross aufbrechen musste – Pferdetransporter waren damals kein Thema – und bei schlechtem Wetter viel Durchhaltewille verlangte. Denn es kam vor, dass man völlig durchnässt beim Springplatz ankam. «Dann stopften wir Zeitungspapier gegen die Nässe zwischen Kleider und Körper.»

Ritt auf der Autobahn

«Am Tag des Pferdes von 1965 in Solothurn waren wir natürlich auch dabei», schreibt Peter Menth. Auf dem Rückweg trabten dann die Reiter von Deitingen bis Niederbipp über die Autobahn, die damals noch im Bau war. Dass in Dragonerkreisen die Geselligkeit hochgehalten und auch gerne getrunken wurde – und wohl noch heute wird, kommt in der Chronik mehrfach zum Ausdruck. Menth erinnert sich an eine Springkonkurrenz, bei der sich wegen starken Regens finanzielle Probleme abzeichneten. Der Festwirt habe dann dafür gesorgt, «dass die Anwesenden viel Weisswein tranken. Letztlich gab es einen Reingewinn von 1000 Franken.» Auch Walter Spichiger berichtet von Eskapaden. «Zweitagesritt nach Metzerlen: Beim Dorfbrunnen wurde viel getrunken. Am Morgen lagen Bierflaschen herum, die Reiter dafür schlafend in Reih und Glied, zugedeckt mit einer Leiter.» Der Pfarrer habe davon erfahren und im Sonntagsgottesdienst gescholten – irrtümlich jedoch den Musikverein.

Sportwoche für Junioren

Paul Meier zog die Drähte für den Aufbau der Infrastruktur im Balsthaler Moos. Er brachte 1982 bei der Generalsversammlung den Entscheid für den Bau einer Reithalle durch, obwohl «das Vorhaben einigen Mitgliedern ein Dorn im Auge war.» Als Röbi Meier das Präsidium übernahm, «war ich mir nicht bewusst, auf was ich mich einliess», schreibt er. Doch er führte den Ausbau im Moos weiter, es entstand ein Allwetterplatz. Weiter legte Meier grossen Wert auf Jugendförderung, 2002 fand die erste Junioren-Sportwoche statt. Für die jüngere Generation schreibt Tamara Meier, Jahrgang 1996, dass sie nach der Zeit als aktive Juniorin in den Verein eintreten wolle. Denn: «Ich werde wohl immer reiten.»

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