Stadttheater Solothurn

Zwei kämpfen um die Wahrheit: Theaterstück «Das Original» feiert Premiere

«Das Original» feierte seine Premiere im Stadttheater Solothurn. Es ist ein Stück für zwei kongeniale Schauspieler.

Maude Gutman (Claudia Burckhardt), eine arbeitslose Bardame, die in einem heruntergekommenen kalifornischen Trailerpark lebt, hat bei einer Schnäppchenjagd ein hässliches Gemälde für drei Dollar gekauft. Sie hat es gar noch von fünf auf drei Dollar heruntergehandelt, wie sie stolz erzählt. Sie will es eigentlich ihrer Freundin schenken, was diese jedoch dankend ablehnt – es sei zu hässlich.

Doch dann sieht der örtliche Kunstlehrer das Bild und sagt ihr, es könnte ein bisher unbekanntes Gemälde des grossen amerikanischen Maler Jackson Pollock sein. Eine Signatur ist zwar nicht zu entdecken, dennoch gelingt es Maude, den New Yorker Kunstexperten Lionel Percy (Martin Schneider) zu sich nach Hause einzuladen. Er soll herausfinden, ob dieses Bild echt oder falsch ist.

Percys ganz eigene Art, wahre Kunst zu erkennen

Percy seinerseits ist völlig davon überzeugt, der beste aller Kunstexperten zu sein. Noch nie hat er eine Fehleinschätzung vorgenommen. Der Fall interessiert ihn, doch von der unmöglichen Person, dieser ordinären Ex-Bardame, ist er mehr als angewidert. Er nimmt also den beschwerlichen Weg und Privatflugzeug und Chauffeur auf sich, denn immerhin könnte es sich um ein Bild handeln, das mindestens 50 Millionen Dollar wert ist. Obwohl: Eine finanzielle Einschätzung dürfe er nicht abgeben, versichert er immer wieder. Er dürfe nur ein Kreuzchen auf seinem Formular setzen: Ja oder Nein.

Doch der distinguierte Percy unterschätzt seine «Gegnerin». Sie lässt sich von Percys ganz eigenen Art, sich der wahren Kunst anzunähern und diese zu erkennen, nicht einschüchtern. Denn sie kennt nicht nur ein dunkles Geheimnis aus seiner Vergangenheit, sie hat auch den pensionierten County Sheriff ins Boot geholt. Dieser, gestählt durch unzählige «Law and Order»-Fernsehabende, hat Kriminalmethoden angewendet, welche eine Echtheit hieb- und stichfest untermauern.

Ein vergnüglich-hintergründiger Abend

Maud versucht noch, auf andere Arten den Kunsthistoriker davon zu überzeugen, dass dieses Bild echt sei: Mit Alkohol, mit Verführung, mit Erpressung und gar mit Zerstörung.

So entspinnt sich ein Kampf um Wahrheit, Sinn und Inhalt der Kunst, Sein und Schein im Leben. Claudia Burckhardt überzeugt in ihrer Rolle, als trinkende und anmassende Maud ebenso wie Martin Schneider als zunächst versnobter und dann immer verzweifelter werdender Percy. Ein Stück, wie geschaffen für zwei ältere Schauspieler ihrer beider Kaliber – und damit ein vergnüglich-hintergründiger Abend für das Publikum.

Regisseurin Barbara-David Brüesch lässt die Akteure selbst in einer Art Bilderrahmen (Bühnenbild und Kostüme: Valentin Köhler) agieren. Viel Wert legt sie auf Stimmung und Emotionen, Hintergrundgeräusche, Licht und Musik. Stückeschreiber Stephen Sachs ist 1959 in San Francisco geboren, studierte an der Theaterakademie des Los Angeles City College. Im Laufe seiner Karriere arbeitete er als Schauspieler und Regisseur an verschiedenen Theatern und war Mitbegründer des Fountain Theatre in Los Angeles, an dem er bis heute als künstlerischer Leiter, Regisseur und Dramatiker tätig ist.

Aufführungen Solothurn: So 2.2.17 Uhr; Di 18.2.19.30 Uhr; Fr 21.2. 19.30 Uhr; Do 19.3.19.30 Uhr; Sa 21.3.19 Uhr.
Aufführung Biel: Sa 22.2. 19 Uhr.

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