PR-Aktion
Zweite Industrienacht lockt 1000 Besucher an – aber kaum Junge

Zum zweiten Mal führte die kantonale Handelskammer die Nacht der Solothurner Industrie durch. 34 Firmen aus dem ganzen Kanton öffneten ihre Tore für interessierte Besucher. Wir waren auf einer Tour mit dabei: Beim Industrielackierer Brönnimann in Derendingen und beim Solarhersteller Megasol in Deitingen.

Raphael Karpf
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Nacht der Solothurner Industrie 2019 34 Firmen öffneten einen Abend lang ihre Tore, um interessierten Personen Einblick in ihr Schaffen zu geben.
28 Bilder
 Eine der Firmen, die mitmachte: der Industrielackierer Brönnimann aus Derendingen.
 Das Unternehmen lackiert Teile in verschiedensten Grössen und Formen.
 Rund 60 Mitarbeiter hat das Unternehmen mit Sitz in Derendingen.
 Rund 30 interessierte Personen besuchten die Firma an der Nacht der Solothurner Industrie und liessen sich die Produktion zeigen.
Industrienacht Solothurn 2019
 Auch der Solarhersteller Megasol aus Deitingen öffnete seine Tore. Fotos aus den Produktionshallen waren hier allerdings verboten.

Nacht der Solothurner Industrie 2019 34 Firmen öffneten einen Abend lang ihre Tore, um interessierten Personen Einblick in ihr Schaffen zu geben.

Michel Lüthi/bilderwerft.ch

Wer kennt sie nicht, die Swatch-Uhren, mit Werken der Grenchner ETA? Wer kennt nicht die markante Fassade des Synthes Gebäudes oder die Kaffeemaschinen von Jura? Manche Industrie-Betriebe im Kanton sind weitherum bekannt. Andere weniger. Vor allem: Was hinter den Türen mancher Firmen genau abläuft, ist vielen nicht so ganz klar. Dabei arbeiten rund 40'000 Personen im Kanton in einem Betrieb im sogenannten zweiten Sektor. Um das Image der Industriebetriebe zu pflegen, will die Solothurner Handelskammer deshalb Licht in ebendieses Dunkel bringen. Und zwar mit der «Solothurner Industrienacht».

Am Mittwochabend öffneten insgesamt 34 Firmen aus dem ganzen Kanton ihre Tore und zeigten interessierten Personen, was in ihren Hallen so geschieht. Nach vergangenem Jahr wurde dieser Anlass heuer bereits zum zweiten Mal durchgeführt. Und knapp 1000 Personen nutzten dieses Angebot. Eine der Touren mit Start in Solothurn, bezeichnenderweise die Tour Nummer elf, führte rund 30 Personen nach Derendingen und Deitingen, zu den Firmen Brönnimann und Megasol.

Brönnimann: von Fahrrädern zu Sauerstoffmasken

Es ist laut beim Industrielackierer Brönnimann in Derendingen. Und heiss. Eine an der Decke befestigte Maschine zieht Teile in den verschiedensten Grössen und Formen kreuz und quer durch die Halle. An einem Ort werden die Teile besprüht, an einem anderen durch einen gigantischen Ofen gezogenen und getrocknet, an einem dritten verpackt. «Das ist ja wie in einer Bäckerei», kommentiert eine Besucherin lachend. «Nur der Geruch ist ein anderer.»

Die Brönnimann AG lackiert fast alles, was es zu lackieren gibt. Von kleinsten Teilchen wie Zylindern oder Gewinden, über hochkomplexe Dinge wie etwa Sauerstoffmasken, die in Jets und Helikoptern verwendet werden, bis hin zu ganzen Türen von Zugwägen. Dabei hat die Firma 1949 noch als einfacher Velo-Reparateur in Solothurn angefangen, wie Geschäftsführer Marc Kurt erzählt. Doch im Laufe der Zeit habe man festgestellt, dass sich das Geschäft mit dem Lack mehr lohne. Heute beschäftigt die Firma rund 60 Mitarbeiter und lackiert nur noch.

Wobei «nur noch» dem Prozedere nicht gerecht wird. Bei grösseren Aufträgen werden bis zu 60'000 Teile vollautomatisch von mehreren Robotern beschichtet. Kleinere Aufträge, bei denen es sich nicht lohnt, die Roboter zu programmieren, werden von Hand bearbeitet. Wieder andere Teile werden nicht besprüht, sondern in verschiedene Flüssigkeiten eingetaucht. Meter an Meter reihen sich diese Becken wie Badewannen. Und wieder andere Teile, die hochkomplexen, wie etwa die angesprochenen Sauerstoffmasken, werden in einem aufwendigen, wochenlangen Prozedere von Hand bearbeitet. «Sie sehen also, wir tun nicht einfach nur Farbe drauf. Es steckt etwas mehr dahinter», meint Kurt abschliessend.

