Gondelbahn
Zwischen Kurhaus-Investoren und Seilbahn Weissenstein herrscht Frieden

Die Gondeln fahren auf den Berg und das Management kann sich dem Tagesgeschäft widmen. Werden sich 2016 die Erfolge des ersten Betriebsjahres wiederholen?

Sven Altermatt
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Die Seilbahn Weissenstein verzeichnete 2015, ihrem ersten Betriebsjahr nach den Neubau, über 400'000 Zutritte.

Die Seilbahn Weissenstein verzeichnete 2015, ihrem ersten Betriebsjahr nach den Neubau, über 400'000 Zutritte.

Hanspeter Bärtschi

Wer darauf setzt, dass alles immer seinen gewohnten Gang geht, der hatte im Verwaltungsrat der Seilbahn Weissenstein AG lange nichts verloren: Sechs Jahre waren seit der letzten Fahrt der Sesselbahn vergangen, als die Gondelbahn im Dezember 2014 ihren Betrieb aufnahm. Ein juristisches Hickhack hat ihren Bau verzögert. Die Verwaltungsräte der Bahn waren vor allem als Krisenmanager gefragt.

Jetzt hat die neue Bahn ihr erstes Betriebsjahr hinter sich. Und jetzt ist auch das eingekehrt, was Verwaltungsratspräsident Urs Allemann als «neuen Normalzustand» bezeichnet. Die Gondeln fahren auf den Berg und das Management kann sich dem Tagesgeschäft widmen.

Das gefällt den Aktionären der Seilbahn natürlich. An der Generalversammlung im Kurhaus Weissenstein, wo der Bankettsaal bis auf den letzten Platz besetzt war, konnten sie sich nicht nur erstmals wieder eine Dividende genehmigen. Sie durften sich auch über ein erfolgreiches erstes Jahr mit der neuen Bahn freuen: Die Betreiber zählten 417'662 Zutritte.

Beim Eingang der Gondelbahn bildet sich an schönen Herbsttagen regelmässig eine Schlange.

Beim Eingang der Gondelbahn bildet sich an schönen Herbsttagen regelmässig eine Schlange.

Tina Dauwalder und Thomas Ulrich

Bei einem Betriebsertrag von 3,76 Millionen Franken und einem Aufwand von 1,68 Millionen Franken erwirtschaftete die Seilbahn Weissenstein AG einen Jahresgewinn von 389'317 Franken. Gleichzeitig konnte sie 3,5 Millionen Franken abschreiben. «Die Kassen klingeln wieder», sagte Rolf Studer.

Laut dem Vizepräsidenten des Verwaltungsrats, bekannt als «Mister Seilbahn», sind sämtliche Ziele für das Jahr 2015 übertroffen worden.

Verwaltungsratschef Allemann führte den Erfolg vor allem auf die ganzjährig guten Wetterverhältnisse und den «Reiz des Neubaus» zurück. Besonders im Januar und im Februar sei die Nachfrage nach Schlittenabfahrten gross gewesen.

Partnerschaften geplant

Die Präsentation des Jahresberichts liess Euphorie aufkommen im Saal. Da lag es an Urs Allemann, die Aktionäre erst einmal zu besänftigen. Für das Jahr 2016 präsentierte der Verwaltungsrat ein eher konservatives Budget. Nur nichts anbrennen lassen? «Wir rechnen auch in Zukunft mit erfreulichen Erträgen», sagte Allemann. Aber weil diese nicht immer ganz so gut ausfallen würden wie im ersten Betriebsjahr und man auf ein «solides finanzielles Fundament» zählen wolle, sei Vorsicht angebracht.

Eine gute Nachricht gibt es für die Bahnkunden: Der Verwaltungsrat will die Billettpreise in diesem Jahr nicht erhöhen. Grosses Potenzial orten die Betreiber im geplanten Ausbau des Kurhauses. In der Vergangenheit kam es regelmässig zu Spannungen mit den Pächtern des Kurhauses. Das habe sich geändert, sagte Allemann. «Mit den neuen Besitzern haben wir eine tolle Zusammenarbeit.»

Rochade

Peter Lukas Meier im Verwaltungsrat

Einen Wechsel gab es im Verwaltungsrat der Seilbahn Weissenstein AG. Das langjährige Mitglied Erich Egli demissionierte. Der Touristiker sass bereits im Verwaltungsrat der früheren Betreibergesellschaft. Sein Nachfolger wird der Solothurner Verleger Peter Lukas Meier. Gemeinsam mit den fünf bisherigen Mitgliedern wurde Meier von der Generalversammlung einstimmig gewählt. (sva)

Regelmässig für Diskussionen sorgt auch die gerne angemahnte Zusammenarbeit unter den Akteuren auf dem Weissenstein. Wie soll der Solothurner Hausberg vermarktet werden? Der Seilbahn-Verwaltungsrat will die Zusammenarbeit mit den Tourismusorganisationen fortsetzen.

Neu können Billette auch online gekauft werden. Im Fokus stehen zudem Partnerschaften mit Vermarktern in Süddeutschland und dem «Railaway»-Programm der SBB.
Die derzeit wohl auffälligste Werbeaktion dreht sich um den Weissensteintunnel. Die Betreiber der Seilbahn wollen sich für dessen Erhalt einsetzen.

An der Generalversammlung warb CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt, der Präsident des Tunnel-Komitees, für das Anliegen: «Die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr ist von enormer Bedeutung.» Um die Frequenz auf der Bahnlinie Solothurn–Moutier anzukurbeln, hat die Seilbahn das sogenannte «Tunnel-Ticket» lanciert: Wer mit dem Zug nach Oberdorf anreist, bezahlt für eine Retourfahrt nur elf Franken.

Auf dieser Postkarte von 1905 ist der Anbau rechts vom Kurhaus zu sehen.
8 Bilder
Diese Karte trägt den Poststempel 15.6.1919
Auch diese hier ist mit dem 15.6.1919 datiert
Gleiches gilt für diese Postkarte mit der Aussicht vom Solothurner Hausberg
Diese Karte trägt den Poststempel 3.8.1926
Datierung: 29.9.1947

Auf dieser Postkarte von 1905 ist der Anbau rechts vom Kurhaus zu sehen.

zvg