Leicht ist der langjährigen Kalenderfrau Ulla Fringeli der Entscheid, sich als leitende Redaktorin zurückzuziehen, nicht gefallen. Die Verbundenheit mit dem im Dorneck-Thierstein und Laufental beliebten Jahr- und Heimatbuch ist riesig. Ihr 80. Geburtstag hat sie aber veranlasst, die Verantwortung für den «Schwarzbueb» weiterzugeben.

Mit ihrem Abgang verlässt das 1923 erstmals erschienene Heft die Hand der Familie Fringeli. Die ursprünglich aus Franken stammende Volkskundlerin und Kunsthistorikerin hatte das Jahrbuch in den frühen Neunzigern von ihrem Schwiegervater, dem Gründer Albin Fringeli, übernommen. Auch wenn sie es gerne gesehen hätte, fand sich in der Verwandtschaft niemand, der in dritter Generation den Volkskalender fortführen wollte.

Chronik spielt stärkere Rolle

Dafür sprangen zwei ein, die im kulturellen Schwarzbubenland bestens vernetzt sind: der in Hofstetten beheimatete frühere Solothurner Regierungsrat Klaus Fischer und der Reinacher Journalist und Autor Thomas Brunnschweiler. Gemeinsam leiten sie nun die Redaktion des Jahrbuchs, für das sie in der Vergangenheit bereits Artikel geschrieben haben. Beide gehörten bisher dem Beirat des Hefts an, das noch immer auch mittels Türverkauf vertrieben wird. Die neueste Ausgabe, deren Vernissage am kommenden Montag stattfindet, ist die erste, für welche die beiden verantwortlich zeichnen.

Die neuen Redaktionsleiter richten ihren Fokus dabei stärker auf die Chronik. «Mir als Historiker liegt es am Herzen, dass die Leser noch mehr darüber erfahren, was im letzten Jahr im Schwarzbubenland und im Laufental passiert ist», sagt Klaus Fischer. Der einstige Vorsteher des Solothurner Departements für Bildung und Kultur betont, dass es sich dabei um eine wichtige Aufgabe des Volkskalenders handle. So haben es der Besuch von Bundesrat Johann Schneider-Ammann in Zullwil sowie die bilinguale Matur in Laufen und Porrentruy ins neue Heft geschafft.

Das etablierte, jährlich wechselnde Schwerpunktthema haben sie jedoch beibehalten. «Und auch die traditionellen Rubriken wie die Bauernregeln oder die Totentafel gibt es weiterhin», erklärt Fischer. Die Ausarbeitung der ersten Ausgabe gemeinsam mit Thomas Brunnschweiler habe hervorragend funktioniert, meint der 69-Jährige. Er könne sich deshalb gut vorstellen, im Duo den «Schwarzbueb» noch einige Jahre zu leiten.

Jahrbuch sei identitätsstiftend

Denn das Jahrbuch, das heute von der AZ Anzeiger AG herausgegeben wird, habe noch immer seine Existenzberechtigung. «Der Kalender wirkt im Schwarzbubenland identitätsstiftend», sagt Klaus Fischer. Ihm sei aber bewusst, dass das Jahrbuch grösstenteils von älteren Personen gelesen werde.

Die zurückgetretene Kalenderfrau Ulla Fringeli kann ihrem Nachfolger bei der Bedeutung des Heimatbuchs nur zustimmen. Es sei auch im Jahr 2017 noch, was es bereits unter Albin Fringeli sein wollte: «Ein anregendes Gedächtnis und Gewissen einer Auswahl von Ereignissen und Themen für uns selbst und unsere Nachbarn.»

Die Vernissage der neuen Ausgabe des Jahr- und Heimatbuchs «Dr Schwarzbueb» findet am Montag, 13. November, um 18 Uhr im Hotel Kurhaus Kreuz in Mariastein statt. Die Vernissage ist öffentlich.