Am Anfang war für die beiden Solothurner Jubla-Leiter Noah Heynen und Samuel Beer alles eher eine Spielerei. Sie entwickelten ein mobiles Ladekit für Handys, mit dem man Jugendlichen gleichzeitig die Photovoltaik erklären konnte. Das war erst vor fünf Jahren. Heute sind sie Chefs einer der grössten Schweizer Solaranlagen-Installationsfirmen mit 45 Angestellten und inzwischen 500 installierten Anlagen.

Und jetzt haben sie mit ihrer Firma den Zuschlag erhalten, das grösste Solarkraftwerk in der Schweiz zu bauen. Es soll in der Region Bern errichtet werden. «Mehr darf ich im Moment dazu nicht sagen», erklärt Noah Heynen. Der 24-jährige Solothurner Elektroniker, der sich berufsbegleitend an der Fachhochschule Burgdorf zum Ingenieur weiterbildet, hat zusammen mit Samuel Beer (26, Elektrotechniker) 2008 die Firma Helion Solar gegründet. Sie ist im Kanton Solothurn Marktführerin bei der Installation von Solarthermie- und Photovoltaik-Anlagen.

Der Solarmarkt ist verteilt

Nicht zuletzt dank kantonaler Förderung, Kostendeckender Einspeisevergütung (KEV) und dem Kurswechsel der Landesregierung nach Fukushima hat die Branche nun auch in der Schweiz einen Boom erlebt. «Wir waren zur rechten Zeit am rechten Ort und hatten auch etwas Glück», gibt sich Heynen bescheiden. Das allein kann es nicht sein. Denn inzwischen ist, zumindest in der Region Solothurn, der Solarmarkt schon in den Verdrängungswettbewerb gereift (vgl, Artikel rechts).

Helion Solar versteht sich als Generalunternehmer sowohl für «schlüsselfertige» Solarthermie (Warmwasser-)Anlagen als auch für Solarkraftwerke. Das beinhaltet Dachdecker-, Zimmermanns-, Spengler- und Elektroinstallationsarbeiten sowie Gerüstbau. Nicht zu unterschätzen sei auch das «Paperwork». 12 der 30 Angestellten in Solothurn arbeiten im Büro, wo sie sich um Planungen, Bau- und Subventionsgesuche, KEV-Anmeldungen, Einspeiseverträge usw. kümmern. «Die Behörden haben in der Branche ein gewichtiges Stück mitzureden», mein Heynen.

Die Optik muss stimmen

Den USP, das «Alleinstellungsmerkmal» von Helion Solar, sehen Beer und Heynen in zwei Bereichen. «Wir wollen keinen einzigen unzufriedenen Kunden», betont Heynen. Das heisst: wenn Fehler passieren auf eigene Kosten reparieren, statt «stürme». Denn zufriedene Kunden seien die beste Werbung. Einen Namen machen will man sich sodann mit Ästhetik: nicht die billigsten Anlagen installieren, sondern die schönsten. «Eine Solaranlage ist ein wichtiges Element für das Erscheinungsbild eines Hauses. Wir spüren, dass unseren Kunden das ebenfalls wichtig ist und sie bereit sind, für die Ästhetik auch etwas zu investieren.»

Statt blaue, stark reflektierende Solarchips installiere man heute mehrheitlich schwarze, kaum reflektierende Panels. In Büren zum Hof konnte kürzlich ein Bauernhaus mit einer In-Dach-Anlage ausgestattet werden, die auch den strengen Auflagen des Bundesinventars für Schützenswerte Ortsbilder genügt.

Laufend neue Filialen

Inzwischen wurden Niederlassungen gegründet in Bern, St. Gallen und La Neuveville, weitere Standorte sind in Planung. Wie verdaut die junge Firma das rasante Wachstum? Heynen betont, dass es bis jetzt gelungen sei, die besten Leute der Branche zu rekrutieren. «Wir legen zudem Wert auf Teamarbeit», erklärt er und zeigt das Schema einer Matrix-Organisation. Die Chefs figurieren darauf irgendwo am Rande.

Stelleninserate zeigen zudem: Die jungen Firmengründer umgeben sich mit vorzugsweise jungen Angestellten. «Wir sind eine dynamische Branche und brauchen auch solche Leute», begründet er. Gerne würde er auch Frauen anstellen. Bisher seien es leider erst zwei.

Neue Räume in Luterbach

Das alljährlich hohe zweistellige Wachstum hat dazu geführt, dass vor zwei Wochen neue Büros auf dem AEK-Areal in Luterbach bezogen wurden. Die AEK als Vermieterin (und Kundin) wird eine weitere Lagerhalle errichten, als Lager und technische Räume. Heynen betont, dass der bisherige Standort in Lohn-Ammannsegg nicht aufgegeben werde. Für das laufende Jahr sei man weiterhin gut bis sehr gut ausgelastet. «Stichtag ist jeweils das Datum, an dem die KEV angepasst wird», sagt Heynen. Sprich gesenkt. «Alle wollen vorher noch ihre Photovoltaik-Anlage bauen.» Somit ist für das Gros der Mitarbeiter an Ferien vor dem 1. Oktober, der nächsten KEV-Senkung, nicht zu denken.

Dieser Zyklus werde sich bald beruhigen, glaubt Heynen. Denn Solarstrom werde auch ohne KEV konkurrenzfähig. «Für Einfamilienhausbesitzer gehört bereits heute eine Solaranlage einfach zum guten Ton.» Die Solarpanels kosten noch einen Viertel des Preises, den sie bei der Firmengründung von Helion Solar hatten. Das heisse auch, dass sich das Umsatzwachstum abflache. Konkrete Zahlen nennt Helion Solar nicht. Der Umsatz betrage «zwischen 20 und 30 Millionen Franken».