Kaum zu glauben, aber 2018 wird auf dem Aareinseli keine Bratwurst gegrillt. Die richterliche Absage an die Ausbaupläne der Familie Antener – keine Erweiterung des Gastrobetriebes und keine Obstbaumplantage – haben auch die bisherigen Aktivitäten der Familie auf dem Eiland bei Selzach lahmgelegt. Das Ausflugsziel ist vom Tisch. Der Gastrobetrieb, der bisherige Nebenerwerb der Familie, ist auf Eis gelegt.

Der Besuch auf dem Inseli ist in diesen Tagen eine triste Angelegenheit. Vreni und Simon Antener wurden ihrer Träume von einer Generationengemeinschaft auf dem Aareinseli beraubt. Sohn Adrian, der bis Herbst 2018 die Bäume seiner Obstplantage shreddern muss, ist mit seiner Familie sowieso auswärts orientiert. Vorgesehen war, dass er die Baumschule und Obstplantage auf dem Inseli in einem Pensum von 30-Prozent erledigt. Für ihn als Baumschulist und Gärtner ist es einfacher, eine Arbeit zu finden als für Tochter Katrin, die gerade erst Mutter geworden ist.

Sie wollte auf dem elterlichen Hof den Gastrobetrieb ausbauen und Mutterkühe halten, muss jetzt aber zusammen mit ihrem Mann das Kind andernorts aufziehen. «Hier hätte ich für das Kind geschaut, nun muss sie es in die Kita geben, wenn sie arbeiten geht», sagt eine betrübte Vreni Antener. Aber sie sagt auch: «Ich verstehe meine Kinder. Warum sollen sie diese Mühe auf sich nehmen. Im Winter die Kinder zur Schule bringen, wenn niemand den Schnee wegräumt? Das Holz für die Heizung selber fräsen und spalten? Wenn sie keine Zukunft haben, warum sollen sie hierher wohnen kommen?»

Mutterkühe und Gemüseanbau

Vater Simon Antener versucht ansatzweise, einen landwirtschaftlichen Betrieb mit etwa 7 Hektaren nutzbarem Land aufrechtzuerhalten. Die Mutterkühe harren mit ihrem Nachwuchs auf engem Raum der Dinge. Sie hätten nach seinem Willen einen grossen Laufstall erhalten sollen. Doch die Richter erlauben die Ausbaupläne nicht.

Nun will Antener wenigstens die ganze offene Scheune als Laufstalle nutzen. Damit die Tiere eine angenehmere Unterlage haben, muss er Stroh zukaufen. «Wir mussten nie Stroh kaufen.» Am Abend führt er sie zum Füttern in den Stall, der als Anbindestall konzipiert wurde. Aber das Hin und Her führe zu einem ständigen Tumult. Zurück zu Milchkuhhaltung will er nicht. «Wer soll das weiterführen?» Er müsste Zehntausende Franken investieren und dies für die drei Jahre bis zu seiner Pensionierung.

Aber Mutterkuhhaltung könnte später auch funktionieren, da ist man flexibler mit der Zeiteinteilung. Und im Sommer Gemüsebau. Diese beiden Bereiche sollten theoretisch reichen, um weiterhin als Landwirtschaftsbetrieb zu gelten. Daneben geht Antener Klauen schneiden. Aber heutzutage würden die meisten Bauern selber den Kurs absolvieren und die Klauen ihres Viehs schneiden.

Der Mutter ist die Enttäuschung über die Entwicklung der Dinge anzusehen. «Wir haben eigentlich gar keine Möglichkeit mehr. Auf jeden Fall wissen wir keine mehr. Wir können nur noch zuschauen, wie alles zu Boden gefahren wird, hienieden.»

