Immobilienstrategie
Kanton will bei der Immobilienstrategie einen Mehrwert sehen

Der vermögendste Grundeigentümer im Kanton ist der Kanton: Fast 2 Mrd. Franken sind die rund 440 Gebäude und 560 unbebauten Grundstücke wert, die dem Staat und somit jeder Solothurnerin und jedem Solothurner gehören.

Stefan Frech
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Der Kanton Solothurn will bei der Immobilienstrategie einen Mehrwert sehen
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Bauarbeiten auf der Sphinxmatte in Solothurn (Hanspeter Bärtschi)
Auf dem Gelände des Alten Spitals in Grenchen (Hanspeter Bärtschi)
Bauarbeiten zum Synthes-Hauptsitz in Zuchwil (Hansjörg Sahli)
Die Villa Schürch in Biberist (Urs Lindt)
Die frühere Klinik Fridau in Egerkingen
Die ehemalige Klinik Allerheiligenberg in Hägendorf
Das Kapuzinerkloster in Solothurn (Oliver menge)

Der Kanton Solothurn will bei der Immobilienstrategie einen Mehrwert sehen

Simon Dietiker

Die meisten dieser Immobilien haben jedoch nur theoretischen Wert, weil sie für die Aufgaben des Kantons «betriebsnotwendig» sind (Schulen, Verwaltungsgebäude, Gefängnisse) oder der Staat sie nicht verkaufen darf oder kann (Schlösser, Naturschutzgebiete, Wald).

Mit verhältnismässig wenigen kantonalen Immobilien (rund 5 Prozent) lässt sich aber durchaus handeln. Diese lukrative «Marktlücke» hat die Kantonsregierung erst vor wenigen Jahren so richtig entdeckt. Im Zuge der Sparmassnahmen SO+ hat sie im Jahr 2001 beschlossen, langfristig nicht betriebsnotwendige Immobilien (vor allem Baulandreserven) «als Investitionsobjekte zu bewirtschaften». Zu Deutsch: Der Kanton pflegt seither sein Immobilienportefeuille aktiv und stösst bestimmte, nicht benötigte Gebäude und Landreserven ab - «falls Preis, Käufer und Projekt stimmen», betont Guido Keune, Leiter Immobilien- und Projektentwicklung im Hochbauamt. «Manchmal ist zu hören, wir verschachern das Tafelsilber des Kantons. Das stimmt überhaupt nicht. Verkauft oder im Baurecht abgegeben wird nur, wenn eine langfristige nachhaltige Nutzung garantiert ist und somit ein volkswirtschaftlicher Mehrwert geschaffen wird.» In den Jahren 2004 bis 2010 hat der Kanton Immobilien im Wert von 42,5 Mio. Franken verkauft. Diese lösten laut Keune private Bauinvestitionen von 184,6 Mio. Franken aus.

148 Immobilien sind «verwertbar»

Im Jahr 2003 hat das Hochbauamt erstmals ein Inventar aller kantonalen Immobilien erstellt und diese in Kategorien eingeteilt: A-Objekte sind «betriebsnotwendig», B-Objekte «im Haltestadium» und C-Objekte «verwertbar». In der C-Kategorie befanden sich letztes Jahr 148 Immobilien, die insgesamt rund 90 Mio. Franken wert sind. Sie sind wiederum in drei Gruppen gegliedert: C1-Objekte sind «planerisch zu entwickeln», C2 «baulich zu entwickeln» und C3 «direkt zu verwerten».

In der C3-Kategorie befinden sich hauptsächlich kleinere Gebäude oder Grundstücke, die nicht mehr benötigt werden. Während das Hochbauamt in den Jahren nach 2003 sofort zahlreiche kleinere Objekte wie Einfamilienhäuser oder Polizeiposten verkauft hatte, gab es in letzter Zeit weit weniger Transaktionen; eines der jüngsten Beispiele ist die Villa Schürch in Biberist. Momentan stehen mit dem Kapuzinerkloster in Solothurn und den zwei ehemaligen Klinikgebäuden Fridau und Allerheiligenberg drei bekannte Gebäude zum Verkauf. «Beim Kapuzinerkloster gibt es zurzeit zwei Interessenten; für die Fridau hat ein schweizweit bekannter Architekt ein exklusives Planungsrecht erhalten», erklärt Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli. «Er hat bis Oktober Zeit, uns einen Investor zu präsentieren.»

Besonders interessante Ländereien

Für den Kanton und somit die Steuerzahler sind aber vor allem die C1-Objekte (letztes Jahr 46 an der Zahl) «hochinteressant», sagt Keune. Es handelt sich zum grössten Teil um unüberbaute Grundstücke, auf denen sich grössere Projekte realisieren lassen. Diese Grundstücke wurden denn auch in den letzten Jahren vor allem dazu planerisch entwickelt und veräussert, damit sich dort Unternehmen und Privatpersonen als neue Steuerzahler niederlassen. Keune nennt zwei Beispiele: die «Sphinxmatte» in Solothurn mit rund 300 neuen Wohnungen und 50 neuen Arbeitsplätzen oder die Ansiedlung der Synthes auf dem «Zeughausareal» in Zuchwil mit 1000 neuen Arbeitsplätzen. «Es geht nicht darum, unbebaute Grundstücke einfach zu verkaufen; wir wollen immer wissen, was mit ihnen geschieht. Der Investor muss also einen Wettbewerb durchführen», betont Keune. «Wir können dann Auflagen machen, damit ein möglichst hoher volkswirtschaftlicher Nutzen erzielt wird.»

Kanton kann auch Land kaufen

Guido Keune nennt Beispiele von C1-Grundstücken, die der Kanton aktuell oder in Zukunft entwickeln und verwerten möchte. Für Wohnzwecke sind Überbauungen im «Schöngrün» in Biberist und im «Alten Spital» in Grenchen vorgesehen. Die Nutzung des «Borregaard-Areals» in Luterbach ist noch offen. Dieses ist ein Beispiel dafür, dass der Kanton aus strategischen Überlegungen auch Grundstücke erwerben und dann verwerten kann. Zurzeit läuft für dieses C1-Objekt eine Testplanung. «Es handelt sich um das zweitgrösste freie, zusammenhängende Industrieland in der Schweiz», betont Keune. Der Kanton besitze noch weitere «Filetstücke». Konkrete Beispiele lässt er sich nicht entlocken. «Eine Riesenauswahl haben wir aber nicht mehr.»