Wer kennt sie nicht, die Swatch-Uhren, mit Werken der Grenchner ETA? Wer kennt nicht die markante Fassade des Synthes Gebäudes oder die Kaffeemaschinen von Jura? Manche Industrie-Betriebe im Kanton sind weitherum bekannt. Andere weniger. Vor allem: Was hinter den Türen mancher Firmen genau abläuft, ist vielen nicht so ganz klar. Dabei arbeiten rund 40'000 Personen im Kanton in einem Betrieb im sogenannten zweiten Sektor. Um das Image der Industriebetriebe zu pflegen, will die Solothurner Handelskammer deshalb Licht in ebendieses Dunkel bringen. Und zwar mit der «Solothurner Industrienacht».

Am Mittwochabend öffneten insgesamt 34 Firmen aus dem ganzen Kanton ihre Tore und zeigten interessierten Personen, was in ihren Hallen so geschieht. Nach vergangenem Jahr wurde dieser Anlass heuer bereits zum zweiten Mal durchgeführt. Und knapp 1000 Personen nutzten dieses Angebot. Eine der Touren mit Start in Solothurn, bezeichnenderweise die Tour Nummer elf, führte rund 30 Personen nach Derendingen und Deitingen, zu den Firmen Brönnimann und Megasol.

Brönnimann: von Fahrrädern zu Sauerstoffmasken

Es ist laut beim Industrielackierer Brönnimann in Derendingen. Und heiss. Eine an der Decke befestigte Maschine zieht Teile in den verschiedensten Grössen und Formen kreuz und quer durch die Halle. An einem Ort werden die Teile besprüht, an einem anderen durch einen gigantischen Ofen gezogenen und getrocknet, an einem dritten verpackt. «Das ist ja wie in einer Bäckerei», kommentiert eine Besucherin lachend. «Nur der Geruch ist ein anderer.»

Die Brönnimann AG lackiert fast alles, was es zu lackieren gibt. Von kleinsten Teilchen wie Zylindern oder Gewinden, über hochkomplexe Dinge wie etwa Sauerstoffmasken, die in Jets und Helikoptern verwendet werden, bis hin zu ganzen Türen von Zugwägen. Dabei hat die Firma 1949 noch als einfacher Velo-Reparateur in Solothurn angefangen, wie Geschäftsführer Marc Kurt erzählt. Doch im Laufe der Zeit habe man festgestellt, dass sich das Geschäft mit dem Lack mehr lohne. Heute beschäftigt die Firma rund 60 Mitarbeiter und lackiert nur noch.

Wobei «nur noch» dem Prozedere nicht gerecht wird. Bei grösseren Aufträgen werden bis zu 60'000 Teile vollautomatisch von mehreren Robotern beschichtet. Kleinere Aufträge, bei denen es sich nicht lohnt, die Roboter zu programmieren, werden von Hand bearbeitet. Wieder andere Teile werden nicht besprüht, sondern in verschiedene Flüssigkeiten eingetaucht. Meter an Meter reihen sich diese Becken wie Badewannen. Und wieder andere Teile, die hochkomplexen, wie etwa die angesprochenen Sauerstoffmasken, werden in einem aufwendigen, wochenlangen Prozedere von Hand bearbeitet. «Sie sehen also, wir tun nicht einfach nur Farbe drauf. Es steckt etwas mehr dahinter», meint Kurt abschliessend.

Megasol: die unkaputtbare, Strom-produzierende Fassade

Nach dem Lärm in den Fabriken in Derendingen ist es in Deitingen beim Solarhersteller Megasol schon fast gespenstisch still. Es ist kühl und sauber. Weisse Gänge, grüne Türen. Die Wände sind behangen mit Bildern von Gebäuden, an denen Megasol schon mitgearbeitet hat. Darunter sind etwa die Werkhalle auf dem Riverside-Areal in Zuchwil, auf dessen Dach eine riesige Photovoltaik-Anlage steht, oder das Fussballstadion des FC Schaffhausen, ebenfalls ausgestattet mit einer Photovoltaik-Anlage, der grössten dieser Art in der Schweiz.

Dabei produziert Megasol eigentlich gar keine klassischen Solarmodule, wie Kommunikationschef Daniel Sägesser gleich zu Beginn des Rundgangs betont. Sondern sogenannte solare Gebäudeelemente. «Wir produzieren Elemente in allen Grössen, Formen und Farben, je nach Kundenwunsch, und kleiden damit Gebäude ein. Dass es sich dabei um Solaranlagen handelt, erkennt man auf den ersten Blick gar nicht mehr.» Und noch einen weiteren Punkt betont Sägesser gleich zu Beginn: Ja, die Produktion verschlinge viel Strom, doch die Solaranlage auf dem firmeneigenen Dach produziere mehr, als man verbrauche.

Unter einem blauen Plastik-Tor hindurch führt Sägesser die Gruppe in die Produktions-Hallen. Nun wird es doch noch etwas lauter. Roboterarme bewegen Glasscheiben durch die Gegend. Einzelne Arbeiter verlieren sich zwischen den übermannshohen Maschinen und Förderbändern. Obwohl das Unternehmen individuelle Module produziert, erfolgt die Herstellung fast vollautomatisch. «Wir können mit Fug und Recht behaupten, wir sind die einzigen weltweit, die so produzieren», sagt Sägesser. Die dafür benötigten Maschinen werden von hauseigenen Ingenieuren entwickelt. Damit stellt die Firma auch sicher, dass sie nicht kopiert werden. Ab hier ist Fotografieren dann auch verboten. An der Wand hängt ein Schild: Unkaputtbare Module. Ob das denn so stimme, will ein jugendlicher Gast wissen. «Kann ich da mit einem Vorschlaghammer draufhauen?» Sägesser lacht. «Nein, das dann schon nicht. Aber sie halten viel aus.»

Nachgefragt beim Veranstalter: «Deutlich zu wenig Junge kamen vorbei»

Thomas Heimann