«Andere müssen auch aufgeben»

Das Problem mit der Betriebsbewilligung für den Gastronomieteil hat sich nicht gelöst. Neuerdings braucht es eine rechtsgültige Baubewilligung für eine solche Gastrobetriebsbewilligung. Da eine Baubewilligung fehlt, verweigert der Kanton die Betriebsbewilligung. Wenn Simon Antener von seinen Behördengängen erzählt, die er unternahm, um wenigstens das bisherige Gastroangebot weiterführen zu können, fühlt man sich an einen Roman von Kafka erinnert. «Beim Kanton sagte die Frau, sie brauche eine Baubewilligung von der Standortgemeinde, wo wir das durchführen.

Ich ging bei der Gemeinde vorbei und sagte, ich brauche eine Baubewilligung für mein Haus. Dann habe ich eine Baubewilligung für den vor 20 Jahren erstellten Stall mit dem Bschüttiloch erhalten. Die Frau vom Kanton sagte, sie könne beim besten Willen keine Gastrobewilligung auf ein Bschüttiloch geben. Am Ende sagte sie, wir sollen das Gesuch zurückziehen.»

Und Vreni Antener erinnert sich an ein Gespräch. «Ich habe dem Kanton telefoniert wegen den Kühen. Mir wurde beschieden, man habe uns helfen wollen, aber das ginge nicht, deshalb sei das zu akzeptieren. Andere müssten auch aufgeben. Aber andere können ihr Land dem Nachbar verpachten, das können wir nicht, weil der Nachbar es wegen der Aare nicht bewirtschaften kann.»

Lösung am Runden Tisch

Die Anfrage wegen einer Gastrobewilligung scheiterte, weil Familie Antener keine gültige Baubewilligung für die Gastronutzung besitzt. Die Anlässe haben sich aus dem Nichts über Jahre hinweg zu einem Nebengeschäft entwickelt, das aber keine rechtliche Grundlage hat. Diese Baubewilligung oder Umnutzung nun bei der Gemeinde nachträglich einzuholen, um wieder wie bisher Anlässe durchführen zu können, hat kaum Chancen. Chancen hat eine Entwicklung, die in Einklang mit den diversen Zonen ist, die für das Aareinseli gelten, insbesondere die Witischutzzone, die eigentlich Landwirtschafts- und Witischutzzone heisst.

Die bis zu diesem Zeitpunkt, als diese Zone eingerichtet wurde, praktizierten landwirtschaftlichen Tätigkeiten in der Witi sollen geschützt sein. Das unterstützt auch Selzachs Bauverwalter Thomas Leimer. Aber: «Anteners können diese mögliche Entwicklung nicht alleine erarbeiten.» Dazu müssten alle involvierten Stellen gemeinsam an einen Tisch sitzen und beraten, «was man machen kann – und was nicht», so Leimer. Dieses Ziel auf juristischem Weg zu verfolgen, erachte er als nicht zielführend. Leimer schlägt beispielsweise Architekturbüros vor, die sich mit ähnlichen Fragestellungen bereits auseinandergesetzt haben.

Eine andere Möglichkeit besteht, indem für jeden Anlass eine Bewilligung bei der Gemeinde nachgefragt wird. Die Erteilung ist nicht mit so vielen Kriterien verbunden, die erfüllt sein müssen. Die Anlassbewilligungen werden aber nur für sporadische Anlässe erteilt und nicht für Anlässe in einem gewerblichen Rhythmus.

Eine neue Fähre wofür?

Vor wenigen Jahren wurde eifrig Geld gespendet, um der Familie Antener eine neue Fähre für 100'000 Franken zu finanzieren. Ex-Regierungsrätin Esther Gassler weihte sie ein. Ein Wirtschaftsförderungsanlass par exellence – dachte männiglich. Jetzt schaut Simon Antener, dass er wenigsten 0,75 Standard-Arbeitskraft nachweisen kann. «Das ist mein höchstes Ziel.»

Damit sein Sohn eventuell doch den Betrieb als Landwirtschaftsbetrieb übernehmen könnte. Gelingt dies nicht, müsste das Ganze zum Verkehrswert übernommen werden. «Dann macht er es sicher nicht. Dann macht es noch weniger Sinn, es zu übernehmen. So aber kann er dann vielleicht in zehn Jahren mit anderen Gesetzen seine Bäume ziehen.»