Zwei Solothurnerinnen dabei
67 neue Frauen im Bundeshaus: Diese Kunstausstellung sendet eine politische Botschaft

Die Schweizer Gesellschaft bildender Künstlerinnen hat eine Aktion zur Feier von 50 Jahre Frauenstimmrecht organisiert. Mit 67 Frauenfiguren im Bundeshaus möchten sie daran erinnern, dass Frauen ins Bundeshaus gehören. Mit dabei sind die beiden Solothurner Künstlerinnen Gabriella Affolter und Béatrice Bader.

Sophie Deck
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Die Freiheitsstatue mit Legos und Pippi Langstrumpf in Gelb und Pink: Künstlerinnen Gabriella Affolter (l.) und Beatrice Bader mit ihren Figuren für die Ausstellung.

Die Freiheitsstatue mit Legos und Pippi Langstrumpf in Gelb und Pink: Künstlerinnen Gabriella Affolter (l.) und Beatrice Bader mit ihren Figuren für die Ausstellung.

Daniel Lüthi

2021 ist das 50. Jubiläumsjahr des Frauenstimmrechts in der Schweiz. Um dieses Jubiläum zu feiern, fanden das ganze Jahr über verschiedene Aktionen statt. Zum Beispiel die Ausstellung von Hommage 2021 in der Berner Altstadt und mehrere kleine Aktionen am Jubiläumstag im Februar. Und auch noch für die letzten drei Monate dieses Jahres hat sich eine nationale Vereinigung von Künstlerinnen etwas ausgedacht:

Vom 27. Oktober bis zum 17. Dezember werden im Bundeshaus in Bern 67 aus Holz geschnitzte Frauenfiguren stehen, von denen jede von einer Schweizer Künstlerin individuell gestaltet worden ist. Mit dabei sind die beiden Solothurner Künstlerinnen Gabriella Affolter und Béatrice Bader.

Die Ausstellung mit dem Namen «Frauen im Bundeshaus» wurde organisiert von der Schweizerischen Gesellschaft bildender Künstlerinnen (SGBK), einer Vereinigung, die es bereits seit 120 Jahren gibt. «Damals nahmen Künstlervereinigungen keine Frauen auf», erklärt Gabriella Affolter. «Mit einer eigenen Vereinigung wollten sie sich auch ein Netzwerk schaffen.»

Alle Künstlerinnen, die bei «Frauen im Bundeshaus» ausstellen, sind Mitglieder der SGBK. Auf die Idee für die Ausstellung kamen sie durch Elfi Thoma, Leiterin der SBGK Sektion Basel. Sie hatte eine ähnliche Ausstellung bereits 2016 im Basler Rathaus realisiert.

Heute wie damals ist jede Frauenfigur anders bemalt oder geschmückt und steht in einer anderen Haltung da. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Sie alle haben einen Stimmzettel in der Hand.

«Damit wollen wir daran erinnern, dass die Einführung des Frauenstimmrechts gar noch nicht so lange her ist. 50 Jahre sind im Verhältnis zur Weltgeschichte nichts. Und davor hat man Frauen überhaupt nicht gehört»,

sagt Affolter. «Dass die Frauenfiguren im Bundeshaus sind und nicht nur darum herum, zeigt, dass Frauen ins Bundeshaus gehören.»

Eine neue Welt mit gleichen Chancen bauen

Die Solothurner Künstlerin war nicht nur durch ihre eigene Figur in die Ausstellung involviert: Ein Grossteil der Figuren ist in ihrem Atelier an der Weissensteinstrasse in Solothurn entstanden. Dort arbeitet sie mit Kunsthandwerker und Fotograf Daniel Lüthi zusammen, der für viele der Künstlerinnen deren Figur nach Vorlage aus Holz herausschnitt. Einige von ihnen bemalten ihre Figur dann gleich in Affolters Studio. Das sei eine schöne Erfahrung gewesen, sagt die Künstlerin.

Affolter selbst hat eine Freiheitsstatue ausschneiden lassen, die sie dann mit Legos beklebte.

«Mit Legos baut man ja Dinge. Und wir müssen eine neue Welt bauen – mit gleichen Chancen für alle»,

erklärt sie ihre Figur.

In ihrem Atelier hätten die Kreation bereits viele Kinder gesehen, mit denen sie arbeitet. Diese seien begeistert gewesen. Das mache Affolter zuversichtlich, denn: «Von Kindern können wir viel lernen. Sie sprudeln vor Ideen und sind nicht nur unsere Zukunft, sondern auch unsere Gegenwart.»

Der Inbegriff von Unabhängigkeit und Selbstbestimmung

Affolters Künstlerkollegin Béatrice Bader hat indes eine Figur kreiert, die eine Hommage auf eine andere Künstlerin darstellt, nämlich auf Schriftstellerin Astrid Lindgren. Ihre Vorlage war Pippi Langstrumpf, welche sie dann in Gelb und Pink besprayte und noch mit einem Porträt von Astrid Lindgren versah.

«Mein Vater hatte immer ein sehr enges Bild davon, wie und was eine Frau sein sollte. Als Kind hat mir Pippi Langstrumpf gezeigt, dass es so nicht sein muss»,

erklärt die Künstlerin. «Sie ist der Inbegriff von Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Sie zeigt, dass man auch ausserhalb der Konventionen der Gesellschaft leben kann. Damit hat Astrid Lindgren eine zeitlose Botschaft gesandt.»

Und das sei für Bader auch die Botschaft der Ausstellung: Dass man als Frau seine Rolle in der Gesellschaft selbst definieren kann.

Wo genau im Bundeshaus die Figuren der beiden Solothurnerinnen stehen werden, wissen Affolter und Bader noch nicht. Will man sie live sehen, kann man dies im November. Da das Bundeshaus nicht öffentlich zugänglich ist, veranstaltet die SGBK an jedem Mittwoch in diesem Monat mehrere Führungen. Anmelden kann man sich dafür jeweils zwei Wochen im Voraus auf: sgbk-kunst-im-bundeshaus.ch.

67 Frauenfiguren aus Holz im Bundeshaus Bern.

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