Daniel Stüdi hat letzte Woche Glück gehabt. Seine Obstanlage in Deitingen hat den Kälteeinbruch ganz gut überstanden. «Bei mir persönlich sieht es noch gut aus. Es kann sein, dass ich bei den Äpfeln einen Verlust habe, es ist aber noch schwer zu beziffern», so der Obstbauer. Bei den Kirschen, Zwetschgen und Birnen, die auch auf der Obstanlage angebaut werden, gibt es – soweit erkenntlich ist – noch weniger Verlust.

Dafür wurde ein grosser Aufwand bei der Frostabwehr betrieben. Es wurden sowohl eine Regenabdeckung als auch Frostkerzen eingesetzt. Die Regenabdeckung wird normalerweise dazu verwendet, dass die Kirschen nicht aufplatzen. «Jetzt spannten wir sie auf, damit die Abstrahlung der Frostkerzen nicht so hoch ist», erzählt Stüdi. «Dadurch kann ein bis zwei Grad gewonnen werden.» Denn Frostkerzen sind teuer.

Auch wurde kurzfristig eine Bewässerungsanlage umfunktioniert, um die Blüten und Früchte noch zusätzlich vom Frost zu schützen. Daniel Stüdi erklärt, wie es funktioniert: «Das Wasser schützt die Blüten und die Früchte, indem es gefriert, denn im Inneren sinkt die Temperatur nicht unter den Nullpunkt.»

Darum muss die Bewässerung und die Temperatur auch immer überwacht werden. Der Preis der effektive Frostbekämpfung war viel Stress und wenig Schlaf: «Während zwei Nächten war ich nicht im Bett gewesen, um das Feuer der Frostkerzen und die Regenbewässerung zu überwachen.» Am Tag wird dann schon auf die nächste frostige Nacht vorbereitet. Das belastet sowohl die Psyche als auch das physische Wohlbefinden.

Willkommener Regen

Stüdi ist froh über die jetzige Wetterlage: «Der Regen am Mittwoch war sehr willkommen, dadurch erhöhen sich auch die Temperaturen. Denn das Wasser ist auch ein Wärmespeicher.» Letzte Woche war die Luft sehr trocken, was dazu führte, dass die Temperaturen in der Nacht noch weiter sinken konnten.

Auch die kühlen Temperaturen sind nicht schlimm: «So lange es nicht in den Minusbereich geht, macht es den Apfelblüten nichts.» Doch bestäubt werden sie nicht, denn den Bienen ist es zu kalt. Erst ab 14 Grad sind sie aktiv, so Stüdi. Hummeln fliegen zwar schon ab 8 Grad, es kann aber sein, dass die Ernte durch die schlechte Bestäubung beeinträchtigt wird. Teils sind die Apfelblüten zudem von der Kälte beschädigt.

Anders ist es bei den Kirschen, Zwetschgen und Birnen: «Sie hatten letzte Woche schon kleine Früchte gehabt. Da wären entweder alle oder keine verfroren.» Das die Früchte es überstanden haben, kann Stüdi schon jetzt sagen, denn ein allfälliger Schaden kann schon gesehen werden. «Der Aufwand hat sich gelohnt, wir konnten den Frost abwehren.» Am Samstag und Sonntag soll es aber wieder kalt werden: «Wir hoffen jetzt, dass wir nicht noch einmal Frostbekämpfung machen müssen.»

Laut Daniel Stüdi ist sein Hof jedoch nicht repräsentativ für den Solothurner Obstbau. Bei anderen Betrieben hat die Kälte teilweise grosse Teile der Ernte vernichtet. Philip Gut, der Obststellenleiter auf dem Wallierhof, hat Stüdi informiert, dass die Lage im Kanton sehr schlecht sei. Man geht im Obstbau von Schäden zwischen 50 bis 90 Prozent aus.

Verluste beim Ackerbau

Beim Ackerbau sind laut Martina Jenzer vom Wallierhof vor allem die Zuckerrüben betroffen: «Die Schweizerische Fachstelle für Zuckerrübenbau spricht von einem Frostschaden bei etwa 500 Hektaren schweizweit.» Wie die Lage im Kanton Solothurn ist, kann sie nicht sagen.

Ob es sich dabei um einen vollständigen Verlust oder um eine teilweise Beschädigung handelt, wird erst in den nächsten Tagen ersichtlich werden. Bei einem Totalverlust müssten die Zuckerrüben wieder neu gesät werden. Falls es die Pflanzen überstanden hätten, würden sie wieder Blätter bilden.

Auch Jenzer ist mit der jetzigen Wetterlage ganz zufrieden: Wenn es zu einem erneuten extremen Temperaturwechsel gekommen wäre, würde das noch viel grössere Schäden anrichten.

Im Ackerbau ist es schwierig, präventive Massnahmen zu ergreifen. Nur bei kleineren Anlagen ist es möglich, Frühkartoffeln oder Gemüse mit Vliessen abzudecken, Frostkerzen wie beim Wein- und Obstanbau können gar nicht eingesetzt werden.