Megasol: die unkaputtbare, Strom-produzierende Fassade

Nach dem Lärm in den Fabriken in Derendingen ist es in Deitingen beim Solarhersteller Megasol schon fast gespenstisch still. Es ist kühl und sauber. Weisse Gänge, grüne Türen. Die Wände sind behangen mit Bildern von Gebäuden, an denen Megasol schon mitgearbeitet hat. Darunter sind etwa die Werkhalle auf dem Riverside-Areal in Zuchwil, auf dessen Dach eine riesige Photovoltaik-Anlage steht, oder das Fussballstadion des FC Schaffhausen, ebenfalls ausgestattet mit einer Photovoltaik-Anlage, der grössten dieser Art in der Schweiz.

Dabei produziert Megasol eigentlich gar keine klassischen Solarmodule, wie Kommunikationschef Daniel Sägesser gleich zu Beginn des Rundgangs betont. Sondern sogenannte solare Gebäudeelemente. «Wir produzieren Elemente in allen Grössen, Formen und Farben, je nach Kundenwunsch, und kleiden damit Gebäude ein. Dass es sich dabei um Solaranlagen handelt, erkennt man auf den ersten Blick gar nicht mehr.» Und noch einen weiteren Punkt betont Sägesser gleich zu Beginn: Ja, die Produktion verschlinge viel Strom, doch die Solaranlage auf dem firmeneigenen Dach produziere mehr, als man verbrauche.

Unter einem blauen Plastik-Tor hindurch führt Sägesser die Gruppe in die Produktions-Hallen. Nun wird es doch noch etwas lauter. Roboterarme bewegen Glasscheiben durch die Gegend. Einzelne Arbeiter verlieren sich zwischen den übermannshohen Maschinen und Förderbändern. Obwohl das Unternehmen individuelle Module produziert, erfolgt die Herstellung fast vollautomatisch. «Wir können mit Fug und Recht behaupten, wir sind die einzigen weltweit, die so produzieren», sagt Sägesser. Die dafür benötigten Maschinen werden von hauseigenen Ingenieuren entwickelt. Damit stellt die Firma auch sicher, dass sie nicht kopiert werden. Ab hier ist Fotografieren dann auch verboten. An der Wand hängt ein Schild: Unkaputtbare Module. Ob das denn so stimme, will ein jugendlicher Gast wissen. «Kann ich da mit einem Vorschlaghammer draufhauen?» Sägesser lacht. «Nein, das dann schon nicht. Aber sie halten viel aus.»

Nachgefragt beim Veranstalter: «Deutlich zu wenig Junge kamen vorbei»

Thomas Heimann   

Thomas Heimann   

zvg

Die Nacht der Solothurner Industrie wird organisiert von der kantonalen Handelskammer. Thomas Heimann, Leiter Bildung und Innovation, stellte den Anlass auf die Beine. Am Mittwochabend stand er in orange-farbener Weste am Standort Solothurn, verteilte Flyer und wies die Besucher ihren Bussen zu.

Knapp 1000 Besucher, 17 Touren, 34 Firmen, die ihre Tore öffneten: Sind sie mit der zweiten Ausgabe der Industrienacht zufrieden?

Thomas Heimann: Als Veranstalter wünsche ich mir immer mehr Gäste. In Solothurn waren wir gut ausgelastet. Allein aus verkehrstechnischen Gründen können wir dort nicht noch grösser werden. An den anderen Standorten haben wir aber noch Potenzial.

Wie wollen Sie dieses Potenzial ausschöpfen?

In einigen Wochen führen wir ein Debriefing mit allen Firmen durch, die teilgenommen haben. Dann schreiben wir noch alle Teilnehmer an und fragen sie, wo sie noch Verbesserungspotenzial sehen. Fest steht aber bereits, dass nächstes Jahr noch eine weitere Ausgabe der Industrienacht stattfinden wird. Was wir aber ändern werden, wissen wir jetzt noch nicht konkret.

Was kostet die Industrienacht – und was bringt sie?

Ohne Mannsstunden kostet die Industrienacht rund 50'000 Franken. Drei Viertel davon wird durch Sponsoring und die Firmen finanziert, den Rest übernimmt die Handelskammer. Was sie genau bringt, ist schwer konkret zu messen. Es geht darum, dass die Industrie ein gutes Bild abgibt. Das sind nicht nur Firmenfassaden, wir wollen zeigen, dass etwas dahinter steckt. Und wir wollen zeigen, dass der Kanton Solothurn ein wichtiger Industriestandort ist.

Wenn Sie etwas verändern könnten, was wäre das?

Ein Wermutstropfen war, dass die 20 bis 35-Jährigen die Veranstaltung noch nicht entdeckt haben. Deutlich zu wenig Junge kamen vorbei. Das wollten wir dieses Jahr eigentlich verbessern. So haben wir zum Beispiel extra Schulen angeschrieben. Aber offenbar hat dies nicht funktioniert. Hier können wir noch besser werden. (rka)

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