Adam hat schwere Krisen und fällt aus allen sozialen Netzen - bis er die Meditation entdeckt. Ethaya überlebt mehrere Suizidversuche - und findet schliesslich Halt in einem spirituellen Training. Der eindrückliche Kinofilm «CrazyWise» zum Thema Krisenbewältigung in verschiedenen Kulturkreisen bildete den zweiten Meilenstein der diesjährigen Filmreihe zu Sucht, Depression und psychische Gesundheit. Im anschliessenden Podium sprachen eine an paranoider Schizophrenie erkrankten Person, eine Arbeitgeberin und eine Psychologin über das Thema Lebenskrisen. 

Krisen als Bereicherung

Die an Schizophrenie erkrankte Eva erzählte eindrücklich von ihrem langen Weg mit ihrer Krankheit – den ersten Schub erlebte die heute 41-Jährige vor rund 20 Jahren. Erst die intensive Auseinandersetzung habe es ihr ermöglicht, andere Personen in Krisensituationen zu unterstützen. Geheilt werde sie von ihrer chronischen Erkrankung nie sein, so ihre nüchterne Feststellung. Doch mit der Unterstützung von Selbsthilfe und Medikamenten erlebe sie Phasen der Gesundheit. Nur so sei es für sie möglich, Teil dieser Gesellschaft bleiben zu können.

Pia begleitet als Vorgesetzte bei der Immobilienfirma Privera belastete Personen bei Arbeitseinsätzen. Aus ihrer Sicht ist es eine zentrale Aufgabe der Arbeitswelt, Betroffene bei der Integration in die Gesellschaft zu unterstützen. Hier brauche es unbedingt mehr Vorbilder, argumentierte sie. Denn mit einer Gesundheitsprävention in Form eines ergonomischen Stuhls oder einer augenfreundlichen Beleuchtung sei es bei Weitem nicht getan.

Die Unterstützung sei jedoch gegenseitig: Die «Entschleunigung» durch Personen in Krisensituationen tue dem ganzen Team gut und die Aussensicht auf interne Abläufe halte das Unternehmen fit. Positiv präge auch die Reflexion, dass das morgendliche Aufstehen, zur Arbeit gehen und Hobbies pflegen keine Selbstverständlichkeit sei. «Wir haben es verlernt, gut zu unserer Gesundheit zu schauen», ergänzte Annelies als Psychologin. Jede Person müsse diese Fähigkeit jedoch für sich selber erlernen. Das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, kann dabei sehr heilsam sein. 

Ich wünsche mir…

Gefragt nach ihren Wünschen für die Zukunft, hofft Eva als Betroffene, zukünftig einfach sagen zu können: «Ich bin schizophren» und damit beim Gegenüber keine heftige Reaktion auszulösen. Annelies wünscht sich, dass Leute sich ein eigenes Bild von Personen mit Krisen machen möchten und sich nicht nur von Ängsten leiten lassen. In diesem Sinne empfiehlt Pia allen Betrieben, die Möglichkeiten haben, Arbeitseinsätze anzubieten und damit in Austausch mit belasteten Person zu treten. (mgt)

Die Filmreihe wird organisiert durch:

Nächste Veranstaltungen im Rahmen der Filmreihe 2018: 

28.10. Aktionstage psychische Gesundheit: «A l'école des philosophes» im Kino Lichtspiel, Olten, 11 Uhr mit anschliessendem Podiumsgespräch. Eintritt frei. 

3.12. «Die Mitte der Nacht ist der Anfang vom Tag» im Kino Rex, Grenchen. 18.30 Uhr mit anschliessendem Podiumsgespräch. Eintritt frei